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RANDGLOSSEN

Skypen, twittern und Facebook... alles kein Problem

GEHEIMIS DER DEUTSCHEN SPRACHE

„Du mußt skeipen..!“, sagt die Oma zum Urenkel, „ … denn das Skeipen kommt viel billiger, kostet gar nix …“
„Alles onlein“, antwortet der Urenkel zufrieden.
Die beiden unterhalten sich noch angeregt über Megabites, Server und Downloads.
Und natürlich Updates, sowieso.
„Twitterst du, Omi?“
„Nein, aber ich habe bei Xing ein Profil.“
„Stelle keine anzüglichen Fotos von dir und Opa bei Facebook ins Netz“, meint der Enkel nicht ohne Sorge, „ … das könnte dann später gegen dich verwendet werden!“
„Weiß schon“, meint Omi, die nicht dumm ist, „...Fotos von mir und Opi, - damals im Schwimmbad -,könnten einmal den Platz im Altenheim kosten.“
„Ja, wenn noch andere Bewerber da sind, von denen sich eben kein Blödsinn aus dem Netz filtern lässt“.
„Man weiß nie“, so der Urenkel: „Wir im Kindergarten sind da auch ganz vorsichtig.“
„Gut so“.
Die beiden verstehen sich prima, sie sind ein Herz und eine Seele. Was sich auf die gemeinsamen Hobbys auswirkt:
„Spielen wir morgen wieder „Abgeschriebene Doktor-Arbeiten-Filtern?“, sagt der Enkel mit leuchtenden Augen. Der süße Fratz weiß, dass die Omi bei so einem begeisterten Kinderblick nie Nein sagen kann.
„Gut, meine Kleine“, so die Omi.
Nun der gütige Oma-Blick: „Es ist spät geworden. Schlaf ein, mein Schatz.“
„Beamst du mir noch den Sternenhimmel an die Wand?“
„Hab ich längst als Power-Point-Präsentation vorbereitet für meinen Liebling.“
Nach einigen feinpixelscharfen Nachtbildern schläft der Enkel selig.
„Wunderbar, so ein Kind mit heruntergefahrener Festplatte…“, denkt die Oma liebevoll. Und sie streicht dem schlafenden Enkelchen zärtlich übers Haar.

Fritz Fenzl

Simmerl wurde 12 Jahre alt... 

GASTKOMMENTAR

Simmerl, meine geliebte Nervensäge

Es ist schon merkwürdig. Seit Jahren wünsche ich mir, einfach an einem Samstag wieder ausschlafen zu können, im Februar nicht ins kalte Bachbett springen zu müssen, um meinen tollpatschigen Begleiter aus dem kalten Nass zu retten und einfach mal wieder herzhaft in eine Wurstsemmel beißen zu können, ohne dass daneben ein speichelnder Hund mit den treuherzigsten Augen der Welt sitzt. Nun ist es so weit...

Simmerl (12) wurde am Mittwoch von seinen Schmerzen erlöst. Nun würde ich alles darum geben, wenn ich nicht ausschlafen müsste und ich wie gewohnt in aller Herrgottsfrüh schlaftrunken durch unser Viertel wackeln dürfte.
Ja, so blöd ist der Mensch. Dass er erst richtig schätzt, was er hatte, wenn es nicht mehr ist. Nein, keine Angst. Meinen Simmerl liebte ich auch während der zehn Jahre, die mir vergönnt waren. Trotz Epilepsie, trotz permanenter Sorge, dass er den nächsten Tag nicht überlebt, trotz Einschränkungen und Entbehrungen. Und trotz hoher Kosten für Tierarzt und so Dennoch war er ein wertvoller Begleiter, der geduldig meine Launen ertrug und nie beleidigt war, wenn mal der Geduldsfaden riss. Der alle Menschen, Hunde und Katzen liebte und die ihn auch. Er hat mir außerdem gelehrt, dass man mit Geduld weiterkommt und dass ein Hundehaar oder auch mal übel riechende Hinterlassenschaften nach einem epileptischen Anfall nichts gegen die uneingeschränkte Liebe eines treuen Hundes sind.
Es klingt zwar merkwürdig, ist es aber nicht ähnlich so mit zwischenmenschlichen Beziehungen? Sobald sie aus irgendeinem Grunde auseinander gehen, erinnert man sich plötzlich nur noch an die positiven Seiten die negativen verblassen zusehends. Und letztendlich verfällt man in grenzenloses Selbstmitleid, weil einem was genommen wurde
Deshalb egal ob mit Haustier oder einem zweibeinigen Begleiter, jeden Tag aufs Neue genießen. Was Besseres kommt meistens nicht nach.
In diesem Sinne
Gastkommentatorin
Uli Singer

Za-Zen, Geist des Koan, Ostkurve

Vorläufer des Koan war ein Frage- und-Antwort-Spiel zwischen Schüler und Meister! Die Erklärung des Geistes des Zen (Zazen) ist an sich schon ein Koan.
Wenn Du Dich ernsthaft damit beschäftigen willst, ist es unumgänglich, einen Lehrer zu suchen. Allein damit zu arbeiten, verwirrt Dich nur, d.h., es nützt dir nicht nur nichts, es kann dir schaden. (zitiert nach heiligen Quellen).
Koans sind einerseits auch poetisch, hübsch anzuhören, aber das ist nicht ihr Zweck. Nur ein Lehrer kann Dich anleiten.
Trotzdem gebe ich dir ein paar Koans und die Deutung, die ich dazu bekommen habe:
„Die Mittagssonne wirft keinen Schatten“.
(Man kann Za-Zen nicht mit dem Intellekt verstehen.)
„Eine einzelne Hand - kein Geräusch“.
(Gegensätze vereinen.)
„Zen und Tee - gleicher Geschmack“.
(Ruhe, Konzentration.)
Auf dieser Basis poetisierter, -Zen-zentrierter Meditations-Schule ist der weise Spruch zu erkennen:
„ Koan Neuer“.
Der Meister (Hoeneß) hat gefragt, - die Schüler antworten: Der Sinn des Neuer-Koans? Keiner. Koan Neuer. Der tiefere Dennoch-Sinn erschließt sich erst in der Ruhephase. Den bietet der Verein, indem er dem oberflächlichen Erfolge entsagt.
Glück, aus der tiefsten Tiefe des Seins, - fernöstlich gefärbt, aber aus der Südkurve (wieder ein Koan:
„Osten und Süden – zwei Geschmäcker“).
Was ist das – Glück?
Dieser so seltene, körperlich-geistig-seelische, schier unglaubliche Glücks-Moment, der sogar körperlich spürbar ist, bei dem es einen „durchrieselt“? Das Sein streichelt die Seele, und der Körper fühlt sich wohl!
Ein wunderbarer Glücks-Rausch, der ohne Droge geschieht, ohne Lottogewinn, der aber einer mystischen Erfahrung gleich kommt – solch ein körperlich-seelisches Erdbeben des Glücks und der reinen Freude am Sein ist durch ein Koan erschlossen.
Sechzig gewinnt – Van Gaal fliegt“:
Schauen
und das Erkennen … was für ein Wochenende! Wer hätte so viel Bildung, so tiefes Denken und Verstehen in der Bayern-Ostkurve vermutet? Fritz Fenzl

Intelligente Intelligenz

In den letzten Jahren wird zunehmend nachgedacht über die Arten und Abarten von Intelligenz, wird über das Geist-Thema geschrieben, geworkshopt, sogar gedacht. Früher war das alles recht einfach. Man war intelligent oder nicht. Die Intelligenz hieß Geist, Gehirn, bayerisch g´sagt „Hirnschmoiz“, „G'scheid sei“: Vielleicht auch, etwas differenzierter, „Kombinationsgabe“.
Wer intelligent war, der kapierte komplexe Sachverhalte schneller als andere. Er galt als „heller Kopf“. Köpfe, die nicht so schnell waren, galten eben als langsamer, bestenfalls als denkfaul; im schlimmsten Falle als „bläd“. Die zweite Gruppe hatte fast immer im Turnen gute Noten, die erste Gruppe (die Intelligenten), waren deshalb im Turnen nicht schlechter, hatten aber zumeist noch andere Interessen.
Alles vorbei. Intellgenz wird heute eingeteilt wie ein Botanischer Garten mit diversen seltsamen Denk-Wegen. Da gibt es die „Emotionale Intelligenz“, die „Beziehungsintelligenz“, die XY-Intelligenz, die (das ist recht neu!) Körper-Intelligenz.
„Ja wos is denn des“, ruft da der Neuro-Schwammerlsucher, der stets auf der Suche nach seltenen Denk-Pilzen ist:
Körper-Intelligenz? Früher galten doch die körperbegabten, die Sportler, Bodybuilder, Skilehrer, etc, zwar als sexy, aber eben … siehe oben im Text.
„Jeder von uns verdankt seinem Körper viel. Er ist die Schnittstelle zur Welt, und er führt uns durchs Tun zum Denken …“ Was für ein Satz! Er stammt aus der neuesten Nummer von „Bild der Wissenschaft“, Ausgabe 4/2011, S.16 .
Hier wird wissenschaftlich nachgewiesen, wie das körperliche Tun untrennbar mit Denk-Bewegungen verbunden ist und alles sich einander bedingt.
Nach dem Bauch als Denk-Ort, dem wurligen „Bauchgefühl“, und auch nach dem modernen Neuro- Getue, nun also der ganze Körper.
Bis dann ein Bestseller lautet: Der kleine Zeh als Denk-Ort. Stimmt. Der Zeh juckt manchmal: Ein neuronaler Denk-Flush..?
Fritz Fenzl

FELDHERRNHALLE LÖWENSTARK

Beobachten sie die beiden monumentalen steinernen Löwen, die unsere Feldherrnhalle am südlichen Ende des Odeonsplatzes „bewachen“. Der mächtige männliche Löwe mit seiner imposanten aufgeplusterten Mähne ist immer das Tier der Macht, so wie jene groß-kopferten „Gesellschaftslöwen“ die menschlichen Tiere der Macht sind. „Hohe Viecher“ halt. Unumschränkte Herrscher über Münchens Event-Savannen, Party-Wüsten und Gipfeltreff-Steppen. Die Überlebens-Regeln sind dem Tierreich erfolg-versprechend abgeschaut: Wer am lautesten brüllt, der kommt zum Zug.
Betrachten sie sich diese beiden würdig einher schreitenden Macht-Tiere vor der Feldherrnhalle einmal etwas genauer. Suchen sie die „Welt hinter der Welt“. - Und staunen sie:
Denn der linke Löwe im Osten, auf der Seite der Residenz, der weltlichen Macht: Er schreitet sichtbar aufrechter und auch entspannter als der rechte, der westliche Löwe dies tut - oder tun darf. Und der Residenz-Löwe hat das Maul offen. Er darf etwas sagen, vielleicht hat er auch etwas zu sagen: Dieser würdige Leu zur Linken (!), der darf „ … das Maul aufreißen“!
Und der rechte Löwe? Der in nächster Nähe zur Theatinerkirche steht, also von der kirchlichen Seite beeinflusst ist? Richtig beobachtet: Sein Gang ist weit weniger aufrecht und selbstbewusst, sein Blick bleibt grantig, das Maul mürrisch verschlossen. Botschaft hinter der sichtbaren Erschein-Welt:
Der Löwe auf der Kirchenseite, der muss, ob es ihm gefallen mag oder nicht „ … das Maul halten“.
Interpretieren sie dieses Phänomen wie sie wollen. Sie kommen immer auf die richtigen Schlüsse.
Maul halten und weitergehen. München hat so viele Überraschungen, die bewusst „versteckt“ sind und nur darauf warten, gefunden zu werden.
Interessiertes Hinschauen hat übrigens immer mit Liebe zu tun. Liebe ist Aufmerksamkeit. Ein interessiertes Hinschauen ist eine Form der anerkennenden Liebe. Sie können das auch mit lebenden Objekten erproben, - gerade jetzt im Frühling. Fritz Fenzl

SICHER IST SICHER ?

Also, sicher ist sicher. Sicher ist aber sicher nicht hundertprozentig sicher.
„Unsere AKW´s sind sicher, wir werden zur Sicherheit aber nochmals prüfen, ob sie sicher genug sind...“, so erfreut uns die Politikerkaste mit beruhigenden News. „Sicher“ ist also ein relativer Begriff, bei dem nichts sicher ist. Sicher ist nur, dass Wahlen unmittelbar bevorstehen und sich keiner mehr sicher sein kann, die Stimmen des noch wahlberechtigten Stimm-Viehs einzufangen.
Also macht man sichere Kernkraftwerke noch sicherer und hofft, dass keiner merkt, wie unsicher diese Trutzburgen der Wohlstandsgesellschaft folgerichtig gewesen sein müssen.
So profitieren wir auf grausige Weise von den grauenhaften Ereignissen in Japan: Täglich führen Horror-Bilder vor Augen, wie sicher der tatsächlich hohe Sicherheits-Standart ist, - wenn die Sicherheit ungekühlt baden geht.
Der Mensch war wohl immer schon profitneurotisch und selbstsüchtig, dazu blind vor möglichen Folgen. Mit den weltweiten AKW´s s hat aber die Ursünde der Hoffart, der Habsucht und des Immer-mehr-immer-mehr-Wollens eine tatsächlich kosmische Dimension erreicht.

Erdenstern krankt in Habtrugs Haft
Deutschland, dein Wort wird notwendig,
das im Verborgenen wirkt und schafft,
urbar und urlebendig …
( … )
Kann das Atomgebombe Welt vernichten,
so kann Geistodem, der ins Tiefste trifft,
die tiefvergiftete wohl heilen, lichten
mit Gegengift!
Lachlohelach, mein Zorn, du darfst auch schrein,
denn nimmer darf verdorrn Erdsternelein,
( … )
Geht, ihr Heuchler, Meuchler, Macher,
geht, ihr Lebenswidersacher!
Schimpft mich Narr nur oder Tor –
( … )
Armes Menschlein, flieg nur, flieg,
fliehst nur in Beschwerden.
Wurm, der sich zum Wahn verstieg:
„Ich bin Herr der Erden!“


Gusto Gräser an Hermann Hesse,
30.12.1918


„Gusto Gräser“ war ein als „Kohlrabi-Apostel“ verschriener Spinner in München um die Jahrhundertwende. Fritz Fenzl

Atomkraftwerk, Donisl, Wachstum

Droht also dem Donisl das „Aus“. Weil dieses Filetstück am Marienplatz, direkt gegenüber vom „Wurmeck“, Quatratmeter-relevant viel zu teuer ist, als dass man nur ein Traditionslokal dort betreibt. Na ja, die Welt geht nicht unter, wenn es keinen Donisl mehr gibt. Der einzige Reiz beim Donisl ist immer schon der seltsame, aber reizvolle Ort, die seltsamen, aber reizvollen Bedienungen, die seltsamen und überhaupt nicht reizvollen Betreiber.
Es passiert sowieso bei allem, was geschieht, die
„ … letzte Vollendung im Wahnsinn…“, es tritt immer der schlimmste Fall ein. Das kommt bei Dürrenmatts „Physikern“ ebenso zur Sprache wie bei Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Das ist ein Naturgesetz. Nochmals: Es passiert immer (!) das, was auf keinen Fall passieren darf. Aber es passiert.
Nicht nur in Japan werden noch mehrere AKW´s explodieren, auch bei uns wird das bald der Fall sein. In der Angela-Politikersprache heißt das: „Alles ist sicher, aber wir überprüfen es zur Sicherheit nochmals, ob es sicher ist“. Allein schon die Tatsache, dass auf dem Haupterdbebengebiet Japan „sichere“ Atomkraftwerke stehen, noch dazu restlos veraltete! Und wer sagt, dass bei OHU II nicht auch einmal die Erde bebt? Alles passiert, was niemals passieren darf. Die Titanic ist gesunken, aber theoretisch schwimmt sie noch, weil sie unsinkbar ist/war.
Aber zurück zu München. Der Donisl wird einem weltweit langweilenden Parfümerie-Konzern weichen, und der Dom wird bald ein Mäc … Schnellrestaurant. Weil die Lage optimal ist und der Gewinn ebenfalls.
Letztes Wochenende habe ich auf einem Frauen(!) Seminar der „Landvolkshochschule in der Wies“ mit den bodenständigen Damen erarbeitet: Stetes Wachstum kann es einfach nicht geben. Schaut den Blumen zu. Die hören irgendwann auf zu wachsen, sterben und kommen wieder.
Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn so viel kaputtgeht.
Das ist ganz natürlich und gottgewollt. Wenn der Mensch nichts begreift, dann kommt Gott mit dem Vorschlaghammer. Aber wir Menschen könnten es vermeiden. Geld ist eben doch nicht alles. Fritz Fenzl

Meinungsumfragen für Machtlose

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie mehr als „gefragt“ sind? Zu jedem Thema und Nicht-Thema gibt es eine Meinungsumfrage. Und Sie (Ja! Sie!) -, Sie sind dabei. Angeblich.
Nein, nicht nur bei „Germanys Next Flop-Model“ mit der maskulinen und zahnfletschenden Heidi Klum werden sie gefragt; Sie können (angeblich) mit bestimmen, wer „DSDS“-Sieger bei Dieter Bohlen wird. Oder wer Nachfolger von Thomas Gottschalks wortwörtlich lähmender Horror-Show werden soll.
Es gibt eigentlich keinen Schmarren, der in seiner Nicht-Bedeutsamkeit (klingt fast Adorno-mäßig: „Das Sein in seiner Uneigentlichkeit..“) noch zu unterbieten wäre, keinen Mega-Kaas, der nicht für eine Meinungsumfrage oder Telefon-Aktion mit gieriger Warteschleife gut wäre:
„Wählen Sie, wenn Sie dafür sind die xxx-Nr. mit den Endziffern 01; wenn Sie dagegen sind, die xxx-Nr. mit den Endziffern 10! Aber wählen sie gleich! Jetzt!“
Ein wissender Teilnehmer bei einer Führung hat mich vor Jahren darauf hingewiesen: Je weniger das Volk (wirklich!) zu sagen hat, desto mehr wird es gefragt! Denn das Ergebnis der Blödfragerei interessiert … Wen? Richtig: Interessiert keinen.
Die Ergebnisse stehen vorher fest. Stellen Sie sich vor, wie weit Macht-Haber (von solchen werden wir regiert) kommen würden, täten Sie tatsächlich das Volk fragen. Stellen Sie sich vor, Gott hätte vor dem grandiosen Schöpfungsakt das Volk befragt. Nicht einmal die Stubenfliege wäre erschaffen. Aber „Gott“seidank gab´s vor dem Schöpfungsakt noch kein Volk, das man hätte fragen können oder wollen.
Inzwischen werden Sie nicht nur befragt, sie können Ihre Meinung bloggen, twittern, facebooken.
Durch diese Fragerei ist Guttenberg beliebter als Gott (bei mir nicht, mir ist Gott wesentlich mehr geheuer).
Und alle (!) sind von „Olympia München“ so begeistert wie die schreckliche Kathi Witt mit ihrem Metallcharme.
Umfrage: Wie gefällt Ihnen diese Glosse? Geben Sie Ihre Meinung ab. Wo? Am besten bei der Parkuhr, die ist geduldig. Fritz Fenzl.

Zwangs-Olympisierung von München

ZWANGS-OLYMPISIERUNG VON MÜNCHEN

Es war Mitte der letzten Woche, da läutet es an der Tür.
„Ja, bitte…?“
„Wir sind von der Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees IOC und haben einen Durchsuchungsbefehl!“
„Wie bitte?“
„Die Zwangs-Olympisierung Münchens hat dafür eine verbindliche und gültige Rechtsformen geschaffen: Wir sind ein Sonderkommando der IOC-Kontrolleure, die prüfen, ob München auch die Voraussetzungen erfüllt, - und zwar in allen Punkten! Dazu gehört die positive Meinung eines jeden einzelnen. Und da haben wir so unsere Zweifel bei ihnen ...!“
„Das Olympia-Trara finde ich lächerlich.“
„Das ist es ja. Hier hängt weder ein Rosi Mittermeier-Plakat noch sehen wir eine Pro-Olympische Werbeschrift herumliegen. Wir prüfen die Meinung der Bevölkerung in Stichpunkten: Und sie sind so ein Stichpunkt. „
„Ich?“
„Nicht ganz. Ihre defätistischen Meinungen über Olympia sind bekannt. Für sie ist Rosi Mittermaier kein anbetungswürdiges Idol, sie reden im intimen Freundeskreis von einem ´doofen Dauergrinsen´ der Rosi. Und irgendwann haben sie gesagt, sie wären auch ohne die Sommerolympiade 1972 ein zufriedener glücklicher Münchner gewesen!“
„Das stimmt. München war durchaus lebenswert vor der Olympiade. Wenn ich den genormten Weltstadt-Nepp will, brauche ich bloß in eine solche zu fliegen!“
Die Herren in schwarzen Mänteln sahen sich vielsagend an. Der eine, er hatte ein grausames Kindergesicht mit randloser Brille, machte Notizen:
„Reden sie nur weiter so“, bemerkte er triumphierend.
„Über jeden Schmarrn gibt es Umfragen!“, tönte ich, „sogar darüber, ob man Doktorarbeiten abschreiben soll oder ehrlich selber denken!“
„Und?“
„Und jeder darf mitreden, vor allem die Nicht-Promovierten. Aber keiner fragt die Bevölkerung, ob sie eine Winterolympiade will, braucht, begehrt. Nur die Presse und die Geschäftsleute sind begeistert. Dass dann alles noch teurer wird, darf keiner laut sagen …“
Weiter kam ich nicht. Das Sonderkommando nahm mich mit. Ich schreibe diese Zeilen aus einem seltsamen Lager, in dem lauter Leute sitzen, denen Olympia wurscht wenn nicht gar zuwider ist. Fritz Fenzl

WASSERHÄHNE MIT LICHTSCHRANKEN

Kennen sie das elende Spiel mit den modernen, funk- und computergesteuerten Wasserhähnen in Gastwirtschaften? Ihre Hände sind voller Seife (auch das ist nicht immer leicht, wenn der Seifenspender einer lichtschranken-gesteuerten Elektronik unterliegt), also alles schmierige Seife, sie halten die Hände erwartungsvoll unter den Wasserkran. Der funkelt zwar in neo-futuristischem Edelstahl-Design, stilistisch so zwischen Norman Fosters Reichttagskuppel, klassisch-elegantem Bauhaus und kühner Des- konstruktion ( verdrehte Statik) á la Guggenheim-Museum in Bilbao. Dort müssen sie hin. Allerdings funktionieren im Baskenland fast alle Wasserhähne …
Einfach irre dieser hier in einem Münchner Innenstadtlokal! Aber null Wasser.
Man muss irgendwo die Lichtschranke treffen. Aber wo? Ebenso beim Handtuchspender. Beim Klopapier. Bei der Verriegelung der Toilette. Wer den Punkt der Lichtschranken nicht kennt, wer kein ausgebildeter Meister ist im Knacken von Induktionsschleifen, der g´ hört der Katz.
Inzwischen haben schon gediegene Landgaststätten die vermaledeiten Lichtschranken-Waschensembles. Das führt zu seltsamen Tänzen und Verrenkungen der Benutzer:
„Wissen sie vielleicht, wo …?“
„Naa, zäfix, i hob aa no ganz soaffige Händ!”
Es gibt bislang noch keine Doktorarbeit über diesen disfunktionalen Techno-Scheiß auf bald allen Klos. Technik total, aber kein Wasser.
Wer schreibt darüber eine Dissertation ? Er wäre der erste bei dem Thema (Technische Universität? Oder eher Philosophie? Jura? Eher nicht), und kein Plagiatsvorwurf träfe ihn. Oh hätte der eitle Gutti über Wasserhähne geschrieben, er säße jetzt nicht im feuchtkalten Wasserstrahl aus berechtigter Häme.
Neulich in einem Waschraum: Alle tanzen vor den Wasserbecken, alle fluchen, vollführen geradezu beschwörende, magische Wisch- und Kreisbewegungen um den Wasserhahn herum.
Kein Wasser.
Der erste Nervenzusammenbruch, ein Manager kniet vor dem Waschbecken: „Ich kann nicht mehr!“
Er hätte nur am ganz normalen Griff des Wasserspenders drehen müssen. Denn da war keine Elektornik. Aber das wusste er nicht. jetzt ist er tot. Fritz Fenzl

COMPUTERSPIELE FÜR SKLAVEN

Na, wie heißen all die kleinen technischen Geräte, die in jede flache Hand passen? Denen ein Großteil der Jugend fast die gesamte Freizeit und auch Lernzeit schenkt?
Beachten Sie junge Menschen , die mit ihren kleinen, handlichen und allgegenwärtigen Videospielen beschäftigt sind. Zumeist handelt es sich um bizarre Reaktionsspiele mit virtuellen Angriffen aus allen Seiten des kleinen Bildschirmes. (Touch-Screen, was für ein schönes Wort). Oder achten Sie darauf, wie Erwachsene in U-Bahn und S-Bahn, kaum dass sie sitzen oder für Sekunden „entspannen“, das Handy herausholen und irgendwelche mails, nicht-mails oder sonstige Belanglosigkeiten eintippen oder checken.
Achten sie bei all den Sklaven der modernsten Unterhaltungs- oder Informationstechnologie (die Geräte veraltern im Halbjahresrhythmus) auf die blicklosen Augen: es findet eine scheinbare Kommunikation statt: „Ich bin da und da …“ und man ist Teil eines großen Ganzen, das aber keiner kennt. Teil eines unsichtbaren, aber hochwirksamen Systems, das längst die unsichtbaren Fäden in der Hand hält.

Eine befreundete Ärztin hat mich auf die Körperhaltung vor allem der im Wachstum befindlichen Jugendlichen mit ihren Computerspielen aufmerksam gemacht:
Der Kopf gesenkt (das muss er, weil Blick und Konzentration gefangen sind), die Schultern weit vorne, die Arme kraftlos und schlaff, die Hände, die das Gerät halten, in bereiter Bitthaltung. Oft liegt der kleine Computer in beiden geöffneten Händen. Demütige Empfangshaltung. Wofür? Für eine Schale voll Reis? Für die Befehle „von oben“?
Die Körperhaltung all der elektronisch verführten Jugendlichen ist die Haltung von Sklaven, von Befehlsempfängern. Nicht die Haltung von selbstbewussten, dem Leben und seinen Anforderungen entgegenwachsenden Knaben und Mädchen.
Und man weiß längst: die Haltung des Körpers bedingt die Geisteshaltung. Übrigens auch umgekehrt. Wir werden umerzogen zum Sklavenvolk. Fritz Fenzl

Parnersuche leicht gemacht... 

PARTNERSUCHE ON- und OFFLINE
Eigentlich sollte es so sein, dass einem der passende Partner irgendwann über den Weg läuft. Jedenfalls war es früher so. Xäing und meng!
So ein „Urknall“ passiert übrigens nicht nur in der Jugend. Ein befreundeter Alters-Seelsorger erzählte mir, dass das Partner-Karussell erst im Altersheim so richtig boomen soll … es lohnt sich also, rüstig zu bleiben!
Nun gut. Der Partner läuft einem über den Weg. Fügung oder so? Höhere Macht? Zufall?
Dem Zufall aber wurde schon immer auf die Sprünge geholfen. Durch aufgemscheltes Aussehen, durch mehr oder weniger gute Sprüche, durch Balzrituale, Geruch, Geld und so weiter und so fort. Wie heißt es doch? Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt.
Laut Klosterwissen aus Niederbayern aus den 50-er-Jahre konnte man sich den künftigen Partner sogar herbei beten. Ein beliebtes Mittel war auch das „Kuppeln“. „Du, da wüsst ich eine(n) für dich …“ Diese Methode nahm Form in gedruckter Form an, die so genannte „Heirats-Annonce“. Wobei ich mir sagen hab lassen, dass es da nicht immer gleich ins Heiraten müssen ausarten muss.
Zeitgemäß und und Zielgruppen orientiert kommt nun seit einigen Jahren das Internet hinzu. Der Markt ist vielfältig und ein wahres Paradies für Partnersuchende. Es ist für jeden etwas dabei. Für die Übergroßen, die Kleinen, die akademisch gebildeten, die unter sich bleiben wollen, die Musiker, (Zitat: „Pfiffige Flötistin sucht knuffigen Bassbären …“, die Maler, Kunstfreunde, Behinderte, Mollige, Dicke („Honigschnäuzchen sucht Dickmann“), Vegetarier sowieso Mittelalter-Freunde, Eiszeit und Wärmeperioden-Freaks, Landwirte "Bauer sucht Frau", Fallschirmspringer („lass dich fallen …“) Hässliche, Schöne.
Eine große Zielgruppe sind auch Menschen, die einer Glaubensrichtung angehören. Christen wissen das längst: Glaube verbindet - in jeder Hinsicht. Dazu kommen verstärkt Vegetarier, Heilstrom-Behinderte, Sado-Maso-Schwärmer (oh ja: Sadismus ist eine Glaubensform, entstammt dem Nihilismus), und vor allem und immer öfter: Esoteriker aller Sparten.Wer aus all den Angeboten noch nicht fündig geworden ist, oder gar den Kopf schüttelt über derart viel Unsinn, dem kann ich nur noch eine Führung zu einem Kraftort anbieten. Längst schon haben Mitgeher die Wanderungen als reine Frischluft-Partner-Börse erkannt. Sich kennen lernen, verstehen, die ersten Flirtversuche und Verabredungen und wenn alles klappt, dann kommen Sie schon in einigen Monaten mit ihrem ersten Kraftort-Baby mit. Wunderbar.
In diesem Sinne - IhrFritz Fenzl

Aufklärung lückenlos?

„Die Welt will betrogen sein …!“
Wo steht das nochmal? In Verbraucherschutzgesetz? In der Bibel? Altes oder Neues Testament? Im Faust? Oder bei Thomas Mann? Vermute, irgendwo im „Felix Krull“ versteckt sich der herrliche Satz, ohne den es keine florierenden Geschäfte und schon gar kein Investment-Banking gäbe.
Nun erblühen immer schönere Wendungen und Satzgefüge, die einem das Lügen erleichtern. Das geht schon los, wenn die Mutter zum Kind sagt: „Ich mein´ es doch nur gut...!“ (Übersetzt: „Tu das, was ich will, sonst ...!“ In Partnerschaften kann sich das Gut-Meinen grausam fortsetzen. Und jeder Volksvertreter meint es gut mit dem Volk, angeblich.
Schönreden für die Massen: (mir fällt jetzt nur der Ausdruck „Ver-a … en“ ein; wissen Sie einen salonfähigeren? Hinhalten? Als deppert erklären?) Das Volk verlangt, nachdem es von den Medien mit "Bad News" heiß gemacht worden ist, nach der so genannten lückenlosen Aufklärung.
Aufgeklärt, und dies lückenlos, sollen derzeit die Geschehnisse auf den wunderschönen Segler Gorch Fork, Ein Achtmaster, der irgendwo in entfernten Weltwinkeln unter der Flagge der Bundeswehr vor sich hin treibt.
Alles wird lückenlos aufgeklärt.
Zuvor aber wird einer entlassen. Man wartet ab, bis sich der nächste Sumpf auftut.
Wie gesagt: Die Welt will betrogen sein. Steht da nicht in der Bibel bei Johannes: „Im Anfang war das Wort.“ Ohne Worte nämlich geht es nicht, das Betrügen. Philosophisch betrachtet, ist jedes Wort eine Lüge, weil doch ein jeder etwas anderes darunter versteht. Das Mann-Frau-Spiel gibt davon traurige, im besten Falle belustigende Kunde.
Zum Beispiel der Haifisch, der im offenen Meer mit offenem Maul auf Sie zu schwimmt und Sie umbringen will. Der meint es ganz bestimmt aufrecht und ehrlich und und in jedem Fall gut mich sich. Und deshalb redet er nicht so viel, sondern er handelt.
In diesem Sinne ein paar Worte zur Wahrhaftigkeit
Ihr Fritz Fenzl

FÜHRER DURCH DIE FÜHRUNGEN

„Es“ denkt sich am besten im Gehen. Wenn die Beine bewegt werden, dann bewegt sich auch der Geist. Denn „den Weg“ gibt es nicht nur materiell. Alles ist ein Weg: Das Leben, der Lauf des Tages, das scheinbare Kommen und Gehen von Sonne, Mond und Sternen.
Auch unser Denken in seiner wohl nie erklärbaren Vielfalt, Wirrnis oder Folge-Richtigkeit ist ein Weg: Zumeist handelt es sich aber nur um ausgetretene und „vor-gegangene“ Trampelpfade.
Probleme lösen? Man spricht dann von einem Lösungs-Weg.
Warum nicht einem Stadtführer in München auf seinem Weg folgen? Hier das Angebot aus dem Heft „Münchner Stadtführungen“:
„Altstadt zu Fuß“: Schon hier taucht die Frage auf, wozu man denn da einen Führer braucht. Nun gut, wer nicht weiß, was die Mariensäule bedeutet…
Schon wesentlich interessanter und körperlicher: „Schlemmer-Tour rund um den Viktualienmarkt“ „Von der Weißwurst bis zur Brezn ...“, so wirbt der Text erklärend: Ja gibt es denn auch noch etwas anderes? Etwas zwischen Weißwurst und Brezn?
Dann die Radltour: München „aktiv“ auf dem Radl erfahren. Erfahren mit Doppelsinn. Feine Erfahrung.
Es gibt auch eine „Paparazzi-Tour“: „Eigentlich sind wir Münchner alle irgendwie prominent ...,“steht da: Papst, Boris, Franz und Mosi, - na ja, es gäbe noch ein paar andere.
Eine Schauer-Tour nennt sich „Münchner Kindl Tour“. Wohl wegen des Mönchsgewandes des Führers zur Nachtstunde.
Dann die „Rund ums Bier Tour“: Prost.
Sehr, sehr ernst die „Das Dritte Reich Tour“ München als Hauptstadt der Bewegung. Das bewegt und ergreift dann ehrlich.
Zum Darauf-Abfahren: Die Mountainbike-Tour. Aus Rücksicht nur im Isartal. Schade. Warum nicht zwischen den Passanten in der Fußgängerzone?

Es gäbe noch so viele Ideen: die Shopping Tour, die Nörgel-Tour (mit Grantler-Diplom), die Abort Grusel Tour, die Uni Intellego Tour.Und natürlich das Magische München“. Super-Tour. Den Führer kenne ich persönlich … Fritz Fenzl

AUGEN-GLÜCK DES AUGEN-BLICKS

Glück? Wo ist es! Wann kommt es - und wie?
Es ist schon da.
Der alte Vergleich
„Das Glück ist wie eine Brille: Es sitzt mitten auf der Nase, direkt vor den Augen, aber man kann es nicht sehen!“ …
… dieser Vergleich ist mehr als treffend! Das Glück (für manche auch das Nicht-Glück) ist die unsichtbare Brille, die uns das Da-Sein sehen lässt. Wir leben mit den Augen. Wir essen, fühlen, lieben – sehend. Manchmal auch blind.
Und wir erleben alles nur so, wie wir es sehen.
So viele Glücksbücher und Glückspropheten. Und keiner sieht: Glück ist Sache des Sehens, Glück ist An-Sichts-Sache.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte …
schon die Bibel weiß um die Urkraft der Bilder und spricht fast ausschließlich in solchen. Schöpfung! Licht! (welchen Sinn macht Licht, wenn keiner sehend „hinschaut“!) Traum-Bilder von Josef! Auszug aus Ägypten! Turm zu Babel! Stall von Bethlehem, Bergpredigt, Kreuz, Grab, Auferstehung … selbst die Apokalypse kann letztlich nur in Bildern reden. „Und ich sah …“
Der Augenblick ist der Moment der Ewigkeit, jener Moment, da sich Vergangenheit und Zukunft im Jetzt vereinen. Ein fast erotisches Motiv, denn auch bei der Zeugung geben sich Vergangenheit und Zukunft die Hand. In Liebe.
Der Augenblick hat mit Liebe zu tun, auch die Liebe braucht das jetzt, Vergangene Liebe oder zukünftige kann im Jetzt nicht gelebt werden.
Der Augen-Blick des Herzens, er birgt das Augen-Glück des Hinschauens. Sehen Sie einen Skitag einmal unter diesem Aspekt:
Weißer Schnee und stahlblauer Himmel: Soll das Paradies nur im Garten Eden gewesen sein?
Schauen und staunen … aber nur mit Helm. Es gibt genug Idioten, die blind den Hang hinabdonnern. Der Teufel trägt Carving-Ski. Fritz Fenzl

DIOXIN-EIER IM KÜHLSCHRANK

Ich traute meinen Augen nicht: Im Kühlschrank lag ein Ei. Eins? Mehrere. Gekauft vor Weihnachten. Irgendwo. Hauptsache billig. Discounter? Bio-Laden? Direkt von der Freiland-Farm? Ich weiß es nicht. ich kaufe Eier immer nur, wenn ich an einem Stapel mit Eierschachteln vorbeigehe. Egal, ob die Eier groß oder klein sind, weiß oder cremefarben. Eier sind in sämtlichen Läden ganz seltsam positioniert. Was sich da die Psychologen gedacht haben mögen? Egal.
Also nach all den Dioxin-Horrormeldungen pünktlich zum Jahresbeginn: Da liegen vier Eier in meinem Kühlschrank. Verseucht, selbstverständlich. Weg damit.
„Sei nicht so leichtsinnig!“, riet mir ein guter Freund, „ mit einem weggeworfenen Ei ist es längst noch nicht getan!“
„Äh?“
„Der Kühlschrank ist nun kontaminiert.“
Kein Problem, ich entsorgte den Kühlschrank augenblicklich.
„Und Deine Wohnung!“, so der Freund streng (er spinnt irgendwie schon, leiht mit aber immer seine wertvollen Rudolf-Steiner-Bücher): „Du kannst unmöglich länger hier wohnen, wenn du vier versuchte Eier im Kühlschrank gehabt hast, denn die Information ´verseuchtes Ei´ , die bleibt bestehen…“, so der Freund.
„Ach was, meine Wohnung kam doch nicht mit den Eiern in Berührung!“
„Vielleicht nicht materiell, aber feinstofflich. Du kennst doch die Prinizpien der Homöopathie. Je weniger desto mehr. Das Ei wirkt geistig auf deine Wohnung und auf dich!“
Er gab nicht nach. Ich musste meine Wohnung verkaufen. Von dem Erlös erwarb ich eine neue, einen neuen Kühlschrank und eine neue Schachtel mit Landeiern. Freu mich schon auf Ostern, da halte Volkshochschul-Kurse über „den Geist im Ei“. Jetzt schon anmelden, rät
Fritz Fenzl

GEGEN DEN STROM

Ein beginnendes Jahr hat etwas Wunderbares. Alles fängt von vorne an, jedenfalls glauben wir das. Deshalb sind die ersten Tage gespickt mit „Vor“-Sätzen. Immer noch besser als all die nervigen „Nachträge“, wenn sich ein altes Jahr dem verdienten Ende entgegen neigt. Oder gar die entsetzlichen „Rückschauen“. Der Negativ-Typus „Jahresrückschau“ hat längst Show-Charakter und ein eigenes Sendeformat.
Berufsbetroffene wie Kerner haben die Rückschau verinnerlicht zum dauerbetroffenen Rückschau-Gesicht. Der gesamte Dezember war voller Rückschauen, auf Katastrophen, Verstorbene, selten auf Positives. Allein die obligatorische Doppel-Seite mit dem Titel: „Die Toten 2010“ finde ich krank. Ich schaue selten zurück, was in einem alten Jahr war oder nicht war. Wichtig ist das, was kommt, was vor einem liegt. In der Vergangenheit kann kein Mensch leben, auch wenn das für viele die einzige Lebewelt zu sein scheint. In der Zukunft kann man ein bisschen leben, indem man sich darauf freut ... und das mit der Gegenwart ist so eine Sache, „Nur im Jetzt leben“, heißt der Kultspruch der Allesglauber. Aber wo ist es, das vielzitierte Jetzt? Lesen Sie diese Zeilen, und schon ist alles Vergangenheit.
Am besten lebt sich´s „gegen den Strom“:
Eine Forelle, die gegen den Strom steht, müsste theoretisch nach rückwärts, also in der Richtung des fließenden Gewässers, abtreiben, mitgerissen werden. Die schlanke Forelle steht aber am Fleck, offensichtlich, ohne sich mit Schwimmbewegungen anzustrengen, Indem das strömende Wasser der Forelle „entgegenwirkt“, strömt es durch die Kiemen, verwirbelt um den sich intelligent verjüngenden Fischkörper, so dass eine Vorwärtsbewegung (!) entsteht, die das Tier so geschickt austariert, dass es am Fleck steht. Bei Bedarf kann die Forelle sogar pfeilschnell nach vorne schießen und mit dieser Gegenkraft des Flusses im Wasserfall meterweit aufwärts springen.
Das ist die Zentripetalkraft, von der so wenige reden. Deshalb habe ich den Jahreswechsel an einem Fluss gestanden und mir gedacht: Lass die anderen betroffen sein, Rückschau halten, Vorschauen gestalten. Gegen den Strom, das ist eine wunderbare Aussicht.
Gutes 2011 - Euer Fritz Fenzl

HÖRST DU MICH ... ?

Bei den „Gedanken zwischen den Jahren“ muss ich seltsamerweise an den wohl besten deutschen Trainer für Berufsboxer denken. Der wunderbare Mann heißt Uli Wegener, hat eine Stimme wie ein weggeworfenes Reibeisen und das, was er „zwischen den Runden“ mit seinen mehr oder weniger angeklingelten Schützlingen anstellt, ist wahrhaft sehens- und noch mehr hörenswert.
Im Grunde sollte jedes pädagogische Grundlagenseminar diese herrlichen Wegener-Boxpausen-Intermezzi auf Video parat haben.
Da sitzt also der Kämpfer, verschwitzt, zerschlagen, verschwollen, der Riss („Cut“) auf der rechten Augenbraue wird mühsam zusammengeflickt, - und das arme Würstchen soll in der knappen Zeit einer Ringpause mitbekommen, was der „Coach“ ihm auf die Schnelle zu sagen hat.
„Hörst Du mich?“ krächzt der Box-Guru denn stets von Neuem, oder aber: „Schau mich an! Siehst du mich! Schau mir in die Augen“!
Genau das ist es. Im Gegensatz zu den grottenlangweiligen Firmenrednern, den Sprechblasenpolitikern und auch zu vielen Lehrern kann solch ein Boxtrainer es sich einfach nicht leisten, dass seine Worte am Schützling restlos vorbeigehen.
Und wieder hebt er den Kopf des Angeschlagenen hoch: „Kannst du mich hören!“, fragt er heiser und diese Frage ist alles andere als erlernte Rhetorik. Wegener will und muss ankommen. Er muss seine Beobachtungen mitteilen, muss kurze Ratschläge geben, aufbauen, warnen, auch kritisieren. Vor allem aber aufbauen. Und erst dann, wenn der Boxer nickt und seinen Blick erwidert, ist er zufrieden.
Ein Boxkampf, der vielleicht gar mit einem K.O. endet, als Besinnlichkeitsthema?
„Hörst Du mich?“
Wie oft reden wir und passen gar nicht auf, was der andere mitkriegt, ob er überhaupt die Grundlagen hat für das, was wir sagen.
Jeder, der predigt, lehrt, coacht, der muss den anderen abholen, genau da, wo der Angesprochene im Moment steht.
Der Liebe Gott weiß, wie das geht. Ich selber weiß es oft nicht. Jetzt kennen sie meinen innersten Neujahrswunsch. Fritz Fenzl

HEILUNGSWISSEN IM KAKAO

Andrea schreibt:
„Ich durfte Sie heut beobachten, wie Sie die Christkindlmarktgasse im Marienhof besuchten. Sie waren doch sehr angetan von den Waren (mein Blechspielzeug) und haben ja auch den Kakao genossen... Ich bin leider witterungsbedingt ohne Stimme und habe lang überlegt, sie "anzukrächzen"... Sie schreiben auf der anderen Seite von "Null Atmosphäre" und Ware, die man genauso im 1-Euro-Shop bekommt. Ich hoffe, Sie haben festestellen können, daß es auch andere Ware gibt. Wissen Sie wieviel Engagement und Überzeugung bei vielen "Standlern" dabei ist? Wieviel Knochenarbeit in so einem Stand und den 4 eisigen Winterwochen steckt? Wieviele aus alten Schaustellerfamilien stammen, wieviele Wissen der "anderen Art" haben? Viele gehören seit Generationen zum "fahrenden Volk" - mit allen Konsequenzen. Viele konnten mir schon durch großes Heilwissen helfen. Wieso brechen Sie dann so leicht den Stab über uns? Gewiss gibt es schnöden Kommerz auf dem Markt, sicher auch weniger schön gesatltete Stände - aber eben auch die "Anderen". Und es gibt eben (zum Glück - oder auch aus oben genannten Gründen) NICHT Alles im 1-Euro-Shop. Und was es dort gleich garnicht gibt, ist das persönliche Gespräch, das wir mit den Besuchern pflegen. Es wär schön, wenn Sie uns nicht einfach Alle über einen Kamm scheren und als 1-Euro-Müll abkanzeln würden.
Schauns doch wieder vorbei und lernen's uns kennen! Herzliche Grüße aus dem Marienhof!
Andrea.“

Da hat die Andrea ganz Recht. Allerdings war mir die Markt-Gasse auf dem Marienhof noch nicht bekannt, bis meine Tochter mich dorhin geschleift hat. Bei Blechspielzeug fange ich eh immer an zu träumen. Und Chili-Pepper-Kakao gehört nun zum Morgenritual.
Trotzdem: Der Ein-Euro-Shop am Laimer Platz – einfach Kult. Finde hier fast alle Weihnachtsgeschenke und die Verpackungen sowieso. Die Kundinnen wirken übrigens eher wohlhabend denn bedürftig. Zumeist erstehe ich Bilderrahmen, denn ich male Geschenke selber. Und um die 1-Euro-Body-Milk beneiden mich im Fitness-Studio die geschniegeltsten Männer. Aber auf die Frage „Woher“ sage ich nur: Geheime Quellen …
Euer Fritz Fenzl

CHRISTKINDLMARKT-HOPPING

Irgendwann fing alles an, mit einem Christkindlmarkt irgendwo. Vielleicht in Nürnberg. Da passt so ein Markt wirklich hin und macht auch Sinn. Wer Nürnberg kennt und liebt und sich von der realen Präsenz des Mittelalters in der Nürnberger Altstadt innerhalb der Stadtmauern gefangen nehmen lässt, der kriegt auch eine Ahnung, wie so ein „Markt“-Treiben ausgesehen haben kann.
Gut, in den verschneiten Alpen, da haben Christkindlmärkte auch so ihren Reiz. Überall schmecken die Würstl anders (Kochel ist der Hammer, wegen dem Schmied!) aber, wie gesagt, Nürnberg bleibt einmalig.
Und München? Es gibt eine neue Führungslinie für Stadtführungs-Profis, die führt von Christkindlmarkt zu Christkindlmarkt. Beginn Marienplatz (null Ausstrahlung). Dann zur Residenz, die den stimmungsvollsten Markt birgt, hier gibt es Fleischspieß zu Jugendstil-Lampen und einen grandiosen Märchenpark. Das Schönste ist aber eine Mundartdichterin, die in einem Plastikzelt gereimte Sentenzen zur „staaden Zeit“ vorliest, ohne irgend einen aktiven Zuhörer. Ein surreales Szenario. Warum haben die Turmschreiber diese nette Frau noch nicht entdeckt?
Weiter zum Mittelalter-Markt an der Brienner Straße, genauer: am Wittelsbacherplatz. Alle laufen herum wie in einem Kostümfilm, hervorragende Schmankerl, frierende Kunden. Ein geomantisches Phänomen: Hier ist es stets kälter als anderswo.
Dann die Stadtteile: Christkindlmärkte überall. Ich bin dafür, dass in jeder Straße Münchens ein Christkindlmarkt eröffnet und betrieben wird. Sollte das Zeugs ausgehen, das dort verkauft wird, Nachschub gibt´s in jedem Ein-Euro-Shop. Übrigens: Sie brauchen nur in die herrlichen Ein-Euro-Shops gehen und bekommen alles, was sonst nur Christkindlmärkte hergeben! Allerdings billiger.
Sie wollen mehr? Christkindlmärkte in Salzburg, Kufstein, auf Burg Gruttenstein bei Bad Reichenhall; noch weiter in Bozen, Meran, Budapest, Dubai (ein Muss, der Christkindlmarkt von Dubai unter Palmen!), an der Goldküste, am Toten Meer, Michigan-See; in Ulan-Bator, Wladiwostok. Sogar auf dem Mond soll es schon einen romantischen Christkindlmarkt geben.
Bleim ma in München: Man trifft sich, steht rum, wartet auf den Fasching, die Starkbierzeit, die Open-Air-Festivals des Sommers, die Wies´n, den nächsten Christkindlmarkt … Fritz Fenzl

Auch Aberglaube ist ein Glaube

Zugegeben, recht viel Schnee … aber hat das nicht irgendein Siebengescheiter schon vorher gesagt? „Wenn der Oktober ist vorbei, dann schneit´s im November, ja mei!“. (Könnte von meinem ehemaligen Dichter-Spezl sein, den derzeit seine notorisch erfolglosen Rivalen ärgern).
Schneit´s im Mai, ist der April vorbei …“: So ähnlich klingen jene Sentenzen, die eigentlich gar nichts sagen und doch alles rechtfertigen. Egal, wie das Wetter auch daherkommt, irdendein Katastrophen-Fuzzy weiß gleich den „geheimen“ Hintergrund. Klimawandel! Wetter-Manipulation! Eine längst vorher gesagte Eiszeit, oder, wenn´s nicht kalt genug ist, die Klimaerwärmung. Schuld ist das Ozon, was denn sonst. Kennen Sie jemanden, der sofort erklären kann, was „Ozon“ wirklich bedeutet?
Natürlich ist das Brauchtum im Advent kein Aberglaube, sondern seriöse Ausübung einer noch seriöseren Weltreligion, die zur Zeit einen erfreulich bayerischen Einschlag hat (leider nicht in München). Wer aber dennoch auf Aberglaube steht, der soll, zwischen den Engerln, Nußknackern, Krippen, Karpfen, Krapfen und Schweinswürstln, die uns auf das große Fest der Erlösung hinweisen, einen Schlenker ins „Deutsche Jagd- und Fischereimuseum“ wagen: „Glaube – Aberglaube“ nennt sich die dortige Ausstellung mit dem beschreibenden Untertitel „Amulette, Medaillen & Andachtsbildchen“.
Hingehen! Die abergläubische Ausstellung beschäftigt sich „mit der religiösen Alltagskultur des Barock“. Im Zentrum steht eine Sammlung von etwa 1800 Kreuzen, Medaillen, Bildchen, Votiven und Amuletten. Und der Prospekt lädt ein: „ …Im Zusammenspiel der Objekte und ihrer Bedeutung werden die Grenzen zwischen Glaube und Aberglaube erkennbar …“.
Diese Grenze zwischen Glaube und Aberglaube (man müsste das Brauchtum noch dazugesellen) ist aufregend! Schlendern Sie über die zahlreichen Christkindlmärkte, die längst eine eigene Industrie bedienen und suchen Sie nach „Glaube“, „Aberglaube“, - oder gar Liebe: - Vielleicht diese magische Kugel hier aus Bergkristall (Findort: Tollwood). Oder ein gebrauchtes Umhängekreuz vom Antik-Markt Andechs?
Wenn Sie das alles sehen, weil es einem Menschen, den Sie kennen und mögen, Freude machen würde, dann ist´s weder Glaube noch Aberglaube, - sondern Liebe. Liebe ist so herrlich geschmackvoll: Die passt überall dazu! Fritz Fenzl

ABENTEUER-GESCHENK ALS GESCHENK-ABENTEUER

Immer noch unentschlossen, was Sie zu Weihnachten schenken sollen? Nun, so leicht ist das auch nicht. jeder hat alles, und das spektakuläre „Wir-schenken-uns-nix- dieses-Jahr!“ ist auch schon ein alter Hut. Geschenkt wird immer, das ist so die Regel. Ich schenke, also bin ich.
Der entscheidende Kick beim Geschenke-Duell ist immer noch, dass der andere zwar schon alles hat, aber durch den Wahnsinn des Geschenkes dennoch entsetzt ist.
Was bietet sich da mehr an, als die modernen Abenteuer-Erlebnis-Geschenke? Noch dazu, wenn diese mit horrenden Umständen und einer latenten Lebensgefahr verbunden sind?
Das klingt nur vollkommen verrückt, ist aber traurige Wahrheit. Sie können Lebensgefahr reell verschenken. Sogar mit Rabatt. Aus einem Flyer, der mi ins Haus flyerte (flatterte):
Hubschrauber selber fliegen, Indoor Skydiving, Bungee Jumping sowieso, Rifer-Rafting im Eiswasser, Fallschirm-Tandemspringen, House Running, (sich am Hochhaus abseilen, Blick nach unten) ...?
Etwas netter? „Dinner in the Dark“ (Luxus-Essen ohne Licht). Nun, da können Sie auch einmal eine Freundin ausführen, die Ihnen gar nicht gefällt oder sich von einem Monster-Mann schöne Dinge erzählen lassen und den Rest dazu träumen.
Auch ein Abenteuer. Ich warte nur auf den cleveren Geschäftsmann, der die Teilnahme an Original-Kriegsschauplätzen zum Fest verschenken lässt (War Rafting?)
Nebenbei: Es gibt natürlich auch das liebevolle, normale Geschenk, das ganz einfach beinhaltet: Mach eine Freude! Beobachte einen lieben Menschen ein Jahr lang und bekomme heraus, was ihm/ihr wirklich Freude macht. Das kann dann recht alltäglich sein, so unspektakulär wie etwa ein Blumenstock. Wenn eben – der andere genau diese Blumen liebt und in seiner Wohnung exakt diese Blumen fehlen. Jede wirkliche Geschenkidee hat etwas mit Leben zu tun, nie mit Lebensgefahr. Fritz Fenzl

NOVEMBER-SCHLAF

November, Totensonntage, Traurigkeit gleich Tristesse? Von wegen. „Der November ist ein kleiner Frühling!“, dieser Satz einer weisen Frau bewahrheitet sich immer wieder neu: Sonne pur während der Allerheiligenferien in Südtirol, sonnige Wochenenden am Ammersee … und Sonne im Herzen wegen der vielen Lesungen und Veranstaltungen zur Novemberszeit. Und wenn sich die Natur schlafen legt - warum denn nicht?
Das Motiv des Schlafes ist ein Ur-Mythos des Lebens. Mehr noch: Schlafen bedeutet einen wesentlichen Teil der Schöpfung: Schlaf als Ruhephase, als Verlangsamung des Lebens und der Zeit; Schlaf als Teil des genialen Schöpfungsplanes eines so menschlichen Welten-Gestalters, der selber am siebten Tag (im November?) genau das tat, wovon nun die Rede sei – Gott ruhte.
Leben und schlafen.
Wir schlafen, ehe der neue Tag beginnt. Die Natur schläft, wenn sie den überschwänglichen Auftrag eines reichen (in dem Falle recht verregneten!) Sommers erfüllt hat. Sie schläft, sie ist nicht tot, aber starr. Physikalisch: die Teilchen bewegen sich viel langsamer. Bewegung ist Zeit. Langsamkeit ist immer ein Stehenbleiben oder wenigstens Innehalten der Zeit, auch wenn dies wenigen geläufig ist. „Der Schlaf“ ist Mythos, Einweihung, Neugeburt.
Wer nicht schläft, für den gibt es auch kein Erwachen. Der Schlaf als „Tod im Leben“ bedeutet die Grundlage für die geistige Neu- und Wiedergeburt. Dornröschen schläft, bis es „erweckt wird“, Schneewittchen ruht „scheintot“ im gläsernen Sarg, sie schläft, um in einer neuen Existenz zu leben, mit höherem Bewusst-Sein (das ist das Bild des Prinzen) als vor der Schlaf-Initiation.
Es schläft Lazarus und selbst Jesus schläft drei Tage den tiefen Todesschlaf, bis er zu neuem Leben erwacht (Auferstehung).
Fahren Sie in diesen Novembertagen zum Untersberg bei Berchtesgaden und gedenken sie des „Schläfers im Berg“: Der Bart wird immer länger, - bis die Zeit erfüllt ist. Vielleicht eine kommende Gnadenzeit ohne tägliche Meldungen über Schweinsteiger, Guttenberg, Roth, ohne Radio Arabella, ohne Weihnachtsreklame im November …
Ach ja: November: Ich liebe diesen Monat der Erneuerung, Monat der neuen Bekanntschaften, diesen Power-Monat, der sich „tot“ stellt, weil er vor Leben strotzt!
Euer Fritz Fenzl

EDEL-ESPRESSO GEGEN PAPP-BECHER

„Nur noch schnell in das Spezial-Geschäft für Espresso-Zubehör ...“, flötete die Dame. Eine sehr hübsche junge Zahnärztin mit edler Praxis im Zentrum. Das war während meiner letzten Stadtführung. Wir alle warteten geduldig vor dem Laden. Das sichtbar vornehme Geschäft befand sich zwischen Marienplatz und Odeonsplatz. Ambiente und Ausstattung machten deutlich: Was es hier gibt, ist sauteuer! Und - was es hier gibt, das braucht die Welt nicht wirklich.
So war es. Die flotte Erfolgslady schwebte zurück und man sah ihr an, dass ein existenzielles Problem gelöst war. „Zeigen sie doch!“, forderten 30 andere Damen und die zwei Restherren (ich habe Glück bei meinen Führungen: Fast nur Frauen und alle irgendwie auf sehr nette Weise verrückt).
Das gekaufte Trumm war ein spezielles Schäum-Gerät für Cappucino-Schaum. Das Material: Edel, edel. Der Preis: Astronomisch. Ungefähr im Bereich einer Dreitage-Reise. Das alles nur wegen Schaum auf dem Kaffee! Warum ich das erzähle? Es ist für Zeitgeist-Surfer ein Muss.
Wer derzeit „in“ sein will, der sollte über ausgeflippte Espresso-Maschinen mitreden können. Die Männerwelt in der freien Wirtschaft spinnt da am allermeisten. Das recht von der Technik des unbezahlbar teuren Kaffee-Spenders, über Druckverhältnisse, Ablagerungen, - bis zu den Bohnen. Immer ist einer da, der einen kennt, der die Bohnen aus Italien mitbringt, (natürlich darf es nur eine ausgewählte Region sein), denn sonst „kann man das Zeug ja nicht trinken“. Besonders irre: Die Bohnen werden an Katzen verfüttert, innen im Viech vor-fermentiert, ausgeschieden, gereinigt, geröstet … teuer, wahnsinnig, aber „in“.
Jeder braucht jetzt in Büro und Privathaushalt eine chromblitzende Espresso-Maschine vom Allerfeinsten, natürlich ein Schäum-Gerät, einen speziellen Wasser-Aufbereiter. Und besondere Bohnen, sowieso.
Die Prollerei mit den Pappbechern allerorten scheint überholt. Überarbeitete Lohnempfänger, die sich in der Frühe an U-Bahnhöfen die Finger verbrennen und die Zunge dazu, die den Kaffe in ruckartig anfahrenden MVV-Zügen versabbern … Schluss: Der soziale Status zeigt sich bei Italo-Technik rund um Espresso. Edelst-Stahl, Edel-Design, Edelbohne.
Und ich? Ich kaufe mir bei Lidl oder Aldi immer den Kaffe, der am billigsten ist (meist unter zwei Euro). Nix von wegen Fair Trade, daran glaub ich nicht. Der Kaffee schmeckt prima, bei Bewerbungsgesprächen in der freien Wirtschaft packe ich aber stets die neueste Espresso-Maschine aus. Da ist mir jeder Job so gut wie sicher. Fritz Fenzl

BAYERNLAND MORDLAND

Ich wohne im Würmtal. Dort ist es herrlich. - Ist es?
Es war. Denn nun liegen dort Leichen herum, haufenweise und kreuz und quer; Krimi-Leichen, die seit der Bayern-Krimi-Welle jeden Flecken versauen, der einst für Erholung und Erbauung gut war. „Freinacht“ heißt in diesem Fall der Krimi, der mein Würmtal verunackelt, ein fiktiver Kommissar Hofbauer muss am Flussufer zeigen, was er kann.
Hilft nur Flucht. Wie früher schnell zum Ammersee, um in Herrsching Erholung zu finden? Weit gefehlt: Der neue Ammersee-Krimi lehrt, dass das Ufer ein einziger Tatort ist, sonst nichts.
Unser schönes Bayern, was ist seit der Regio-Mord-Welle daraus geworden! Hinter jedem Misthaufen lauert der Täter, wabert ein Motiv oder gleich die Leiche selbst. Kommissare verklumpfingern das Land in einer Weise, dass man sich nach der seligen Verkriminalisierung von Bad Tölz mit Bullen und extra gefederten Blaulicht-Wagen zurücksehnt. Mit den Rosenheim-Cops kam´s dann noch dicker.
Ausweg Starnberger See? Nix da. Mord an Mord, und wer´s historisch will, der lässt den König Ludwig beliebig umbringen oder auferstehen. Allgäu-Krimis bestsellern schon lange, mit „Die Gurkenflieger von Kleinöd“ bekommt das Genre Niederbayern-Krimi wenigstens einen lustigen neuen Titel. Oberbayern-Krimis, Franken-Mordserien … und der Begriff „Alpen-Krimi“ gehört sowieso bald zur Literaturgeschichte.
Man kann kaum noch die herrliche Heimat betrachten, ohne sich die erdichteten Leichen vorzustellen. Dabei ist das Leben in unserem Land doch Krimi genug. Allein die Vorgänge bei großen Fußballvereinen, die Art, wie konservative Politiker miteinander umgehen - "Mord im Landtag" - das wäre doch eine Idee!
Was hilft? Verzweifeln - der einfach mitmachen. Meine „Energetischen Morde“ entlang der König-Ludwig-Linie gehen prima und am Freitag, 19. 11. Lese ich selber im Seehof Herrsching. Thema: Ludwig II. und die Mordlust seiner damaligen Freunde. Hab' gehört, der Vorverkauf läuft bombisch... Falls auch Sie noch ein Platzerl brauchen, müssten sie sich beeilen...
Euer Fritz Fenzl

HEILSTROM, SANYLE GESUNDGHEITSGEHEIMNISSE

In regelmäßigen Abständen lädt mich die besorgte Gesundheitsindustrie zu Symposien und Workshops ein. Meist geht es darum, attraktive und verkaufbare Krankheitsbilder für die Zukunft zu entwerfen.
Das mag vielleicht zynisch klingen und berechnend, ist aber letzten Endes wahrer Dienst an der Menschheit. Vor allem an den Menschen, die geschädigt vom Wohlstand ihr Leben fristen. Denn was wären wir denn ohne die vielen bunten neuen Krankheitsbilder?
Als kreativer Schriftsteller mit viel Phantasie ist man auf diesem Treffen von Experten ein von Medizinern gern gesehener und gehörter Gast. Im Zentrum steht die Frage: "Was kann man dem satten Volk an scheinbaren und vermeintlichen Krankheiten denn noch einreden?" Das Thema Schlafdefizit ist ausgelutscht, das Münchhausen-Syndrom auch nicht neu. Lediglich mit den Wechseljahren für den Mann und dem Brustkrebs, den Männer genau so bekommen können wie Frauen, bekommt man noch Aufmerksamkeit. Mehr aber noch stürzt sich die Menschheit derzeit auf Geschlechts neutrale Krankheiten, denen eine Vergesslichkeit zugrunde liegt. Mit gutem Grund: die Gesellschaft wird immer älter, es ist ein Leichtes, den Menschen harmlose „Vergesser“ als dräuenden Beginn einer dem Alzheimer ähnlichen Erscheinung einzureden.
Tatsächlich, letzte Woche habe ich doch tatsächlich meinen Hausschlüssel vergessen!
Beginnende Demenz oder gar schon Alzheimer?
Ein teurer Präparat steht längst bereit und die Presse tut ihr Übriges.
Ein bekannter Arzt, dem man durchaus Kreativität unterstellen möchte, hat nun „Sanyl“ entdeckt. Dahinter steckt eine Wortmischung aus „sanus“ = gesund“ und „Molekül“. Das Sanyl ist eine Art „Gesundheitsmolekül“, ein Modul des Heilstromes (Originalton). Extra Messgeräte für Heilströme sind bereits im Endstadium ihrer Entwicklung.
Fazit: Wer genug Sanyle hat, wird gesund. Mehr darf ich und möchte ich auch an dieser Stelle nicht verraten. Aber eins steht fest. Man wird sich an dem neuen Wundermittel in jedem Fall Gesund stoßen.
In diesem Sinne - was hatte ich doch gleich geschrieben?
Euer Fritz Fenzl

RABATTE, PUNKTE, HERZCHEN

Es ist kaum mehr möglich, an einer modernen Tankstelle nach dem Tankvorgang zu zahlen, ohne gleich gefragt zu werden: „Sind Sie Mitglied?“
„Mitglied? Von was?“
Darauf erfolgt eine teilnahmslos abgespulte Erklärung, die etwa so klingt: „Wenn Sie Mitglied sind, besitzen Sie bei uns eine Punkte-Karte. Nach hundert Tankvorgängen mit einem Betrag über 50 Euro an genau dieser Tankstelle (mindestens aber bei dieser Marke im deutschsprachigen Raum) erhalten Sie zwei Punkte. Bei hundert Punkten können sie mit Ihrer Punktekarte in ein Kaufhaus einer bestimmten Kette gehen (falls alles in einem bestimmten Zeitrahmen geschieht), und Sie erhalten beim Erwerb der Pfanne einer mit unserer Benzinsorte verschwesterten Markenkette 15 Prozent Nachlass.
„So“, sagen Sie.
„Das lohnt sich“, so der Tankheini mit großem Engagement, „ …wenn Sie hundert Jahre alt werden und wöchentlich tanken, dann haben Sie am Ende mindestens drei Pfannen umsonst hereingespart! Ach ja, - Ihre Daten bräuchte ich noch, vor allem die Kontonummer …“
Anschließend im Kaffee erhalte ich eine Punktekarte, die besagt, dass ich nach zehn Kaffees mit Kuchen ein Zuckerstück umsonst erhalte. Ein Riesengeschäft, man muss nur immer im Hundert-Jahre-Zyklus denken!
Inzwischen bin ich Mitglied bei etwa 250 Handelsketten, Kauf-, Kaffee-, Möbelhäusern. Sogar bei einer Baufirma. Damit mein Punktekonto schneller anwächst, kaufe ich auch dann ein, wenn ich gar nichts brauche.
Rabatt macht das Leben erst süß. Warum nicht selber einführen? Bei zehn Bussis gibt´s eins umsonst.
Und die Daten fordere ich auch gleich ein. Anschrift, Telefon, Vorleben, Konto. Fritz Fenzl

DER GIPFEL IST OBEN
„Gehst mit auf den Jochberg?“, fragt eine liebe Freundin, die wußte, dass ich freitags grundsätzlich frühzeitig in die Freizeit abdüsen kann. „Freilich“, sage ich. "Ein Aufstieg in luftige Höhen ist weitaus lustiger als sich im verschwitzten Fitness-Studio abzustrampeln." Zumal sich bei einem Besuch des Jochbergs auch etwas für die Bildung tun lässt und ich immer hoffe, den einen oder anderen magischen Ort zu finden.
Der Jochberg, ein 1567 Meter hoher phantastischer Aussichtsberg in den Bayerischen Voralpen zwischen dem Kochelsee und dem Walchensee liegend, war nämlich während der Würmeiszeit ein sogenannter Nunatak. Also, ein Berg, dessen Gipfel etwa 150 m aus dem Eisstrom herausragte.
Der Berg ist aber mehr als eine geologische Definition von Gestein, Fels, Höhe, Würmeiszeit:
Der Berg ist ein magischer Ort, der jedem Besteiger, der nach Wahrheiten sucht, weiterhilft. Wer auf dem Berg ist, der ist oben.
In jeder Beziehung. Wer Schwierigkeiten überwindet, der ist „über dem Berg“ Aber auch umgekehrt. Wer unten ist, dem fehlt in einem Land der Berge auf tragische Art der Weitblick.
Der Berg ist religiös oder besser, der Berg ist neutral (er besteht aus Masse und religiös kann nur ein denkendes oder gedachtes Wesen sein …); aber dem, der auf dieser Masse verweilt, teilt „der Berg“ spirituelle Feinheiten mit, genau über das, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
Der Berg ist bereits in der kollektiven Massenseele verankert, im Berg steckt das Wort „Geborgenheit“ und so wird der Berg von Wissenden und Eingeweihten erkannt und benutzt: Moses steigt auf den Sinai, um Gott und dessen Gebote zu erfahren. Jesus stirbt auf der Schädelstätte, dem Berge Golgatha, nachdem seine Jünger auf dem Ölberg den Verrat und die Gefangennahme verschlafen haben. Und eine der schönsten Szenen des neuen Testaments, die „Verklärung“, jene Szene, da der Gottessohn den Himmel schaut, - spielt auf dem Berg.
Der Berg ruft. Er ruft tatsächlich, und immer auf seine ureigene Weise. Und er ruft jeden anders. Dieser Ruf kann Leben erwecken, aufrütteln, hohe Einweihung sein. So wie der Berg den Wanderer „nach oben zieht“, da wo die lebendige Zukunft leuchtet. Der dunkle Ballast der Vergangenheit, falsche Ideale und noch falschere Freundschaften; alles wird ganz klein, wenn man „oben“ ist.
Fritz Fenzl

Zufall... Zufall...

Der Zufall ist mächtiger, als wir es uns je vorgestellt haben. Seine Erforschung rührt an die großen Rätsel der Wissenschaft …“, so berichtet ein phantastisches Buch, das „zufällig“ auf meinem Schreibtisch gelandet ist. Wer es dort vergessen hat? Ein glücklicher Zufall.
Der Zufall hat es so an sich. (oder in sich?) Und er ist modisch. Ab den 50-er Jahren galt er ganz einfach als Zufall, so ganz ohne Hintersinn. Von der Alltags-Plattitüte „ … a so a Zuafoi! Des gibt’s doch gor ned ..!“ hat er, der feine Herr Zufall, sich längst emanzipiert. Vor allem seit der Jahrtausendwende ist der Zufall spirituell aufgewertet. In theologisch angehauchten Kreisen immer schon mit einem Touch von „Göttlicher Fügung“ oder „Führung von oben“ behaftet (was ist das Wunder anders als ein dummer Zufall, bei dem zufällig einmal nicht alles schief läuft, sondern gut geht?), hat der Zufall durch die Eso-Welle(n) einen späten Adel erhalten, der sogar in die seriöse Wissenschaft einzieht und Denk-Cluster wie „Chaos-Theorien“ bedient. Zufall? Die Weltallforscher reden längst von einem Brei aus Zufall, Chaos, Zeitenquark, anderen Quarks.
„Chance“? Die Chance ist ein Ahne des Zufalls. Ohne Chancen keine glücklichen Zufälle. Der Glücksbegriff ist letztlich auch ein Zufallsbegriff, wobei die Glücklichen halt nur von solchen Zufällen heimgesucht werden, die Spaß machen.
Zukunftsdeuter lieben den Zufall. Denn wer die Zukunft einigermaßen richtig voraussagen will, der muß die Zeichen der Gegenwart (die Zufälle? richtig deuten. Im persönlichen Leben ist der Zufall die Sichtbarwedung geheimer Wünsche. Was im Kopf ist, das spült das Leben via Unterbewusstsein in die „zufällige“ Ereigniswelt.
Und wenn der FC Bayern zufällig keine Chancen verwertet, dann heißt der Zufall Müdigkeit. Wenn Sechzig zweimal gewinnt, dann heißt der Zufall Wunder. Fritz Fenzl

Weihnachtsgefühl Sommerzeit

Frohe Weihnachten... 

Erst war ich ja verwundert und, zugegeben, auch etwas verärgert, als ich vor Jahren so gegen Ende der großen Ferien die komplette Weihnachts-Schleckereien in den Regalen großer Supermärkte entdeckte. Lebkuchen, Herzerl, Sterne, Engerl … alles in prallem Schoko-Design. Irgendwann vor fünf Jahren habe ich mir dann Ende August eine Packung Lebkuchen und Schokoladensterne gekauft. Naja, ein Schoko-Nikolaus war auch dabei.
Alles tut man irgendwann immer ein erstes Mal. Man muß es nur wollen. Die Sonne hat heiß geschienen an dem Tag, ein richtiger Spätsommer war´s. Ich erinnere mich genau, der Ammersee hatte noch die herrliche samtige Augustwärme. Und nach einem ausgiebigen Körper ertüchtigenden Kraul durch das kühle Naß hat es statt der deftigen Brotzeit feine Weihnachts-Leckereien gegeben.
Diese Süßigkeiten haben übrigens viel besser geschmeckt, als am Heiligen Abend. Richtig frisch und saftig waren sie.
Die Badehose hat zwar einige Schokoflecken abgekriegt, die sich aber bei der nächsten Schwimmrunde wieder komplett verflüchtigt hatten.
Seither ist ein Sommer ohne frische Weihnachtsbäckereien für mich kein Sommer mehr. In diesem Jahr habe ich mit Freunden am Pilsensee gesessen und Weihnachtserzählungen vorgelesen. Statt uns langweilige Bratwürste und dem Schnitzel einzuverleiben haben wir uns an Spekulatius und Schoko-Nikolos vergnügt. So ein lukullischer Sommertag trägt außerdem zur Kommunikation bei. Sagt doch leicht mal einer beim Vorbeigehen: „So a Schmarrn!“. Bis er probiert hat und infiziert ist.
Zu Weihnachten werden wir dann bunte Ostereier mit Schoko-Hasen servieren und über das Rauchverbot für Räuchermännchen diskutieren.
In diesem Sinne - Euer Fritz Fenzl

SCHLAFPHASEN

Gesunder Schlaf... 

„Alle glücklichen Schläfer gleichen einander, jeder unglückliche Schläfer ist auf seine eigene Weise unglücklich …“, so beginnt der wichtige wissenschaftliche Aufsatz einer deutschen Tageszeitung unter der Rubrik „Wissen“.
Thema Schlaf: Längst wurde er von der Medizin in Norm gefasst. Man schreibt uns vor, wie und wie lange und wie gut wir gefälligst zu schlafen haben. Wer sich nicht danach richtet, wer meint, auch im Schlaf anders sein zu müssen als die Norm - ist krank. Und wer krank ist, ist reif für das Gesundheitssystem, jenen gewaltigen Kreislauf aus Psychoterror, Reform und Abzocke. Ein Gesundheitssystem, das das mittelalterliche Ablasswesen weit in den Schatten stellt. Alles funktioniert heute wie damals, denn der Mensch gesteht sich selten ein, Wert zu sein. Hält er sich doch unbewußt auf die Apfel-Verführungsgeschichte im Paradies zurück greifend nach wie vor für einen Sünder, und das, nicht nur im Schlaf sondern auch im Wachzustand.
Der Mensch schläft, schläft nicht, schläft schlecht, schläft lang und schläft kurz. Wissenschaft und Pharma-Industrie sowie die Bettenhersteller jubeln.
Die Wissenschaft hat bislang bis zu 90 (!) verschiedene Schlafstörungen erkannt und zugeordnet - und natürlich vermarktet.
Insomnien (Somnambule sind Schlafwandler), Parasomnien, Hypersomnien; nächtliche Zähneknirscher, Menschen mit einem so genannten Restless-Legs-Syndrom. Wir wissen um die Schlaf-Apnoe, Narkolepsie, REM-Phasen, REM-Schlafstörungen.
Einschlaf-Hilfen? Die gibt´s ohne Geld, also umereinsunst: Dunkles Schlafzimmer (ach nee), kein direktes Sonnenlicht (wer hätte das gedacht), Nebengeräusche ausschalten, dem Grübelfaktor den Kampf ansagen, fiktive Dialoge vermeiden, zwischendurch auch mal gähnen. Manche können oder wollen nicht aufwachen, ohne ein menschliches Wesen neben sich zu haben. Manche schätzen den Büroschlaf. Schlimmster Schlafkiller - der Liebeskummer.
Und welcher Schlaftyp sind nun Sie? Vorsicht: Nicht zu lange nachgrübeln - dies könnte sich negativ auf ihren nächsten, hoffentlich wohl verdienten Schlaf auswirken.
In diesem Sinne - Ihr, vom gesunden Schlaf geplagter
Fritz Fenzl

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