ARCHIV 9
MASSHALTEN AUCH BEIM FASTEN
Nein, Fasten hat ganz bestimmt nichts mit „Fast Food“ zu tun. Fast aber dann doch. Denn „Fasten“ kommt von „Festigen“, was im englischen „to fasten“ fest spürbar wird.
Dabei gibt es wirklich viele Möglichkeiten, die herrliche Fastenzeit zu nutzen. Ruft mich doch eine Leserin aus Nymphenburg-Neuhausen an und erzählt, es gäbe bei ihr ein Geschäft, in dem 100 Gramm Schinken für 25 Euro zu haben sind. Ein ganz, ganz besonderer Stück Schinken natürlich. Welcher Laden? Das sage ich lieber nicht, Sie müssen schon selber suchen, lieber Leser. Reklame funktioniert ja recht vielschichtig. Und es gibt noch wesentlich teurere Leckereien auf der Welt. Angebot und Nachfrage.
„Wissen die Leut´ denn nimmer, wohin mit´m Geld?“, so die Leserin.
Einige wissen es scheinbar wirklich nicht. Andere - und das sind nicht wenige – die brauchen gar nicht länger nachzudenken, denn sie haben das Geld nicht, das sie lieber nicht ausgeben sollen.
Zurück zur beginnenden Fastenzeit.
Irgendwas muss wirklich dran sein, sich ab und an selber zu beschränken. Nicht unbedingt nur beim Essen. So gibt es prima Ideen, weniger Auto zu fahren, weniger TV zu schauen…, die Liste ist schier unendlich.
Gehen doch einige mit leuchtendem Beispiel voran. Der FC Bayern beschränkt sich auf einen Platz hinter den Ersten, denn es ist nicht immer gut, ganz vorne zu sein!
Banken und Banker, bisher mit einem geradezu mythologischen Nimbus umgeben, beschränken sich nur auf das Wesentliche, das Menschliche. Ärzte üben Bescheidenheit und erklären ihre Not. Und so mancher Öffentlich-Dienstler… Sie wissen schon.
Der Aschermittwoch, er hat was. Demütig beschränke auch ich mich auf das Fischessen in der Allotria. Münchner Künstler im Künstlerhaus, eine feine Sache. Dafür lasse ich den kirchlichen „Aschermittwoch für Künstler“ sausen, denn dort würde ich doch nur nach brauchbaren Kontakten schielen. Wie hoffärtig. Nein ein Super-Fischlein wird es sein im Künstlerhaus, bescheiden, lecker – üppig - und lustig wie immer. Fritz Fenzl
Fasching, selten ein Vergnügen
Danke für die freundliche Leser-Resonanz! Das öffentliche Bierflaschen-Halten während des Tanzens bei Faschingsbällen kommt von besonders edlen Kult-Getränken, die derzeit den Markt erobern. Aha. Und so ein Kult-Gebräu muß unbedingt aus der Flasche genuckelt werden. Vor allem junge Leute wissen da gut Bescheid, was wo wann wie wichtig ist.
Da bekommt der Fasching ja richtig Sinn und Stil. Wo er doch eh tiefe Fragen aufwirft, jedes Jahr:
Wie schaffen es die Rheinischen Jecken und schiffbemützten Gaudi-Strategen nur, bei abgestandenen Bütten-Reden stets lauthals zu lachen? Lustig sind allerdings die pausenlosen Tuschs („Da-dää-da-dää!“) die signalisieren, es sei soeben eine Pointe verlorengegangen.
Doch, das ist durchaus lustig. Solche magischen Da-dää-Tuschs verfolgen einen noch in den Schlaf hinein. Den Fernsehschlaf.
Ganz anders der Münchner Fasching. Da tut keiner so richtig mit, aber alle granteln, dass keiner so richtig mittut. Auch das ist lustig. Der Faschingszug ist eine Ausnahme. Alle auf den Wagen finden das lustig. Immerhin. Das sind die Damischen Ritter, die auch den schönsten Ball betreiben, seit Jahrzehnten.
Die anderen stehen da und sagen: „Aha, ein Faschingszug“. Wichtig ist die Route, die der Zug nimmt, darüber wird dann gesprochen. Aber ist das so lustig?
Folgende Szene hat sich ereignet in München: Ein Menschenauflauf. Alle stehen rum um ein mysteriöses Epizentrum. Dort in der Mitte ... was ist da passiert? - Die Einsatz-Polizei klärt den Fall schnell auf. In der Mitte steht ein kleiner Mann mit Pappnase. Der ist lustig. Oder versucht es. Die anderen bilden einen Menschenauflauf, weil da etwas lustig sein soll.
Der amerikanisch Star-Autor Philip Roth hat die Freizeit als Hölle bezeichnet. Kennt der den Münchner Fasching? Fritz Fenzl
NUCKEL-VOLK BESTEHT AUS FLASCHEN
Eine sinnlose, aber beständige Nuckelei verschiedener Erfrischungsgetränke zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit; beständiges und nervendes Dauertrinken aus großen Plastikflaschen, vor allem in der Öffentlichkeit und in der U-Bahn: diese Proll-Sitte ist zunächst in amerikanischen Untergrund-Filmen aufgefallen. Zum Gehabe der dort dargestellten Personen ohne Zukunft, aber mit nuckelnder Gegenwart, gehört es offensichtlich und offen-trinklich , pausenlos die zerdellte Eineinhalb-Liter-Flasche in der Hand zu haben. Nach spätestens zwei gesprochenen Sätzen wird der Verschluss abgeschraubt, getrunken, Verschluss aufgeschraubt.
Aber so etwas ist längst auch bei uns üblich. Getrunken wird, egal was, Hauptsache in unzähligen Nuckel-Schritten, unappetitlich und vor allem so, dass jeder zuschauen muß.
Es hat fast den Anschein, als könne ohne das labende Getränk eine normale U-Bahn-Fahrt nicht überstanden werden. Wobei so lächerlich oft aus der einen Flasche getrunken wird, dass das Restnoagerl ebenso viel Speichel enthält wie Fruchtsaft … für jedermann gut sichtbar. Pfui und Prost.
Sportverein ohne Nuckelflasche? Undenkbar. „Trinken Sie!“, sagt der Trainer mitten im Aerobic-Kurs, „sonst bekommen Sie einen Anti-Magnesium und Anti-Ionen-Schock!“
(Ich mache viel Sport, trinke aber lieber hinterher und lebe immer noch).
Inzwischen ist´s im normalen U-Bahn-Alltag die Sitte, seine halb ausgesoffene Bierflasche zur Schau zu stellen. Was früher einer kranken und gefallenen Restschicht der Bevölkerung zugestanden wurde, das ist urplötzlich schick. Alkohol im Sichtbereich. Sogar Münchens Faschingsbälle dieser Saison sind mit Tanzparkett-Säufern gespickt. Frauen keine Ausnahme.
Bierflasche trinkbereit im Alltag? Man soll nicht werten. Aber es ist einfach billig und entwertet das Stadtbild. Es wird im Untergrund längst zum Sicherheitsrisiko.
Und den Kaffeetrinkern in der vollen U-Bahn, die ihre Nachbarn mit der braunen Brühe vollschwappen, sollte man ruhig aber bestimmt die Plastikbecher der unsäglichen Cafe and go-Sitte aus der Hand nehmen. Fritz Fenzl
WAS GILT EIGENTLICH NOCH?
Wer ein gewisses Alter erreicht hat (nicht zu viel und auch nicht zu wenig) und wer solide und mit dem gewissen bürgerlichen Spleen der so genannten „Sicherheit“ ausgestattet ist, kennt es:
Post, durchaus erfreuliche, flattert ins Haus. Absender ist eine der zahlreichen Versicherungsgesellschaften. Der Inhalt liest sich fließen: „Freuen Sie sich: Ab … wird Ihnen eine Lebensversicherung ausbezahlt.“
Nun gibt es die quälendeen Überlegungen. Was tun mit dem vielen Geld, wie anlegen, was kaufen? Die Entscheidung pendelt zwischen einer lebenslangen, monatlich kleinen Rente und dem Glückgefühl, den nicht unansehnlichen Gesamtbetrag auf einmal in Händen zu halten.
Wie ich machen würde? Ich gehe zu meiner Lieblings-Bankberaterin in meiner Lieblingsbank - beides wird nicht verraten. „Ich will noch dreißig Jahre leben, mindestens“, sage ich.
„Das glaube ich und das sehe ich Ihnen auch an“, meint die gut aussehende Dame hinter dem Tresen. Fachmännisch setzt sie hinzu: „Lassen Sie sich das Geld ausbezahlen, jetzt! Tun Sie etwas Solides damit. Am besten in Richtung Immobilie. Zum Beisipiel die Wohnung abbezahlen ..“
„Aber … die Zukunft?“
„Die kennt keiner“, sagt die kluge Frau. „Das was sie heute als monatliche Rente bekommen würden, wird schon in zehn Jahren fast nichts mehr wert sein. Na, vielleicht eine Semmel, bestensfalls eine belegte …“
Ich schlucke.
„Und in zwanzig oder gar dreißig Jahren!“, meint sie dann, „ … da wird es weder unsere Bank geben noch Ihre Versicherung. Lesen Sie denn keine Zeitung?“
Eine super-ehrliche Auskunft. Und fremd zugehört hat auch keiner.
Aber, ist es nicht schade, dass es so weit gekommen ist: dass nichts mehr gilt, was einmal so hoch gelobt worden ist?
Manchmal bin ich froh, dass ich fest an den Lieben Gott glaube. Der bleibt, wie er ist. Krisenfest. Euer Fritz Fenzl
Der Verfall von Markennamen
Obama steht für Hoffnung... Hoffentlich hält der neue Präsident, was sich die Welt von ihm verspricht.
„Was sind schon Namen, vor allem Marken-Namen?“, möchte der althergebrachte Freund und Wertschätzer alter und eingesessener „Namen“ da ausrufen! Was Jahrzehnte lang im Ohr klang und als „gute Marke“ das Bewusstsein des Alltags prägte, von dem ist auf einmal zu lesen: Aus und vorbei. Verkauft, verschuldet, verlodert, aus, Äpfe, Amen.
„Friedhof der Marken“ hat ein Analyst diesen leicht wehmütigen Abschied von Vertrautem genannt. Namen wie Rosenthal, das immer für erstklassiges Porzellan stand und kühnes Designer-Service, Marken wie Hummel, die seltsam possierlichen Figuren, für Sammler Kult, für Nichtliebhaber Kitsch, Marken wie Polaroid oder (was für eine wunderbare Kindheitserinnerung) Salamander! Diese Schuhe und keine anderen mussten die Eltern kaufen, unbedingt, denn die Marke Salamander war untrennbar verbunden mit dem unvergesslichen Lurchi-Heft.
Gut, so richtig gestorben sind die Firmen alle nicht, wer gewöhnt sich aber schon daran, einen so genannten „guten Namen“ plötzlich im Zusammenhang mit Horror-Begriffen wie etwa Konkursverwalter zu hören.
Noch mehr Beispiele? Das müssen nicht allein Firmen für Konsumartikel sein. Was ist aus Worten wie „Treue“ oder „liberal“ geworden, oder aus den ehemals guten Namen der großen Polit-Parteien? Lieber keine Beispiele, so vieles, was gerade noch als ehrwürdig galt, gerann dann zum Schimpfwort.
Neue gute Namen? Leidende Banken … äh, das war ein dummer Scherz. Wobei der Begriff „Unwort des Jahres“ auch schon sowas wie eine Marke ist.
Ein neuer Begriff: Obama, Obamania. Der Hipe um den neuen Präsidenten ist gewaltig und der Name klingt, wie bei einer guten Marke, so als gäbe es ihn schon immer. Hoffentlich bleibt das. Charisma hat schon immer einen guten Namen. Fritz Fenzl
OKKULTISMUS IN BAYERN
Okkultismus, das klingt ganz schön okkult.
Wer denkt da nicht gleich an Geister, Hexen, Zauberer, Feen und Gnome, vielleicht auch an Spinner, Tische-Rücken, Tarotkarten, an die Kabbala, den Heilstrom (da gibt es mehrere!) und an Texte von Pop-Songs, die rückwärts denselben Unsinn ergeben wie vorwärts.
Und erst die Bayern-Variation des berüchtigten „backward masking“, der rückwärts gespielten Botschaft: Haben sie einmal das „Hallaradudldiö“ rückwärts gelesen? Öidldudarallah! Eben. Geheime Botschaft!
Dunkel sollte es schon sein beim Okkultismus, denn das Wort bedeutet nichts anderes als „im Verborgenen“. Und schon geht´s los! Was ist dann nicht alles okkult, also verborgen!
Jedes stille Örtchen erlangt so den Hauch des Okkulten, alles Abgeschirmte ebenso. Dazu kommen Geheimnisse jedweder Art, die großen und die Kleinen. Das MVV-Tarif-System? Geheimwissen, nicht einmal für Eingeweihte verständlich. Ein heimlicher Kuss zwischen zwei Liebenden im dunklen Hausgang ist allerdings noch lange kein Okkultismus! Das ist einfach nur schön.
Lehrpläne, Schulwissen! Das ist echter Okkultismus. Denn oft verstehen sogar die Lehrer nicht, was gemeint ist. Beispiel G8, dieser seltsame Zahlenschlüssel. „G“ für den 7. Buchstaben des hebräischen Alphabets? Und Acht? Heilige Zahl abgerundeter Geheimnisse?
Aber ernsthaft: Das wahre Wissen ist tatsächlich verborgen, wir erfahren nur das, was wir denken sollen.
Und so wird bereits ein jeder, der sich eigene Gedanken macht und die Welt hinter der Welt erschauen will, ein Okkultist. Und natürlich macht er sich verdächtig. Wirkliches Wissen steht nie in Büchern. Am wenigsten in Schulbüchern. Aufpassen im „G8“ lohnt trotzdem. Um zu lernen, was man nie brauchen wird. Fritz Fenzl
Echt cool, diese Kälte
Die Kälte hat - trotz anderslautender Äußerungen - durchaus etwas Positives. Funktioniert doch bei den eisigen Außentemperaturen das eigene Hirnkastl irgendwie besser. Besser jedenfalls, als unter einer quälenden Schwitzerei im Hochsommer, wo sich die Gedanken mehr um den Besuch der nächsten Eisdiele drehen, als um geniale Einfälle. Da lob ich mir den kalten Hauch des Lebens, vorbei an frostverklebten Nasenflügeln. Wenn der pfeifend einströmende frische Sauerstoff fühlbar bis ins unterste Lungenbläschen gelangt und dieses gründlich durchpustet. Keine Angst vor frischer Luft! Von einer Sauerstoff-Vergiftung hab' ich noch nichts gehört.
Das bei Frischluft befreite Denken verführt außerdem zu bizarren Beobachtungen. Leid tun einem lediglich die von Haupthaar befreiten Geschöpfe, die mit rotgefrorenen hutlosen Schädeln „oben ohne“ durch Münchens zugige Gassen eilen. Oder gar das menschlich Häuflein Elend vor einschlägigen Kneipen. In sternklarer Nacht haten sie in handschuhlosen Zitterfingern den kaltgefrorenen Glimmstengel, um ein paar überlebensnotwendige Züge zu tun.
Der Winter-Hit aber sind scheinbar gut verheiratete Ehemänner, die auf Münchens nächtlichen Balkonen dem Rauch-Genuss frönen. Einziges Lebenszeichen: Der ab und an aufglimmende Glutkopf der Zigarette.
Diese seltsame Laune der Natur (der Eisesnacht-Minutenraucher) ist allerdings Biologie bedingt am Aussterben. Denn die natürliche Vermehrung funktioniert bei diesen durchgefrorenen Suchteln so wenig wie der natürliche Genuss überhaupt. Fremdbestimmte Balkonpaffer sind keine Alpha-Typen und damit keine wertvollen Gen-Träger.
Klirr! So ein Schmarrn fällt einem eben ein, wenn die Kälte eiskalt am Ohrwaschl zieht. Brr, jetzt hör lieber ich auf, weil mir das Thema zu heiß wird. Euer Fritz Fenzl
Teufel, Krise und München
Der Teufel war der ewigen Landstreicherei überdrüssig geworden. Ist er in die Jahre gekommen damals? Gibt es in der Ewigkeit eine Midlife-Crisis? Wissen wir nicht.
Weiter: der Teufel also hat das dauernde Herumstromern und Seelenfangen satt gehabt. Er fühlte sich wie ein ausgelutschter Außendienstler.
Mit wem kann man reden und das Herz ausschütten, wenn einem so richtig mies ist? Immer mit dem Lieben Gott.
„Ich fühle mich ausgebrannt!“, sagte der Widersacher zu seinem Schöpfer.
„Kommt von deiner ewigen Herum-Sitzerei in der Hölle.“
„Meinst du?“
„Aber ja.“
Der Teufel nahm ein Taschentuch, schneuzte, unterdrückte eine gelbliche Träne aus Salzwasser und Schwefel und polierte dann mit glasigen Augen eines der beiden Hörner. Tut er immer, wenn er verlegen ist oder angestrengt nachdenkt.
„Gib mir ein Stück Land.“
„Seit wann machst du in Grundstücken?“
Auf der Erde herrschte zu dieser Zeit die große Krise. Der Liebe Gott war argwöhnisch, dann aber sah er mit Wohlwollen, dass der Teufel nicht auf schnellen Spekalutions-Gewinn aus war, sondern dass er sich wahrhaft zur Ruhe setzen wollte.
„Ein Stückchen Erde also willst du.“
„M-hm.“
Sag´ einer, die im Himmel verstünden sich nicht auf kluge Geschäfte. Neudeutsch würde man in unseren sprachverhunzenden Tagen wohl anmerken: „Ein kluger Deal …“. In dem Falle: Ein himmlisch guter Deal!
Nun denn, feine Geschäfte machen, das hat immer schon etwas Verbindendes.
Der Liebe Gott dachte, es sei besser, man gäbe dem Bösen ein Stück Erde, als dass man ihm die ganze Welt überliese. Auch der diesthabende Cherub hielt die Idee für strategisch gut. Aber!
Aber welches Stück Erde?
Richtig. An der Isar…
So kommt es, dass München, wenngleich gottgewollt, einfach teuflisch ist. Eine Art Seelen-Austragsstüberl. Teuflisch lebenswert. Und weitflächig katholisch. Fritz Fenzl
ECHTE PROPHEZEIHUNGEN
Schaut also ganz so aus, als würde ein Jahr vergehen und das andere beginnen.
Mich überrascht immer wieder, dass der Jahreswechsel für viele Zeitgenossen so überraschend kommt. So überfallartig etwa wie Weihnachten. Dabei kommen die Feiertage überraschend angemeldet.
In einem Jahr ist wieder ein Jahr um. Ehrlich.
Klingt banal, i weiß scho.
Aber: Wenn ein „Prophet“ daherkäme, ein esoterischer Superstar, ein Guru, ein Messias, ein Krisenschwafler, vielleicht auch ein Kraftort-Experte; - der dann mit schicksalsschwangerer Stimme intonieren würde:
„Hört, ihr Volk! In einem Jahr ist wieder ein Jahr um!“… der hätte Gehör! Vielleicht noch ein paar seltsame Rituale dazu; die Leute brauchen das.
„Woher weiß er das nur, dass in einem Jahr ein Jahr um sein wird?“, so täte das erstaunte und dankbare Publikum fragen.
„Von oben!“, müsste er dann sagen und niemals: “Aus dem Kalender weiß ich das!“
Dazu ein verklärter Blick. Und natürlich abkassieren. Und die interessantesten Frauen erwählen, als Vestalinnen der Zeit … die Welt ist herrlich, auch im neuen Jahr.
Wenigstens haben nun ein paar kluge Obergeistliche auf die Parallele des Deutsche-Bank-Chefs, der so gerne das Teufelshörner-Zeichen macht, zum „Tanz ums Goldene Kalb“ hingewiesen. 25 Prozent Rendite? Aha. Und wenn nicht, dann Krise.
Warum darf keiner sagen, außer unangreifbaren Oberhirten, es machert nix, wenn weniger Autos gebaut würden, weniger verkauft und überhaupt alles weniger. Was wird denn weniger? Das, was uns kaputt macht.
Wie viele Institutionen pro Jahr werden geplant, um die Vergangenheit in den Griff zu kriegen? Dabei geht das gar nicht. Wir können nur in der Gegenwart leben, das Jetzt bewältigen und die Zukunft planen.
Klingt trivial?
Aber keiner weiß es. Lesen sie nur die Zeitung. Ehrlich. Wir werden auch das kommende Jahr doof bleiben und manipuliert. Und in einem Jahr wird wieder ein Rückblick so genannte Krisen beklagen, unausbleibliche Naturkatastrophen besingen – und der Autoabsatz wird sich nicht verdoppelt haben. Ich bin halt doch ein Prophet. Fritz Fenzl
HEILIGE NACHT IM MÜHLTAL
Der Vater von Karl dem Großen hieß Pippin. Irgendwann wollte der heiraten. Sein Marschall, den er als treu ergeben einstufte, sollte ihm die Braut zuführen. Der Marschall aber war hinter seiner freundlichen und ergebenen Maske falsch und arglistig. Er tauschte die ihm anvertraute Braut Berta gegen die eigene Tochter aus und führte dann diese dem König Pippin zu.
Die wirkliche Braut Berta sollte auf seinen Befehl hin getötet werden im finsteren Wald. Zwei dunkle Gesellen, die den bösartigen Auftrag vom Marschall erhalten hatten, ließen sich aber von dem Flehen des schönen Kindes beeindrucken. Sie brachten Berta nicht um. Das verängstigte Mädchen irrte durch das pfadlose Gehölz, bis sie einen Köhler fand - der geleitete sie – und übergab sie der Reismühle bei Gauting.
Dort in der Reismühle lebte damals ein gutherziger Müller. Der nahm das schöne, aber vollkommen mittellose Mädchen bei sich auf. Durch Spinnen verdiente sie sich redlich den Lebensunterhalt.
So vergingen sieben Jahre. Da verirrte Pippin sich bei der Jagd in der Gegend der Reismühle. Nur noch einen sternenkundigen Arzt hatte er bei sich. Der Abend senkte zarte Schleier über das verzauberte Tal. Stand da nicht ein besonderer Stern am Himmel eine Art „Stern von Bethlehem?
Dort!
Irgendwo in der Ferne ein Licht. Man ritt darauf zu, vorsichtig und langsam. Eine Mühle hier am Fluss. Am nächsten Morgen bei hellem Tageslicht sah Pippin die wunderschöne Spinnerin.
Rotblonde Haare flossen über deren Schultern. Und er erkannte seinen eigenen Verlobungsring an ihrem Finger.
Der Betrug flog schnell auf. Pippin verstieß seine Frau und nahm die richtige als Gemahlin. Frau Berta blieb noch ein Jahr in der Reismühle im schönen Mühltal und Gott schenkte ihr ein Knäblein. Ungewöhnlich schön und lichtvoll und schon in der Wiege ein echter Charismatiker:
Der spätere machtvolle Herrscher, den man Carulus Magnus, Karl den Großen, nannte.
Die Christen- und auch die Heidenwelt sollte noch zu spüren bekommen, was das für einer war.
Wie eine Weihnachtsgeschichte: Widrige Umstände, eine Jungfrau voller Tugend, Leidensfähigkeit und Geduld, der gar seltsam mitgespielt wird. Doch dies hier ist nur eine Sage. Fritz Fenzl
„UNWORT“ - mein Unwort des Jahres
Jedes Jahr derselbe Schmarr'n: Rückblicke, Ausblicke und so genannte Unwörter. Rankings, Hitlisten, wahre Hitparaden von Mode-Ausdrücken. Zugegeben, auch ich habe meine Rückblicke und Ausblicke, sogar schriftlich, und die habe ich eingehalten und manches Mal sogar übertroffen.
Aber dieser kollektive Rückschau-Blödsinn, wie er einem jahrjährlich von den Verdeppungs-Medien um die Ohren geklatscht wird, ist ärgerlich, bläd oder wenigstens langweilig.
Wo ist eigentlich die Krise, von der wir immer lesen ...? frage ich mich und auch meinem nicht gerade kleinen Bekanntenkreis: Weil das Benzin billiger wird? Krise? Weil weniger Autos produziert werden? Krise? Davon träumen wir doch immer. Umwelt und so. Mich lässt das Krisengerede eine Krise kriegen und auch das jährliche „Unwort“. Ich mag sie nämlich, die Unwörter. Haben irgendwie etwas kreatives.
Was fällt unter „Gammelfleisch“? Bei den Jungen einer über Dreißig. Na ja. Und was ist mit den über Fünfzigjährigen? Die laufen wahrscheinlich unter „Verwesis“. Nicht schlecht auch das Wort „Datenzäpfchen“ für die USB-Stick-Hypochonder:
„Was, Du sicherst nicht! - Du mußt unbedingt Deine Glossen und alle Texte auf USB-Stick sichern …“
Ehrlich gesagt, mach ich nicht. Was ich schreibe, das „maile“ (Unwort?) ich sofort an Verlage. Da ist es sicher genug. Sei es Buch, Glosse oder Werbetext. Dann wird´s gedruckt und auch bezahlt. Andere nennen so etwas Krise, ich rede von einem schönen Leben.
Oder doch …Krise: Die Weihnachts- und Neujahrsgeschenke von den Verlagen bleiben aus. Die beiden Münchner Großverlage versenden immerhin eine Weihnachtskarte.
Bis auf den Pranahaus-Katalog (größter Eso-Buchversand in Deutschland), für den ich über´s Jahr hinweg kurze Buchempfehlungen schreibe. Der schickte einen aufwendigen Kristall-Leuchter in Lotosblüten-Form. Da kann einer sagen, was er will: Die Esoteriker haben Stil. Und, sie kriseln nicht mit, sondern lassen es richtig boomen. Mir gefällts - Euer Fritz Fenzl
STILLE LAUTE TAGE UND DER MYTHOS
Unsere Sagen- und Mythenwelt ist alles andere als harmlos oder märchenhaft, so wenig wie Märchen harmlos sind oder märchenhaft gesehen werden können. Ein geistiges und seelisch-spirituelles Pulverfass! Genau das bedeutet unsere Sagenwelt, nicht mehr und nicht weniger. Urkraft des Mythos!
Neben der so unergründlichen Tiefenschicht der Seele existiert da etwas Umfassenderes, eine Volks-Seele, ein Gruppendenken, Ahnen-Bewusstsein gar. Auch die nicht immer ungefährlichen Regeln des Massenbewusstseins kommen wirkmächtig zur Macht.
Warum ich darüber nachdenke: Weil ich soeben ein umfassendes Sagenbuch fertigstelle, das den „Teufelstritt“; die Münchner Stadtsagen, bayernweit ergänzen soll.
Da drängt etwas nach oben, laut und rasselnd wie die Perchten, die jetzt so sehr für Ärger und Diskussion sorgen; dies Drängende, laute und Polternde will ans Licht. Hinter der bunten, schweren und phantastischen Bilderwelt und dem Zusammenspiel uralter Symbole dringt ein Wissen, das immer schon da ist, durch den matten Widerschein im Zauberspiegel der überlieferten Worte.
Und wieder die Perchten, diese Abgründe des Seins, diese bizarren Schatten-Gesellen: Warum sorgen sie ausgerechnet in diesem Jahr für Aufregung?
Zumal in unserer Gegenwart scheint es so, als würde der längst brüchig und durchlässig gewordene Stöpsel des Verdeckens sich lockern.
Wir können unsere eigene Geschichte und Vergangenheit nur dann verstehen und verarbeiten, wenn wir die Sagen verstehen.
Und die Sage ist untrennbar mit dem Ort verbunden, der sie entstehen ließ. Wo liegt der Ort? Im Kopf zumeist: Jeder von uns ist sein eigenes Buttenmanndl. Wer aber kann die bösen Geister vertreiben?
Fritz Fenzl
LICHT DER WELT UND SCHOKOLADE
Über die „Gedanken zum Advent“ braucht man sich wirklich keine Gedanken zu machen, weil die vorweihnachtlichen und später auch weihnachtlichen Gehirnergüsse der Volkspropheten und Polit-Schönredner fallen jedes Jahr anders aus.
Die Welt ändert sich von selber, so wie sie sich auch von selber dreht. Und man kann immer wieder neu den alten Senf dazu geben.
Überhaupt ist der Advent, wie Weihnachten auch, so eine herrliche Zeit der Berufs-Gedankenmacher. Ich habe oft in vergangenen Jahren die Pfarrer in den katholischen oder evangelischen Kirchen bei der Weihnachtspredigt beneidet: Denn eine stets zu Weihnachten herrlich aktuelle Krise ist doch ein vulminanter Einstieg ins Thema.
Ein Opener sozusagen, der dann darin endet, mit dem Licht der Welt sei alles anders und neu belichtet.
Ist es ja auch.
Auch ich habe lange genug nachgedacht, mit welchem bewegenden Thema die wartende Gemeinde der Leser in diesem Jahr wachzurütteln sei.
- Das Nicht-Trinkgeld für Müllmänner? Nicht wirklich. Wahre Spiritualität nimmt keine Trinkgelder, sondern nur Großbeträge.
-Bankenkrise? Nicht schlecht, aber die Banker, die ich kenne, wirken recht zufrieden.
-Fehlende Nikoläuse? Ja mei, wie bei jedem Highlander gilt: Es kann nur einen geben.
Aber dann: der Skandal mit Schokoladen-Jesus-Figuren! Das ist was. Angeblich regen sich alle darüber auf. Geschmacklos und so, und das bei leckerer Schokolade.
Dabei steckt hier eine verzwickte Theologie dahinter. Abendmahl, Einsetzungsbericht. Aber das will ich nun nicht weiter vertiefen. Elias Canetti widmet in dem Werk „Masse und Macht“ ein ganzes Kapitel (das wohl entscheidende!) den „Eingeweiden der Macht“, wie er das ausdrückt.
Kurz: verinnerlicht wird erst das, was auch essbar ist. Ich für meinen Teil bevorzuge Plätzchen. Fritz Fenzl
WACHSTUMSRATE BEIM KRISEN-GESCHWAFEL
Ehrlich gesagt, ich kann das dauerdoofe Krisengeschwafel nimmer hören. Was soll daran so schlimm sein, wenn das un-u-unbegrenzte Dauerwachstum endlich einmal stagniert? Das ist nur natürlich, sonst nichts.
Jeder Arzt kann bestätigen: „Wenn im Körper etwas unbegrenzt wächst, dann ist es Krebs.“ - Und enthemmtes Zellenwachstum ist bekanntlich tödlich.
Wer sich einigermaßen mit den Vorgängen der Natur auskennt, der weiß ebenfalls: alles wächst nur eine Zeit lang, dann ist Schluss. So wie der Körper oder das Gehirn. Beide wachsen nicht ewig weiter. Ganz im Gegenteil. Statt Wachstum muss irgendwann eine Verfeinerung und eine Erfahrung (ein Lernprozess!) einsetzen, niemals aber unbegrenztes Wachstum weiterdümpeln. Frederic Vester spricht in seinem wunderbaren Buch „Unsere Welt – ein vernetztes System“ ebenfalls vom „qualitativen Wachstum“: „ So entsteht (…) Intelligenz, nicht durch Wachstum von Gehirnzellen, sondern im Gegenteil erst dann, wenn sie aufgehört haben, sich zu vermehren …“
Bemerkenswert! Intelligenz entsteht, wenn „das Wachstum“ beendet ist und die fein-geistige Differenzierung einsetzt. Grenzenloses Wachstum unserer Finanztrottel wäre dann vielleicht gar Dummheit ..?-
Wer hat eigentlich Interesse daran, alles so widerlich negativ und katastrophisch darzustellen!
Aus einem normalen Winteranfang (der ist absolut natürlich) wird sofort ein „Schneechaos“. Bleibe das Schneechaos aus, dann sicher wegen irgendeiner „Klima-Katastrophe“.
Zugegeben: Aktien habe ich nie besessen, deren Aufwinde und Abstürze besitzen für mich (und meinen gesamten Freundeskreis) nur einen faden Unterhaltungswert.
„Gleichwohl, was Unterhaltsameres als diese Finanzkrise hätte uns gar nicht passieren können ...“, sagt der Lach- und Schießer Claus Wagner im Interview.
Sehe ich auch so. Jeder Tag ist schöner als der andere. Ich habe mehr als genug und meine sozialen Kontakte (der einzig wirkliche Reichtum!) wachsen täglich. Und bald ist Weihnachten. Jesus hat nie Geld gehabt und ist heute noch gefragt. Fritz Fenzl
BROT UND SPIELE
Es ist eine Unsitte, die immer mehr greift: gutes Essen umrahmt von lauten Geräuschen. Das kann ein Stehgeiger sein, der mit schmalzenden Tangoklängen versucht, die Suppe zu versalzen, das kann die laute Rockmusik in so genannten Szenelokalen sein oder schlichtweg Menschen an Nachbartischen, die meinen, die Welt interessiere sich für ihre intimsten Geheimnisse, die sie lautstark preisgeben. Geschweige denn die Jingles, die dem Tischnachbarn ein Handygespräch ankündigen.
Ausgesprochen störend sind außerdem laufende Fernseher in Speiselokalen, die insbesondere dann, wenn die Welt wieder einmal auf der Suche nach der besten Fußballmanschaft ist oder Olympia ihre gedoppten Sieger kürt. Ich geb's zu, in dieser Beziehung bin ich gerne von vorgestern und verzichte auf all' dieses Beiwerk, das einem das beste Menü vermießen kann.
Ein „Event“ muß sein, was die so genannte Erlebnis-Gastronomie längst entdeckt hat. In München konkurrieren gleich mehrere Zelte mit Erlebnis-Speisung (Action-Food?), die artistischen Glanzleitungen gleich neben dem Tellerrand sind erstaunlich.
Für mich, zugegeben, eher ein Graus. Da lob ich mir unter anderem den Schweizer Hof in Pasing, der auf Zirkus-Spiele zum Sauerbraten mit Semmelknödel gänzlich verzichtet. Was ließe sich mit Semmel(n)knödel(n) doch alles anstellen!
Oder, warum nicht Clowns zur Schulspeisung, was eigentlich auch noch die Lehrer übernehmen könnten. Erlebnis-Action-Events beim Fast-Food? Feinschmecker-Gänge während der Kino-Vorführung? Im Theater? Im Tierpark? In der Oper? Halt: Essen und Oper, das gibt es doch schon irgendwo?
Eine lange Nacht der Esser? In den öffentlichen Museen? Warum ist noch keiner auf feine Speisen während der Toiletten-Gänge gekommen? Was mich betrifft: jede Störung während meiner Mahlzeit macht mich nur eins: Saugrantig. An Guatn wünscht Euch bis zum nächsten Mal - Euer Fritz Fenzl
FLATTERN IN ALLE EWIGKEIT
„München leuchtet“ - als Dichterwort legendär. Das Leuchten wird schon immer als numinos und seltsam überirdisch gesehen. Auch wenn sich Thomas Mann in der Gladius Dei-Novelle sich über seltsame Apostel und Engerl - und das nicht nur in den Schaufenstern - lustig gemacht hat. München ist, sprechen wir es ruhig einmal aus, München ist nicht von dieser Welt.
Engerl in München gehören , wie die bayerische Polizei und die Männer von der Müllabfuhr zum Dienstpersonal dieser Stadt, stellte ein überregionale Tageszeitung einmal fest. Die Allgegenwart der Münchner Engerl aber mit Polizisten und Müllmännern zu vergleichen, dafür auch noch das Wörtchen „Dienstmänner“ heranzuziehen, grenzt mit Verlaub an eine höllische Ungeheuerlichkeit.
Es gibt wohl keinen sinnvolleren Anfang der Gut-und Böse-Engerl-Tour als den Platz vor der Michaelskirche in der Fußgängerzone.
Kultur-schaffender Zusammenprall der beiden gottesnahen Alpha-Männer, nämlich des Berufserzengels Michael als auch des befehlsgewohnten Höllenfürsten und Lichtexperten Luzifer: Diese dramatischste Szene des christlichen Weltentheaters ist einfach nicht mehr zu toppen. Nach Hubert Gerharts Monumentalplastik und ihrer magisch-suggestiven Wirkung auf jeden Vorbeikommenden konnten andere Künstler die berühmte alttestamentliche Action-Szene nur noch kopieren.
Schöner und deutlicher lässt sich der fragwürdige Dualismus unseres (!) Denkens nicht mehr darstellen. Nebenbei:
Unseres Denkens: Wer sagt denn, dass Gott, Teufel und Michael (und alle anderen himmlischen Heerscharen) auch so denken? Vielleicht sollten wir einmal in einem Gebet nach fragen.
Weitere Engel-Stationen: Schutzengel der Michaelskirche, Schutzengel in der Bürgersaalkirche. Action-Putti der Mariensäule, Friedensengel, Engeleien in der Damenstiftskirche, Dreifaltigkeitskirche, Asamkirche, Heiliggeistkirche, im Alten Peter… alle die vielen Blasengerl überall. Himmlisch.
Gedanken:
Münchner Engel und Dienstmänner? Vielleicht ist das denn doch nicht zu weit hergeholt. Immerhin lässt Ludwig Thoma sein grantiges Engerl Aloisius dem gequälten Körper eines Münchner Dienstmannes Alois Hingerl entschlüpfen. Wer braucht da noch eine Seelenwanderung? Fritz Fenzl
SELBSTVERTEIDIGUNG FÜR ZIELGRUPPEN
Die schönsten und kuriosesten Spitzerl-Anregungen kommen doch immer wieder aus dem „Mit-und Gegeneinander-Leben“-Biotop des gottseligen Nymphenburg-Neuhausen. „Selbstverteidigung für Senioren“ steht da auf einem Flyer, der mir (zufällig?) zugespielt worden ist.
So etwas regt nicht nur die Abwehrkräfte an, sondern nährt auch Phantasie und logisches Denken. „Selbstverteidigung für Frauen“ ist lange schon ein fester Programmpunkt diverser öffentlicher Einrichtungen. Das mag alles Sinn machen, wie selbst-verteidigen sich aber Zeitgenossen, die nicht einer ideologischen, biologischen, geschlechts- oder altersspezifisch zuordenbaren Gruppe angehören? Gibt es denn eine Selbstverteidigung für für Greise, für Alleinerziehende, für Nichtschwimmer oder gar für Männer?
Das alles wirkt auf mich so kurios, denn ich habe zwanzig Jahre beim TSV München-Laim Selbstverteidigung gelernt, in der uralten Halle mit dem herrlich schwingenden Boden und dem beißenden Schweißgeruch von Generationen, oben im Übungsraum mit dem unvergesslich krachenden Geräusch von Körpern, die auf die Matte geknallt oder geknallt worden sind.
Heute stehen da super moderner aber auch super häßliche Wohnsilos, die die schlimmsten Notbauten der 50iger Jahren an Abscheulichkeit weit übertreffen.
Selbstverteidigung für unser geschundenes Auge? Selbstverteidigung für Ästheten?
Zurück aber zur Selbstverteidigung für Senioren. Nahkampf mit dem Hacklstecken?
Damals beim ESV, übrigens eine wunderschöne Zeit, da haben alle zusammen trainiert. Männer und Frauen, die einen waren jünger, manche auch älter. Aber alle waren super-trainiert und beim anschließenden Stammtischtreff auch erfrischend frei von Ideologien. Fritz Fenzl
DIE LANGE NACHT DER LAUBBLÄSER
Nun sind sie wieder da. Männer mit Laubblasmotoren und Blasrüsseln und Höllenlärm, aber ohne Sinn. Aufgeheizte und angstmachende Katastrophen-Berichte („Rinderwahnsinn“, „Vogelgrippe“, „Killer-Käfer“, „Börsen-Crash“, „CSU unter 50 Prozent“, und noch Schlimmeres), solche Headlines bleiben hier aus. Laubblasen ist normal. Genau das ist die Seuche und die Krankheit.
Seltsame Männchen mit wirrem Blick (zumeist Männer, warum eigentlich immer Männer … sie tragen allesamt dicke Ohrenschützer, damit sie von dem Krach, der durchaus zur Mittagszeit in schützenswerten Wohngegenden abgeht, selber geschützt sind.
Reaktionen? Schon. Der BA Nymphenburg-Neuhausen hat sich des unsäglichen kollektiven Wahnsinns angenommen und die diesbezüglichen Verordnungen, Einschränkungen, Beschwerden und Hinweise thematisiert. Wer das hierzu Gedruckte verinnerlicht, weiß spätestens dann, dass wir zwar längst alle spinnen, aber gut verwaltet sind. Ist der Laubbläser ein Hobbybläser oder Berufsbläser? Wann, wo wie und warum bläst er?
Alles wurde durchdacht und geregelt, nicht aber, wie blöd das ganze doch ist. Ich habe solche Krachmacher auch schon vor Krankenhäusern gesehen.
Haben Sie, lieber Leser, liebe Leserin, einmal einem solchen Laubbläser zugeschaut, der bei herbem Herbstwind seine Arbeit tut?
Die Sache lässt einen verzweifeln oder zum Philosophen werden. Wer die „Sinnfrage“ noch nicht kennt: das ist sie!
Wir haben eine lange Nacht der Museen, eine Nacht der Musik, eine lange Bladenight … warum denn nicht auch noch eine „Lange Nacht der Laubbläser?“
Nichts zeigt so schön den Zustand unserer Gesellschaft. Doch bald weht ein anderer Wind. Fritz Fenzl
RAUCHERCLUBS ALLERORTS
Raucherclubs allerort
Letzten Donnerstag, in einem Münchner Szene-Lokal: Essen mit guten Freunden. „Ich freu mich schon“, sagt Erna, „… endlich treffen wir uns mal wieder zu einem feinen Ratsch.“
„Eben. Und Onkel Kurt kommt auch?“ „Sowieso.“
Lokal voll, Bedienung jung und fesch und super freundlich (ist alles nicht selbstverständlich, in dieser Reihenfolge).
„Wir möchten etwas essen ...“, hub ich an.
„Schon“, sagte die Bedienung, die jung und fesch und superfreundlich war. Ihr jugendliches Lächeln blendete auf, wie das Fernlicht meines Autos:
„Ab neun Uhr aber sind wir ein Raucherclub!“
„Wirklich?“
„Wirklich.“
Das freute mich. Die anderen nicht so sehr. Eine besondere Zigarre hatte ich schon dabei. Als Seehofer-Fan sieht man die Welt anders. Wer Kinder mag, der mag auch Raucher.
Das Essen – prima. Folienkartoffel und so. Schlag Neun stand die Bedienung da. Wir mussten uns nun in eine Liste eintragen: Name, Alter, Anschrift, alle web-Adressen, Kontonummer, Familienstand, Schweizer Nummernkonten, Gesundheitszeugnis, Sozialversicherungsnummer, Impfpass, eventuelle Visa.
„Ist das alles?“
„Ja!“, strahlte sie und überreichte jedem, der die Angaben präzise ausgefüllt hatte, den Raucherpass. „Nun darf ich alle Angaben in die EDV einspeisen, was für eine Arbeit!“
„Aber es macht Sinn“, sagte ich altväterlich. Und ergänzte: „ .. sie dürfen die Daten ruhig weitergeben.“
Ich zündete meine dicke Havanna an. Die anderen aßen noch und schauten mich strafend an. Das Baby im Kinderwagen vom Nebentisch wachte auf und schrie.
„Bin auch Zigarrenraucher“, sagte dessen Vater.
Wir sprachen darüber, dass bayerische Stammesfürsten zeugungsfähig sein müssen.
Was für ein schöner Abend! Nu ist die Welt wieder irgendwie in Ordnung.
Euer Fritz Fenzl
VERSCHWÖRUNG DER MARIENKÄFER
Überall sind sie! Die süßen kleinen Marienkäfer mit der gelblich-bräunlichen Färbung. Sie krabbeln an Schlafzimmersimsen entlang und schwimmen im Suppentopf, natürlich auch im Bier oder Limo, wenn man nicht aufpasst.
Aufgepasst! Nichts ist zufällig.
Betrachten wir mit Kennerauge diese Invasion der kleinen Glücksbringer und machen uns darüber Gedanken.
Glückskäfer und Glück? Derzeit sind alle vom Glück verlassen, so scheint es jedenfalls. Denken wir nach über die flächendeckend fallenden Prozente: Aktien 20 Prozent nach unten, FC Bayern in den unteren fünfzig Prozent der Liga, von Banken schon gar nicht zu reden, deren Fall ist kaum in Prozenten mehr ausdrückbar. CSU minus siebzehn Prozent, allgemeines Vertrauen gut über fünfzig Prozent minus … „Investieren Sie lieber in Alkohol..!“, hat da ein Scherzbold gemeint, „ … denn dessen Prozente bleiben konstant, da haben Sie beim Trinken gute vierzig Prozent garantiert. Eine todsichere Anlage, wenn man so will!“.
Nun denn.
Jedenfalls klingt das obige alles nicht so recht nach Glück, - für einige jedenfalls, die keinen Blick für die Zukunft haben. Nach dem Tag kommt aber immer die Nacht. Dabei ist das zarte Kratzen im Gebälk des babylonischen Turmes, wie wir es derzeit leise vernehmen, erst ein zarter Anfang …
Zurück zu den kleinen Glückskäferlein, die sich vermehren, ohne vorher zu fragen. Sie kennen weder Begriffe wie Kapital, Kredit, Investitionen, Konditionen, Stagnation, Konsum, Rezession, Re-Investition, Bilanz, Verlustrechnung und Kurseinbruch, Gewinnerwartung, Shareholder-Value, Hedge-Fonds, bulls and bears, Aktien-Hipe; … die kleinen Käferchen kennen nur das Leben.
Die Käfer leben, lieben sich und vermehren sich. Denen ist das, was in der Zeitung steht sowas von Wurscht. Mir auch! Fritz Fenzl
EINFACHE GEDANKEN ZUR DOPPELSPITZE
Eine Spitze ist immer eine Sache, die spitz zuläuft. Wer von „Spitze“ redet, der artikuliert damit, dass etwas sich zuspitzt.
Die Spitze ist spitz, weil sie sich so sehr verjüngt, bis sie sticht! Sonst ist es nämlich keine Spitze. Nehmen wir einen Speer. Dessen metallene vorderste Treff-Fläche, die Treff-Spitze verjüngt sich derart, dass die Oberfläche möglichst gering, ja verschwindend klein wird. Wenn der geworfene Speer ein Ziel trifft, dann dringt diese spitze scharfe Oberfläche in jedes Hindernis hinein. Wie in weiche Butter. Weil die Energie, gemessen an der verschwindend kleinen Auftreff-Fläche, enorm zunimmt.
Dann gibt es noch eine andere Spitze. Die Bergspitze zum Beispiel. Auch diese Spitze hat eine spitz zulaufende End-Oberfläche Und: die Spitze ist oben.
Allen diesen Betrachtungen von Spitze ist eines noch gemeinsam. Es gibt die Spitze, von der Definition her, nur einmal. Die Spitze eben. Wer die Spitze bildet, ist der Boss, der Macher, der Sager, Anschaffer. Es gibt „die Spitze“ als majestätischen Singular, nie als verweichlichten Plural. Das Wört „Spitzen“ bezeichnet ein niedliches, verspieltes Drumrum an Frauengewändern. Rüschen als Machtfaktor? Wohl kaum. Brüsseler Spitzen zum Beispiel. Da sind viele dran und verhäkelt - aber keiner ist wirklich Spitze.
Noch schlimmer die „Doppelspitze“. Ein Wort-Absurdum, schon aus sich selbst heraus. Die Spitze ist eben die Spitze, kein Doppel. Doppelspitze, das Wort bleibt in sich selbst paradox, vor allem, wenn es um Menschenführung geht.
Stellen Sie sich vor, die wirklichen Spitzen der Menschheit hätten als Doppelspitzen agiert. Jesus Christus, Walt Disney, Buddha, Dschingis Khan, Kaiser Konstantin oder Franz Josef Strauß. Undenkbar.
Selbst Gott agiert bei weitreichenden Entscheidungen wie dem Welten-Schöpfungsakt allein. Gott als Doppelspitze? Absurd.
Warum soll das in Bayern anders sein!
Gerade bei uns – niemals. Verschont uns mit Doppelspitzen, Doppelnullen. Wir wollen nur einen „Spitzenpolitiker“. Einen allein ganz oben, der Spitze ist. Fritz Fenzl
GESCHICHTSPFAD MÜNCHEN
In München ist alles leichter – scheinbar. Die Leichtigkeit der Bewegung gebiert aber eine gnadenlose Auslese, ein darwinistisches Hopp oder Topp hinter der so attraktiven Fassade von Gaudi, Toleranz oder gar „Gemütlichkeit. Eine seltsame Schwebelage zwischen Gut und Böse, die für München und sein soziales und mentales Gefüge so typisch, vielleicht auch so brutal ist! Hier bewegt sich immer schon alles, nicht erst seit der dunklen Vergangenheit, einer Stadtgeschichte, die seit dem Kriegsende gerne dezent überspielt, wenn nicht gar aktiv totgeschwiegen. - Vielleicht wird das jetzt besser.
Bewegung ist am Karolinenplatz für den Fühlenden deutlich spürbar. Da ist die Flusslinie von West nach Ost, die dem ehemaligen „Fürstenweg“ folgt, der Verbindung zwischen Nymphenburg und der Residenz.
Dazu kommen enorme Drehkräfte, die durch eine brutale Pfählung der Drachenlinie, wie sie der Obelisk darstellt, erzwungen werden. Was soll die fließende Kraft anderes tun, als um diesen ehernen Block, der zum Himmel ragt, herumzufließen? Heute ist es auch der Verkehr zwischen mehreren wichtigen Stadtteilen und Zentren Münchens, der sich um den im Jahre 1833 (genau hundert Jahre vor 1933!) von Klenze hier errichteten Obelisken bewegen, wortwörtlich im Kreise herum-drehen.
Dann der Strahlenkranz! Der Karolinenplatz bedeutet den ersten „Strahlenplatz“ in München. Solchen Orten wohnt immer eine besondere Kraft inne, denken Sie nur an den weltberühmten Place Étoile in Paris. Wie bei einem Fixstern wandert die Kraft des Ortes strahlenförmig ab – kommt aber (dies wird selten erkannt und die Gefahr zumeist unterschätzt) genauso strahlenförmig zurück, genau auf den Fixpunkt, den der Obelisk einnimmt: eine Explosion und Implosion der magischen Orts-Energien zugleich.
Diese eherne Säule mit der Pyramide als Abschluss erinnert an 30000 Bayerische Soldaten, die im Rußlandfeldzug Napoleons gefallen sind.
Dieser „Toteisblock“, wie ihn der Obelisk darstellt, diese schwarze Loch an Energie, lässt natürlich andere Kraftflüsse umso mehr fließen kreisen. Der Obelist ist mit dem Auge des Hurrikans vergleichbar. Selbst ruhig, tot und untot zugleich, von hier nach außen aber rasenden Dreh- und Wirbelkräfte gebärend. Nicht vergessen: solche Kräfte können Leben vernichten und sie tun es auch.
Zwischen Karolinenplatz und Königsplatz waren die Verwaltungsgebäude der NSDAP angesiedelt, mit dem „Brauen Haus“ als Zentrum. Mögen solche Orte mit ihrer Kraft und Aussage die Zeugenschaft übernehmen, die nun, -altersbedingt -, leider verloren geht.
Fritz Fenzl
SPRECHEN VOM OKTOBERFEST
Wer ernsthaft darüber nachdenkt, was man jährlich über die Wiesen´n grundsätzlich Neues sagen könnte, der kommt ins Torkeln, als ob er eine Maß oder einen g´standenen 5-er-Looping zu viel hätte.
Bis auf die ständig neuen Fahrgeschäfte und das seltsame Getue mit den Bierpreisen, der künstlichen Aufregung über seltsames Einschänken und den Statements der verantwortlichen Sicherheitskräfte bleibt immer alles gleich.
Das ist ja der Reiz der fünften Jahreszeit Münchens: diese unvergleichliche Corporate Identity, die uns wahrlich so schnell keiner nachmacht. Nämlich: Wer auf die Wiesen geht, der weiß, was ihn erwartet.
Alles bleibt gleich?
Doch nicht alles. Die Berichterstattung wird immer aufdringlicher. Das liegt sicher an den vielen Privatradios, die rund um´s Jahr mit ihren dauerlustigen „Morgenmännern und –Frauen“ auffallen oder auffallen müssen. Deren Gauditerror-Auswürfe mit der Maxime einer längst zu Ende gegangenen Spaßgesellschaft den Ton der Sender bestimmen. Höreranbindung um jeden Preis. Grundidee: Dabeisein, dabeisein, dabeisein.…
Da gibt es keinen Sender, der nicht sein eigenes Wies´n-Studio aufgebaut hätte, irgendwo in einem Zelt, das den Sender wiederum sponsort, weil der Sender das Zelt bewirbt. Dauer-resche Wies´n-Madl werden gewählt und zünftige Wies´n-Buam, das originale Anzapfen des OB wird in peinlicher Weise als Hörerwettbewerb nachgeahmt.
Tenor der dauerlustigen Berichterstatter: „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Spaß wir hier alle haben ...!“ Spaß, oh weh.
Man kann den Spaß im Internet abrufen, man darf und soll sich elend fühlen, wenn man nicht selbst dabei ist.
Jetzt haben wir auch noch einen Ministerpräsidenten, dem nachgesagt wird, er hätte gesagt, dass zwei Maß … sie wissen schon, zwei Maß und Auto fahren.
Wenn „die“ so weitermachen, können sie bald einen eigenen Spaß-Sender aufmachen …
Fritz Fenzl
WARUM IRLAND NICHT BAYERN IST
„Irland? Des Wetter? Ja spinnst denn du?" - Kommentare von Zeitgenossen, die meinen Ausflug auf die grüne Insel ganz und gar nicht verstehen konnten. Zugegeben, ich war nicht wegen des Wetters, sondern wegen der vielen Kelten-Kultorte dort. Es war ein Ausflug für den inneren Kreis von Kraftortgängern - und ich habe kein noch so verborgenes Geisterschloss und keine noch so verfallene Abtei ausgelassen.
Irgendwie bayerisch, dieses Irland. Kühe, Schafe und Felder - nur ein klein wenig freundlicher sind sie, die Menschen. Und das fällt tatsächlich auf und schlägt auch aufs Gemüt.
Beim ersten Iren, dem wir begegnet sind, dachten wir ja noch an ein seltenes Einzelexemplar. Nach zehn Tagen Irland jedoch war klar: Es gibt ein zweites Bayern in Form einer Insel, in dem alles nur etwas liebenswürdiger und vielleicht sogar auch noch katholischer ist.
Was in Irland außerdem auffällt? Es fehlt der Massentourismus. Unterwegs sind vorwiegend Individualisten. Und unser bayerisches Linksdenken haben die eh adoptiert, weil sie ja grundsätzlich links fahren. Das macht echt Spaß. Die linke Hand an der Gangschaltung und das Rechtsabbiegen ist so aufwendig wie bei uns das Linksabbiegen. Gottlob fahren aber alle recht rücksichtsvoll, im Gegensatz zu uns Bayern.
Überhaupt, Bayern ist zwar wunderbar, in Irland aber gibt es offensichtlich einen Deut mehr Herzlichkeit. Möglicherweise liegt es daran, weil die keinen Edi (Stoiber) hatten und deshalb der Wohlstand noch nicht so Einzug gehalten hat.
Merkwürdig ist, dass sich die Iren permanent für ihr Wetter entschuldigen. Wo doch Dauerregen auch schön sein kann. Nun hat mich die Heimat wieder. Muss mir schnell noch ein Trachtenhoserl für d'Wies´n kaufen. Des hätt´s in Irland ned braucht. Und dahoam ist halt alles a bißerl schöner und auch irgendwie bairischer. Ihr Fritz Fenzl
DEM GEHEIMNIS AUF DER SPUR?
Haben Sie auch schon die blitzenden CD´s bemerkt, wie sie entlang unserer Landstraßen an Bäumen und Sträuchern aufgehängt sind und geheimnisvoll in der Sonne oder im Scheinwerferlicht des vorbeifahrenden Autos baumeln? So etwa ein bis eineinhalb Meter über dem Boden angebracht, blitzt es Sie an aus der Nacht wie riesige Katzenaugen.
Viele CD-Strecken kenne ich, besonders schön ist der Weg ab Pasing ins Würmtal, kurz nach Gauting beginnt die CD-Blitzerei; wenn sich so ein schillernder Tonträger im richtigen Moment ihnen zudreht und von der Sonne oder dem Scheinwerfer kurz getroffen wird, denkt man oft erschrocken: Um Gottes Willen, ein Blitzer? (Manchmal ist es leider auch so, zumeist kurz vor Gauting).
Wer aber hängt schillernde Tonträger an Straßenränder – und warum?
Alle meine Recherchen sind ins Leere gelaufen. Sind´s Krötenbarrieren? Wohl kaum. Die liebestollen Viecher schauen selten nach oben und lassen sich eher von Zäunen aufhalten.
Wildwechsel? - Denkt sich ein Reh, bevor es auf die Straße springt: „Ui, eine CD, muß doch mal schauen, was drauf ist!“
Wieder haben meine geliebten Verschwörungs-Theoretiker Auskunft geben können: Es handelt sich um „Stille Briefkästen“. Auf diesen CD´s am Straßenrand sind sämtliche Geheimnisse der Republik gespeichert:
Geheime Geldwäsche-Konten, Steuerhinterzieher-Dateien, Angriffspläne, sämtliche Unterlagen über die Volksverblödung durch das G8-Schulwesen! … Ich habe zwischen Planegg und Gauting eine CD abgeschnitten und im Auto angehört: Tatsächlich, der aktuelle Goldkurs, sämtliche Geheimnisse der Börse!
Das Sichtbare nimmt keiner wahr! Da wo jeder hinschaut, sieht keiner was. Sie aber, lieber Leser, wissen nun mehr: Jedes denkbare Geheimnis hängt am Waldrand. Ich habe alle meine „Ja-Mei-Spitzl“ auf eine CD gebrannt und im Mühltal aufgehängt … aber nicht weitersagen! Ihr Fritz Fenzl
VISION IN DER FUSSGÄNGERZONE
Stellen sie sich vor: Sie gehen durch die Fußgängerzone und plötzlich taucht die Beerdigung von König Ludwig vor Ihnen auf: Welch ein Aufruhr herrschte innerhalb der ergriffenen Masse! Die Zeitung zählte an dem Tag 22 ohnmächtige Personen und eine (Zitat!) „ … beinahe zertretene Dame …“.
Und die Unruhe hält an bis heute! Eine unüberschaubare Menschenmenge hat den Weg gesäumt, den der Sarg von der Residenz über den Stachus durch das Karlstor hinein in die heutige Fußgängerzone genommen hat. Im Ornat des Großmeisters des Hubertusordens war die Leiche des bis heute unsterblich gebliebenen Märchenkönigs gekleidet. Der erhabene, dennoch nun recht aufgeschwollene Kopf ruhte auf teurem Hermelin, die linke Hand umgriff fest das Schwert. Unser Ludwig II. hatte an Macht nicht verloren, nur dazugewonnen!
In seiner Rechten steckten Jasminblüten von Sissi. Acht schwarz verhüllte Pferde haben die Schabracke gezogen.
Im Inneren der Michaelskirche und den Blicken der treuen Anhänger entzogen geschah das Entscheidende. Ludwig wurde umgebettet, samt dem Transportsarg kam er nun in den brozenenen Prachtsarkophag, der unter Aufsicht von Minister Lutz mehrfach verschlossen worden ist.
Das Protokoll, so wird kolportiert, hatte es urplötzlich wahnsinnig eilig. Warum? Warum in der gemessenen Trauerstunde auf einmal diese vehemente und ganz und gar unangemessene Eile?
Inzwischen hatte sich über der Münchner Innenstadt hatte ein gewaltiges Gewitter zusammengebraut.
„Eben war des letzte Wagen des Trauerzuges abgefahren …“, so wird berichtet, und kaum war da Militär abgerückt, da fuhr eine gewaltige Feuergarbe wie ein Strafgericht vom Himmel! Ein Blitz von oben war direkt auf die Michaelskirche geschleudert worden, der kalte trockene Knall des wütenden Donnerschlages stand entsetzlich zwischen Häuserwänden und drang in die Seelen der Menschen. Manche Bürger, die immer noch ergriffen draußen warteten und beteten, wurden schier gegen die Wand der Kirche geworfen.
- Mei is des oiss schee! Manchmal brauch´ ich in unserer verrückten Zeit den Ludwig, um überhaupt noch normal zu denken!
Fritz Fenzl
FREIE BAHN FÜR CHAOTEN
Organisation ist eben doch nicht alles. Nun hat eine kluge Autorin festgestellt (oder feststellen lassen), dass das Chaos durchaus System hat. Find' ich Klasse. Ehrlich, mir persönlich ist das Chaos immer schon lieber gewesen als jene schrecklich penible Ordnung der „Tüpferlsch …“. Das derbere Wort verkneife ich mir an dieser prominenten Stelle. Zurück zum Chaos. Es hat was. Muß es doch sogar dem Lieben Gott so sehr gefallen haben, dass er sich davon zur Schaffung er Welt inspirieren ließ.
Nun zu den Chaoten und Nichtchaoten unter uns Menschenkindern. Die einen haben stets einen aufgeräumten und blank polierten Schreibtisch (igitt), die anderen versinken im … im was? Im Chaos natürlich. Da fühl' ich mich wohl. Da entstehen Gedanken, die sonst nicht entstehen. Siehe oben, Genesis. Das vor-genetische Urchaos von damals ist übrigens immer noch Teil der Schöpfung. Es gebar die rechte und die linke Hirnhälfte. Die linkshemisphärischen Typen, das sind die „Zahlen, Daten, Fakten“-Langweiler. Sind wir aber froh, dass wir die haben, sonst gäbe es keine Banken, Versicherungen, keine funktionierende Technik, vielleicht auch keine Statistiken.
Die rechtshemisphärischen Vögel dagegen denken zumeist in Bildern, Farben, Tönen, kabbalistischen Zusammenhängen. Die wissen weniger Details, haben aber oft auf seltsame Weise den Überblick. Denn wer nicht auf die so genannten Fakten (die gar keine sind!) schaut, der hat den Kopf oben und sieht den Horizont, vielleicht sogar etwas weiter. Rechtskopfler sind dann die Ideen-Sprudler, die Linksdenkerten indes sind jene, die alles gekonnt erden, vielleicht auch umsetzen. Das wunderbare Verhältnis von Autoren zu Verlegern zeigt , - wenn´s klappt! , ein schönes Zusammenspiel von Abgehoben und Geerdet. Also nicht werten. Beide brauchen sich.
Ich mag das Chaos, das in Wirklichkeit so herrlich geordnet ist. Weil alle Arten der göttlichen Offenbarung, also alle Handlungen und Wesen, so wie die Körperzellen miteinander verbunden sind, so entsteht ein seltsam sichtbares Wissen um die Welt. Nur keiner schaut hin. Fritz Fenzl
OLYMPIA - ALS KUNST DES WEGSCHAUENS
Erinnern sie sich noch an längst vergangene Zeiten, als Olympia-Sieger Helden waren, die sich ab dem Moment der Goldmedaille unauslöschlich in den Datenspeicher der Erinnerung eingebrannt haben?
Der Name Armin Hary steht immer noch für einen wirklichen Super-Star, damals in der Bubenzeit. Das war einer, der konnte schneller laufen als die anderen. Und den kennt man samt seiner Traumzeit Zehnnull bis heute. Jutta Heine, die Sprinterin, das Eislaufpaar Kilius/Bäumler, Manfred Schnelldorfer …
Und dann?
Selbst die Olympiade in München 1972; man tut sich schwer, wenn man noch einige Namen zusammenkratzen will. Ach ja, die dünne lange Hochspringerin, die Ulrike M …, aber lohnt es sich, die ein Leben lang zu kennen?
Wer nicht zufällig in der Pharma-Industrie arbeitet, der weiß von späteren Spielen keinen einzigen Namen mehr. Vielleicht jene bildschöne Sprinterin, die dann der Aufputschmittel wegen gestorben ist? Auch da fällt einem der Name kaum noch ein. Warum auch.
Und all die seltsamen Profis und Sport-Größen mit den heruntergezogenen Mundwinkeln, sie sind alles andere als Objekte der Kinderträume, Träume, die ja immer auf Nachahmung ausgerichtet waren: „Oh, so möchte ich auch einmal da stehen.“
So da stehen? Ein Spielball sein von pervertierten Sportärzten und deren dunkler Hintermannschaft? Wirklich nicht.
Vielleicht noch Schorsch Hackl, und selbst bei dem macht der Schlitten einen besseren Eindruck als der Fahrer, langfristig jedenfalls.
Aber, gottlob, es ist vorbei. Die China-Olympiade gilt als Quoten-Flop. Und das liegt nicht nur an der Zeitverschiebung.
Ob ich etwas gegen Sport habe? Ganz im Gegenteil. Treibe ich regelmäßig, ein Leben lang. Heute Nachmittag wird zweimal und den Wesslinger See herumgejoggt und dann ins erfrischende Wasser gehüpft.
Und wenn irgendwo beim Durchblättern der Wochenendzeitung etwas vom Medaillenspiegel steht, staune ich und meine Spezln, wie wurscht einem so etwas sein kann. Hand aufs Herz, fällt Ihnen vielleicht noch ein Medaillengewinner der Olympiade 2008 ein? Na Eben - sag' ich's doch. Fritz Fenzl
AUCH DAS IST MÜNCHEN
München hat die 850-Jahr-Feier fast überstanden. Sie wird trotz der vielen weltlichen Vergnügungen seine ungewöhnlich kosmische, magische, heilige und auch bewegende Kraft beibehalten.Und das hat einen verborgenen Grund, der bei den vielen offiziellen Veranstaltungen und Führungen, Symposien und Veranstaltungen anlässlich der Stadtgründung kaum oder nur recht selten zur Sprache kam.
Und das hat einen verborgenen Grund, der bei den vielen offiziellen Veranstaltungen und Führungen, Symposien und Veranstaltungen anlässlich der Stadtgründung kaum oder nur recht selten zur Sprache kam:
Wer den Stadtgeburtstag 2008 genau beobachtet hat und die „Welt hinter der Welt“ geschaut, dem ist aufgefallen:
Es ging (egal was der konkrete Anlass war) immer nur um gewaltige Massenaufläufe. Menschen, die in unüberschaubaren Massen da sind und da harren. Und gar nicht so recht wissen, warum? Hauptgrund des Da-Seins und „Mitfeierns“: die anderen sind auch da.
Egal Wo.
Egal wo? Eben doch nicht. Der Odeonsplatz etwa hat wieder als Sammelpunkt zusammengepferchter (und sehr bewusst manipulierter) Massen gedient.
München ist nicht so lustig, wie die Wies´nbilder dies suggerieren. München hat einen sehr seltsamen Abgrund. Im matten Widerspiegel seiner selbst gebiert München Gespenster, grausige Gespenster einer furchtbaren Vergangenheit und seltsam abwartenden Gegenwart!
Die Kult-Veranstaltungen auf dem Königsplatz, von Breitwand-Kino über Orff oder Eric Clapton … die steuerbare Masse gibt sich diesem magischen Ort hin und verdrängt dessen Vergangenheit und dräuende Urkraft.
München ist, was das Hinschauen auf die Historie betrifft, in einer seltsamen Schwebelage. Ein amerikanischer Historiker von Rang hat angemerkt, München sei deshalb nach dem Krieg so groß geworden, weil es „seine zentrale Rolle“ der jüngeren Vergangenheit verdrängt habe. Gut beobachtet.
Fritz Fenzl
NIX GEHT MEHR OHNE WELLNESS
Wellness hier, Wellness da, Wellness überall. Haben Sie je nachgedacht, was der so inflatonär gebrauchte Begriff „Wellness“ eigentlich bedeutet? Irgendetwas mit „Sich-Gut-Fühlen“ oder „Wohlfühlen“ oder gar ein modernisiertes „G´sund samma“.
Woran denken Sie, wenn sie „Wellness“ hören? Wo ist Ihnen der in sämtlichen moderneren Hotels und in Kurorten unverzichtbare Begriff persönlich begegnet? Bei einer exotischen Thai-Massage? Vielleicht, weil man sie irgendwo mit Ayurveda-Öl zugekleistert hat und auf strikte Körndl-Kost gesetzt? Eine esoterische Entspannung, Chakren-aktivierend, frei nach Guru Sowieso? Ein Dampfbad mit geheimen Kräutern? Exotische Gewürze im Absud? Oder vielleicht warme Aromaöle, ein Rasulbad in einem der moderneren Bäderzentren? Besonderer Tee, handverlesen Blatt für Blatt in einem klangdurchwirkten Raum, der tellurisch aktivierte Schwingungen zulässt?
„Wellness“ ist immer sinnlich, das steht fest. Wellness macht Spaß. Aber!Hat es das nicht immer schon gegeben?Stellen Sie sich vor, ein Wellness-Guru würde ihnen eine gemütliche Stunde im Biergarten wellnesmäßig verkaufen:
„Sie sind ganz im Sein, ganz eins mit dem Kosmos, alles ist innerer Frieden, besondere Schwingungen, Entspanntheit, Ruhe. Sie spüren etwas in ihre Seele fließen, langsam eindringen, Schluck für Schluck werden Sie eins mit dem Kosmos. Ihre innerstes Sein gelangt in mystische Verzückung ...“
Für noch nicht ganz Irre: Sie hocken am Biertisch, das Wetter stimmt, die Maß schmeckt, der Himmi ist blau.
München eben. Aha. München ist Wellness Aber noch keiner hat es so verkauft.
Fritz Fenzl.
ZUR WAHREN GESCHICHTE MÜNCHENS
Schon mal was von Jahreszeiten gehört, die nur für München gelten? Nein? Von wegen. Es gibt sogar einen eigenen München-Kalender, der als sensationellster Fund seit Jahrzehnten gilt und Forscher Europas gewaltig auf Trab hält: eine verwitterte Steintafel, die bei Grabungen unter der Peterskirche - ob in Rom oder München, dies bleibt ein Geheimnis - geborgen wurde. Forscher haben sich um die mysteriösen Platten aus Isarmarmor gerissen und haben schließlich unabhängig voneinander entschlüsselt …
dass hier in einer bislang unbekannten bayerischen Geheimschrift mehrere und nicht nur vier (!) Jahreszeiten in eine Rundplatte (historischer Maßkrugdeckel?) eingraviert worden sind. Zeitlich fällt dieser sensationelle München-Codex etwa mit dem Auszug aus Ägypten und den Zehn Geboten zusammen. Du sollst .. in München bleiben.
„Schmarren!“ mag sich der kritische Zeitgenosse da im Stillen denken. „Jahr ist Jahr, und in München dauert ein Jahr auch nicht länger oder kürzer als anderso. Irrtum.
Ahnen geben Kunde aus dem Jenseits, dass in München immer schon ein anderes Raum-Zeit-Kontinuum herrschen musste … sonst hätte der Münchner gar nicht „die Zeit“, dauernd irgendwo dabei sein zu müssen.
Stadtgründungsfeste, Stadtgeburtstage, Brückentage, Wies´n, Starkbier, Fasching, Dauershopping, neuerdings sogar in der Nacht. Und Events und Partys … ist ihnen noch nie aufgefallen, dass Promi-Beerdigungen denselben Stellenwert haben wie Partys? Alle sind da und sterben tut eigentlich keiner so richtig. Tod oder lebendig ist wurscht. Hauptsache dabei. Ihr Fritz Fenzl
Zeitgemässe Heilige
Die meisten Heiligen, wie wir sie kennen, helfen gegen recht althergebrachte Leiden, Nöte und Zipperlein. Appolonia mit der Zange etwa gegen Zahnweh, Antonius hilft den Vergesslichen und G´schlamperten …
Jedoch! Was ist mit den Nöten unserer Zeit?
Also: Wer hilft gegen oder bei …
… langweiligen Besprechungen und Konferenzen, Fernseh-Ausfall, Handy-Belästigung, Elektrosmog, Grillomanen, Troyaner, ausgegangenes Bier, Spam-mails, Kolbenfresser, i-Pod-Verrückte, grantige Bedienungen, Vorurteile gegen Erfolgsfrauen; - wer steht bei Gehaltsforderungen helfend und heiligend an meiner Seite, wer heiligt den Fitness-Wahn als modern gestyltes Märtyrertum oder hilft gegen überdrehte Fitnessgurus! Gesucht und gefragt sind Heilige für Bewerbugsgespräche, Partnerwechsel, Scheidungen, Computerviren, Fremdgeher, Heimkehrer, Computerabstürze, Datenverlust, verreckte Festplatten, Videoüberwachung, Heuschrecken, Globalisierung, den Euro … ?
Der Einblick in einen neuen (immerwährenden!) Heiligen-Kalender wird Ihren Blick öffnen:
2.Januar: Gregor von Nazianz (der Wachsame; Heiliger der Wachanlagen und Vidokameras?
6.Januar: Caspar, Melchior und Balthasar (eingetragene Marke: „Die Heiligen Drei Könige.“ Helfen bei Geschenk-Überlegungen: „Was bringe ich mit ..?“ In mystischen Schriften oft auch als „Drei Magier“ oder „Verlegenheits-Schenker“ bezeichnet,
13.Januar: Hilarius von Poitiers: Rhetoriker. Heiliger der Schwafler und gut bei Vorstellungsrunden, Bewerbungsgesprächen oder in der Politik.
17.Januar: Antonius der Große. Eigentlich Einsiedler aus Mittelägypten. Spielt heute als Stürmer beim FC Bayern. Liebesfähig, aber torlos.
2. Februar: Markward (Hüter der Grenze), Heiliger der EU-Grenzerleichterunge oder der Schmuggler ..
Dies ist lediglich der Anfang des Jahres. Machen Sie mit! Appollonia, zahnlose Heilige der Zahnärzte: heute vielleicht Patin des zynischen Punktesystems der Gesundheitsreform. Eine Zange hat sie schon in der Hand. Manchen ist eben gar nichts heilig. Fritz Fenzl
EIN BLICK IN MÜNCHENS GÄRTEN
Wer das Geheimnis der Münchner Gartenkunst erleben will, der kann es sich gut gehen lassen. Wobei das Hauptaugenmerk auf "gehen" liegt.
Es „geht“ uns Menschen nämlich dann gut, wenn wir uns be-wegen. Ist nicht das Leben selbst Bewegung? Liebende Bewegung in Form von Weitergabe seiner selbst. Was sich nicht bewegt, steht still. Stillstand aber bedeutet eine sanfte Form des Todes. Umgekehrt: Was sich bewegt oder bewegt wird, lebt.
Gärten sind von der Idee aus schon bewegt, denn das Wesentliche des Gartens ist und bleibt der Weg.
Die berühmten Gartenanlagen dieser Stadt. Allen voran der helle Nymphenburger Schlosspark. Oder der wesentlich dunkleren Englischen Garten. Sie sind bewusst so angelegt, dass das Gehen zur erfreulichen und unerlässlichen Pflicht wird. Sie als Sucher des verborgenen Heiligen im Geiste können den Garten nur dann erfahren, wenn Sie sich „auf den Weg machen“.
Das Bild öffnet sich urplötzlich, quasi im Vorbeigehen.
Seelenkunde zwischen Stauden, Wasserfällen, an Wegkreuzen: Der Weg ist das Leben, das Leben ist ein Weg und im Weg steckt immer Wahrheit … fällt ihnen die passende Aussage von Jesus dazu auf?
Garten und versteckte Wahrheit, vielleicht gar Heiligkeit: Mir persönlich scheint kaum ein Garten, also keine künstlich angelegte Landschaft, so unglaublich gelungen wie das ehemalige IGA-Gelände, der heutige Westpark.
„Lebenslinien“ führen geradezu saugend hinein in ein Zentrum, Lebenslinien in Form wissender Wege umrunden, berühren sanft Berg, Landschaft und Wasser – und oft auch das Gasthaus oder den Biergarten! Auch Essen ist Leben.
Und erst die fernöstlichen Gartenanlagen. Der chinesische Garten spiegelt bewusst die Lebensalter des Betrachters, vom Frühling über die Reife bis zur weisen Rückschau.
Nicht weit weg davon steht ein überlebensgroßer Buddha. Aus einem einzigen Ahornstamm geschnitten, wirkt er gelassen und relaxt, denn er war schon vor Klinsmann da. Euer Fritz Fenzl
FEIERSTRESS
Der Stadtgeburtstag entpuppt sich als ganz schön anstrengend! Event auf Events und noch einer drauf. Auf gut Deutsch: Da is´ gewaltig etwas los! In allen Stadtteilen, auf den Ringstraßen und in Hinterhöfen, in Hallen, in Theatern und sonstigen Bühen: es wird gefeiert, was das Wetter zulässt - oder auch unabhängig davon. Wenn es bloß nicht immer so anstrengend wäre. Eigentlich müsste ich da hin, mich dort sehen lassen oder dort zumindest Grüß' Gott sagen. Ja, eigentlich. Tu ich aber nicht und deshalb plagt mich ein permanent schlechtes Gewissen.
Warum eigentlich? Es lebt sich nämlich auch ohne den ewigen „Adabeisei“-ismus ganz gemütlich. Letztlich bleibt jedes Fest eine Abart des ehrwürdigen Tollwoods, der Vater der Feier-Idee.
Entscheidungsnotstand Ade. Wird man doch überall und zu jeder Zeit zwangsbefeiert. Wer regelmäßig Zeitung liest, gleich auch welche, ist längst Experte der Münchner Historie, weiß um Sagen, Legenden und geschichtliche Details. Es ist einfach nicht möglich, dem Stadtgeburtstag zu entkommen.
Wer noch nirgends war, der sollte sich doch einmal nur einen Stadtteil herausgreifen. Am Besten den Stadtteil, den man am liebsten mag.
Neuhausen gar?
Das gibt Sinn, fürwahr. Denn Neuhausen ist immer ein Grund zum Feiern. Irgendwann ist hier der fromme Wandermönch Winthir angekommen und hat zu seinem Eselchen gesagt: Sieh zu, dass du eine Zeitung auftreibst, damit ich weiß, was hier läuft! Nun, Zeitung hat es zur Zeit der iro-schottischen Missionierungswellen noch nicht gegeben, aber eine Menge zu predigen. Und wer predigen will, der muß die Leute kennen, die er zutextet.
So steh´ ich in Neuhausen am Rotkreuzplatz, meditiere mich in den Winthir-Esel hinein und denke: Dem süßen Esel mit seinen langen Ohren ist es eigentlich vollkommen wurscht, welche Ideologie gerade herrscht. Hauptsache, mein Essen stimmt …
Lieber geneigter Homepage-Leser: Dieser Teil gehört zu einer Jubel-Glosse einer Zeitung, die 60 Jahre alt wird.
Kraftort-Glossen-Leser denken aber anders, - deshalb mein exclusiver Schluss mit dem Eselchen. Ich liebe diesen Platz des Winthir-Brunnens am Rotkreuzplatz. Schon als Kind hat mir der Heilige gesagt:
Nimm bloß niemanden ernst, der dir etwas predigen will … Fritz Fenzl
Beim FC Bayern ist alle in Buddha
Einen "guten Energiefluss“ sollen die Buddhafiguren auf der Dachterrasse der Säbener Straße 51, beim FC Bayern erzeugen. Klar. Energie muß fließen, gar keine Frage. Wie anders sonst würde das Stromnetz funktionieren? Der Stromfluss aber, der unseren Waschmaschinen 1000 Umdrehungen einhaucht, wird durch Generatoren erzeugt und beileibe nicht durch dickbauchige Buddha-Figuren.
„Die sitzende Figur ist ein lehrender Buddha, mit der Geste der Erdberührung, die Erde als Zeuge für die Wahrheit seiner Lehre anrufend ...“, so tönt ein Geistes-Sprecher des neuen Bayern-Coachs guruhaft.
Da lohnt sich Nachdenken. Schauen wir uns mal Bastian Schweinsteiger, uns Schweini,00 näher an. Der hat weder eine Ähnlichkeit mit Buddha, noch lebt er nach dessen Lehre. Schweinis Spielweise ist schlichtweg, heute so, morgen ganz anders.
Wer die Dinge oberflächlich betrachtete, könnte jetzt sagen: „Kein schlechter Spieler, der Schweini, aber mit extremen Höhen und Tiefen. Im Feiern aber ist er immer Weltmeister!“
Das eben lehrt Buddha. Es geht auf und ab, alles Dasein ist Leid, nur die innere Ruhe hilft. Die ist Bastian eigen. Der feiert, wann immer es möglich ist. Egal auch, ob er saugut oder gar miserabel gespielt hat. Das nennt man „Erdberührung“. Die Erde ist und bleibt stets Zeuge der Wahrheit.
Gilt eigentlich für die Sechziger noch mehr. Da tut die Erdung manchmal schon weh. Wo aber bleiben die Buddhas?
„Gebt dem Fußball, was des Fußballs ist, und Gott, was Gottes ist“. Sinn-Zitat nach dem Sprecher der Diözese, der sich wiederum beim Jesus-Zitat mit der Zinsmünze bedient hat. Na ja.
Theologisch ausgelegt: A Kreiz is´s mit´m Buddha. Warum in Wellnes-Zonen nie Kreuze hängen, ist mir eh immer schon ein Rätsel. Nichts bringt einen so göttlich schnell zur Erde zurück. Euer Fritz Fenzl
Oh, schlimme Fähnchenlose Zeit
Grauenhaft – nun überfällt uns wieder ein böser grauer Alltag. Verkehr, Autos, Gestank – was fehlt, sind die lustigen, bunten kleinen Fähnchen, die das Leben über Wochen so lebenswert machte. Wo sind sie nur, die farbenfrohen Schwarz-Rot-Gelben Fahnderl? Und der Halbmond auf rotem Grund. Selbst das kroatische Schachbrettmuster wird uns fehlen.
Wer gibt uns das Recht zurück, so wunderbar naiv und ohne geistige Abgründe „Flagge zu zeigen“?
Bislang war die deutsche Fahne dem Bundeskanzleramt in Berlin, einigen Schrebergärtlern oder ausgemachten Polit-Spinnern vorbehalten. Während der EM jedoch wurde uns gezeigt, dass tief im Herzen drin viel mehr Menschen an rot-schwarz-gold hängen, als gedacht. Wo sind sie nur, die vielen jungen Frauen, die sich die Bundesfahne selbst ins Gesicht geschminkt haben. Herrlich.
Und jetzt? Autos, schnittig, corbonatsilbern, waschstraßengepflegt und gewohnt langweilig. Wir lamentieren wieder über Benzinpreise und den unübersehbaren wirtschaftlichen Abstieg. Wie wunderbar ist das Benzinpreis- Bundesgejammer durch die Sprit-fressende Beflaggung am Auto ad Absurdum geführt worden! Sogar Speed-Fahnen für die Autobahn (bis 180 km/h) waren zu haben.
Windkanal-Tests, Benzinspar-Modelle - und dann Doppel-Fahnderl links und rechts an der Karre. Ich mag das Verrückte auf der Welt. Ich habe nur noch auf Bremsfallschirme in den Landesfarben gewartet.
Gebt mit die Fanderl-Zeit zurück! Warum nicht mit einem Sechz´ger-Fahnderl weiterexistieren? Oder die Flagge von München! Wenigstens das Wappen von Pasing an der Seitenscheibe …
Bitte wieder ein Fahnderl am Auto. Der Alltag wird so viel liebenswerter! Ihr trauernder Fritz Fenzl
PREMIUM ALS VERBAL-UPGRADE
Was versteht man eigentlich unter einem Premium-Pils? Gibt es auch die Premium-Halbe? Den Premium-Joghurtbecher? Die Premium-Marmelade und das Premium-Toilettenpapier? Gar die Premium-Fliegenklatsche?
Eine seriöse und überregionale Tageszeitung schrieb im Wirtschaftsteil den Satz: „Alles, was teuer ist, muss irgendwie „Premium“ werden …“
Im weitern Verlauf des (wirklich ernsthaften) Artikels mit der Überschrift „Was heißt hier Milch? Das ist ein Cocktail!“ geht es um Bemühungen, die Milch aus Verkaufs-Intensivierungs-Gründen upzugraden. Richtig gehört. „Upgraden“ steht da.
Nebenbei, was für ein herrliches Wort, „upgraden“. Die vielen Leser dieser Glosse, die auch entschiedene Anhänger eines g´scheiten Deutsch sind und das Denglisch entschieden ablehnen, werden aufschreien.
Milch, dieses preistreiberisch oder eher preis-senkerisch so interessant gewordene weiße und wohlschmeckende Grundnahrungsmittel, soll nun in die Premium-Klasse upgegradet werden. Vielleicht mit Premium-Kühen als Zapfstelle?
Upgraden kommt aus der Computersprache. Es klingt wie das Gegenteil von Downloaden, meint aber was anderes. Ich bin kein Fachmann, aber man kann, so glaube ich, Updates downloaden. Parodox, aber schön.
Und da schließt sich der Kreis.
Könnte man nicht auch den Schmarren, jene sprachlichen Worthülsen, die uns minütlich um die geschundenen Ohren fliegen und mit denen uns alles teuer verkauft wird, in die Premium-Klasse erheben!
A so a Premium-Kaas; ebenfalls ein Milchprodukt.
Wohl bekomm´s - wünscht der Fritz Fenzl
Grund, Gründung - gründlich feiern
Gründung kommt von Grund. Grund deshalb, weil die Stadt München, die ja jetzt ausgiebig feiert, einen Grund gefunden hat, sich zu feiern. Der Start war der Stadtgründungstag am vergangenen Wochenende. Also auf und nichts wie hin, dachte ich mir. Das sah dann so aus: Verkaufsbuden, Würstlbuden, gute Laune.
Nebenbei sei die Frage erlaubt: Was unterscheidet einen Stadtgründungstag vom Christkindlmarkt, vom Tollwood, von der Magdalenendult, vom Flohmarkt, vom Stadtteilfest, vom Betroffenheitsfest irgendwelcher Interessengruppen?
Richtig. Die Verkaufsbuden unterscheiden sich, die Biersorten schon weniger. Die Pfandrückgabe-Praxis bei Papptellern und Bechern, die macht den wirklichen Unterschied. Herausragend bei all der Festlerei ist nur das Oktoberfest, denn dort gibt es auffallend wenige Verkaufsbuden mit esoterischem Zimmerschmuck und die Toilettenfrage ist zumindest offiziell gelöst.
München im 850-er-Mega-Event-Jahr: Stadtgeburtstag, EM, Olympiade und noch so viel mehr. Zunächst die aktuelle EM. „Pablik Fi-uing“ heißt das Zauberwort. Alle schauen hin. "PF" - Was im Amerikanischen so viel wie „öffentliche Aufbahrung“ bedeutet. Na ja. Bei einigen Mannschaften passt das. Stadtgründungstag und EM und Public Viewing? Kein Problem, zum Beispiel letztes Wochenende im Hofgarten: Würstlbuden in Geruchsnähe, Stadtgründungstags-Trara und eine dröhnende Großleinwand im nahen Kult-Café mit aktuellen Spielen und Spielanalysen.
Jetzt geht´s erst richtig rund: “München feiert ringsum“ heißt das Zauberwort beim anrollenden Altstadtringfest am 19./20. Juni, kommendes Wochenende also - treffen wir uns beim Feiern. Euer Fritz Fenzl
VON KLINSIS UND MÖSIS
Es kommt auf das „i“ an! Beim Sport sowieso. Spätestens seit der Rosi, die zur Gold-Rosi wurde.
Überhaupt, die Abfahrtsläuferinnen. Da hat es sogar einmal eine Mösi (!) gegeben (Christine Mösenlechner). Das haut echt rein. Spätestens seit damals trat das Sportler-i in der verhunzten Namens-Endung den totalen Siegeszug an, Ein Verniedlichungs-Sieg, der eigentlich konsequent ein Siegi sein müsste.
Heute leben wir mit Jogis, Poldis oder gar Schweinis, politisch kennen wir die Ossis und Ösis. Natürlich auch den Wessi, was sich auf Nessi reimt, jenem abgetauchten Ungeheuer, das wahrscheinlich vom Verniedlichungs-i vertrieben worden ist.
Auffallend aber: Wirkliche (!) Persönlichkeiten sind niemals nicht ver-i-t worden. Lichtgestalt-Superstar Beckenbauer war niemals ein Becki, Pele kein Peli. Mannsbilder i-en selten, der knorrige Katsche war kein Katschi und Gerd Müller niemals ein Gerdi. Und Kahn kein Kahni. Na ja, Oli …, gut. Können Sie sich vorstellen, dass die Führungsfigur Günther Netzer ein Netzi geworden wäre? Nie. Sein mitspielender Wadlbeißer Berti Vogts aber schon.
Einer der frühesten i-Stars: Radi, aber er hat´s überstanden. Vielleicht wird Flatterball-Lehmann noch zum Lehmi. Und wie Gorbi zum „i“ kam, schleierhaft.
Dann das Sammelbezeichnungs-i für Pseudo-Wichtigkeit: Der Promi! Vorsicht, Frau Kanzlerin. Selbst einer so kompetenden Frau kann es passieren, dass die Medien von Angie reden. Hat die das verdient? Eher nicht.
Das „i“ ist gefährlich. Siehe in München der Seppi.
Man muss eben ganz, ganz viel darstellen, um ein „i“ aushalten zu können. Wie damals der Superboxer, der Ali oder auf Ferrari der Schumi . Fritz Fenzl
MASKOTTCHEN, KAMPFKRÄHEN UND FLATTERBÄLLE.
Wieder ein Sommer mit Zwangsbeglückung!
Da ist zunächst die Fußball-EM. Jetzt schon schwappen die Zeitungen über von Meldungen über nervenzerfetzende Trainingscamps, Spieler-Castings und outgesorcte Balltreter. Ganz zu schweigen von „Flatterbällen“. Das sind Bälle, die ohne Drehung abgefeuert werden. Normalerweise dreht ein Ball sich wie eine Pistolenkugel. Er schraubt sich aufs Tor und flattert nicht. Wird ein Ball aber (was selten ist) ohne Drehung geschossen, dann baut sich ein Luftpolster vor ihm auf, das dann plötzlich abreißt. Dann flattert der Ball. Der nächste Nobelpreis wird über das aerodynamische Problem des Flatterballes vergeben. Manche aber sagen, es sei nur der Torhüter Lehmann, der flattert. Na ja. - Der neue eiskalte Trainerstil á la Klinsmann oder Jogi überzieht das Land. Cool, clever, schlank, brutal, aber immer fotogen.
Und dann, die Olympiade. Wird anscheinend von Fackelfirmen gesponsort. Oder von Unternehmen, die für etwas werben, das keiner haben will.
Moskottchen-Zeit! Bald werden uns, ganz im Stile der Rundum-Vermarktung (deutsch: Mörtschdeising) mehr oder weniger greisliche Stofftiere angeboten werden. Wie damals der unsäglich hässliche Goleo, die unverkäufliche Sommermärchen-Missgeburt mit Alf-Rüssel.
Aber welches Maskottchen diesmal?
Derzeit sind in München aggressive Kampfkrähen in. Die hacken auf Bürgern herum wie Steuerbehörden. Also schwarze Krähen als EM-Logo?
Und da schließt sich der Kreis. Auch Krähen flattern. So wie die bösen, bösen Bälle, die den Lehmann nicht lieb haben. Fritz Fenzl
Bist du schon Bio oder lebst du noch?
„Alles bio oder was ..?“, könnte bald die Eingangsfrage zu einem Gespräch zwischen zwei wellness-gestählten Naturaposteln (Bioten? - Oder gar Ibioten?) lauten.
Denn was in gehobenen Kreisen den Filter des gesellschaftlich nicht nur Akzeptablen, sondern gar aufregenden, anregenden oder Hippen passieren will, das muß in unseren Tagen den Stempel „bio“ tragen.
Nun kennt jeder die Bio-Produkte vom Bio-Saft über das Bio-Getreide und Bio-Obst bis zum großflächigen Bio-Anbau beim Bio-Bauern. - Wie aber wäre es mit Bio-Tabak für starke Raucher? Den gibt es übrigens wirklich. Bio-Schnaps? – Bio-Benzin oder gar Bio-Feinstaub?
Ganz zu schweigen, dass „bio“ als Eigenschaftswort eine eigene Bio-Grammatik generieren würde: Ich bin bio, du bist bio, wir sind bio, ihr seid bio …
Gar als Ausruf: „Du Bio, du!“ (Wie´s gemeint ist, darf jeder selbst entscheiden oder den Richter entscheiden lassen.)
Vielleicht ein Bio-Verb: „Was biost du denn so lange im Garten herum …“
Das alles ließe sich noch lange so weiterspinnen, aber wir verbieten (ver-bioten ..?) uns das.
Vielleicht sollte „bio“ als sehr positiver Begriff auch auf das Denken ausgeweitet werden. Denn die Wellness-Welle, sie „biot“ vielleicht so manchesmal über den Rand des elitär-neopostmodernen Livestyle-Planschbeckens hinaus. Schwapp!
Wenn da nur nicht eine neue Prüderie auf uns zurollt, die mit dem allgemeinen Rauchverbot auch noch im Zuge einer Zwangs-Vergesundung das Verbot des nicht Bio-tischen mit sich bringt. Mir wird ganz bio dabei. Und Bio-Särge gibt es tatsächlich schon.
Denn was in unseren Tagen „in“ ist , fußt kurioserweise auf neuen alten Tabus. Du darfst nicht …
Das Leben selbst ist bio. Nie das Verbot. Gott schuf die Welt und keine biotische Klapsmühle. Ihr Fritz Fenzl
Ich habe noch nie ein Bio-Produkt gekauft oder gegessen und lebe immer noch.
Also, alles bio, oder was? Fritz Fenzl
CHILLEN SATT
Ist Ihnen schon aufgefallen, wie viel Energie dem Thema „Entspannung“ gewidmet wird? Wer die Entspannung aber wirklich ernst nimmt, der merkt bald, dass „Entspannung“ ganz schön anstrengend sein kann. Allein schon das Wissen um modische Entspannungsmethoden! Man will doch nicht einfach nur faulenzen, ausspannen, nichts tun, die Seele baumeln lassen…, sondern mit seiner persönlichen Art der Entspannung zeigen, dass man „dazugehört“!
„Dazu gehört“ schon einmal die richtige Wortwahl. „Chillen“ heißt das nämlich, vor kurzem noch „relaxen“, „alle vier von sich strecken“ wäre mega-out. Man chillt auch nicht, weil man „miad“ ist, fertig oder übernächtig, abgearbeitet oder einfach lustlos: Nein, das Chillen muß einem satten „Burn out“ folgen.
Aber das ist alles noch gar nichts: inzwischen ist aus dem Nichtstun eine Seminar-Industrie entstanden, mit Kunstwörtern wie aus dem Depperlzirkus der Alleshabenmüsser: Ordnungstherapie, Body-Scan mit gezielter Körperwahrnehmung Stressbewältigung durch Achtsamkeit, MBSR-Training, Meditation sowieso, der ganze lächerliche Fernost-Quark noch gar nicht mitgerechnet. Entspannung lässt sich natürlich messen, am besten mit Computertomographen. Entspannung ohne Leistungsprinzip? Niemals. Wussten sie, dass es im Bayerischen Wald ein Intersein-Zentrum für Achtsamkeit gibt?
Ich persönlich schwöre immer noch auf das geniale MBDN (Management by doing nothing), welches auf der bewusstseinsfördernden Erleuchtung beruht, dass sich das meiste eh selber erledigt - oder auch nicht. Wer für viel Geld Einzelstunden braucht, der meldet sich bei
Fritz Fenzl
DRACULA WAR EIN MÜNCHNER
Unglaublich, was alles anlässlich des 850. Geburtstag der Stadt München erscheint. Die Landeshauptstadt wird mehr oder weniger neu erfunden. Aus einem Spezial-Magazin ist zu entnehmen, das beispielsweise unsere „Bavaria“ ein umgegossener Koloss von Rhodos sein soll – und damit ein echtes Weltwunder. Na ja, das ist die taffe Dame am Rande der Münchner Wies´n doch sowieso.
Weitaus interessanter, und durchaus den Nachforschungen Stand haltend, wird außerdem berichtet, dass Graf Drakula (die weltberühmte zahnende Romanfigur von Bram Stoker) zu Beginn der litararischen Blutsauger-Amtszeit in München gewütet haben soll!
Tatsächlich hat sich der gebeutelte Anwaltsgehilfe Jonathan Harker, der im Roman den gesamten Vampir-Wahnsinn aushalten muss und überlebt, in einem später gestrichenen Eingangskapitel vom Hotel Vier Jahreszeiten aus auf den Weg gemacht. Was er dann erlebt, ist gruselig genug für mindestens zwei Drakula-Romane. Zumeist ärgert er sich mit Untoten aus dem Münchner Osten und Norden herum. Gut, dass ich im Westen wohne!
Kennen sie übrigens die allererste Zeile des weltberühmten Briefromans?
„ 3. Mai. Bistritz. Abfahrt von München am 1. Mai um 8.35 Uhr, Ankunft Wien …“
Aha. München. Warum nur hat Bram Stoker das ursprünglich längere München-Eingangskapitel (Abfahrt vom vier Jahreszeiten) gestrichen und durch die obige schmale Zeile ersetzt?
Richtig. Es sollte nicht bekannt werden, dass in München der Vampirismus immer schon tobt. Die, die haben, sie leben üppig und satt von denen, die geben (müssen). Die gesamte Lebensenergie.
Bram Stoker hat sich ausgekannt. Der schon.
Euer Fritz Fenzl
MÜNCHEN LITERARISCH
Zwei bemerkenswerte Buchpräsentationen haben mir die letzte Woche dramatisch verschönert. Und beide waren (trotz des momentanen Bestsellers „Feuchtgebiete“!) extrem feingeistig und feinfühlend.
Der eine Band hatte mit Nymphenburg zu tun und heißt dementsprechend „Nymphenspiegel“: Ist es möglich, die Idee des Parks, nämlich immerzu irgendwo vorbei zu gehen und nie irgendwo anzukommen (ausser im Herzen!) - in ein Buch zu gießen? Es ist. Wer´s nicht glaubt, die Freunde des Nymphenspiegel treffen sich regelmäßig am Apollo-Tempel, wo auch vor einem Monat die Vor-Premiere stattgefunden hat.
Von Elfen und Feen war zu hören und zu lesen und der selber recht elfische Herausgeber Sartori, der wohnt nicht nur gleich neben dem Zauberpark, er hat ihn auch restlos verinnerlicht. So dass er die Poeten und Sachtexter mit liebenswert sanfter Gewalt auf seine Waldorf-Weltensicht begleitete. Liebevoll!
Ein paar Tage später präsentierte eine blitzgescheite Japanerin München aus ihrer Sicht. Das geschah im „Bier- und Oktoberfest-Museum“. Japanisch die Stadt neu entdecken! Sumo-Ringer und Schuhplattler, „Grant“ aus fernöstlicher Betrachtungsweise, Rüpeleien beim Einsteigen in die U-Bahn, (in Japan stehen die Passanten Schlange und werden von Schaffnern mit weißen Handschuhen in die übervollen Waggons geschoben). Dazu Tanzrituale kühn verglichen, und Valentin auf Japanisch: Passt!
Dieses Jahr ist für den München-Freund einfach eine Schau: Denn durch den Geburtstag lässt sich gar mancher was einfallen, in Nymphenburg ebenso wie in Japan oder Pasing. Fritz Fenzl
VERHEXT NICHT NUR WEGEN DER WALPURGIS
„Sag mir einmal … was bedeutet das denn…?“
„Was?“, sage ich.
„Nun, ´downloaden´?“, meint die Oma vorsichtig und mit der für sie typischen bescheidenen Art. Eine feine und kluge Frau, die an allem interessiert ist. Allerdings, mit den Computern hat sie es nicht so.
„Ich höre immer das Wort ´downloaden´, wiederholt die alte Dame, „… das müsste doch so etwas bedeuten wie „runterladen“?
„Klar“, sag ich da breittönig, „downloaden“, das bedeutet wirklich, dass du Dir am PC etwas herunterlädtst.“,
Pause. Dann meint die schlaue Oma:
„Was lädt man denn da herunter und wohin? - Ach, bitte, erkläre mir das . Du kannst doch so schön reden!“
„Ah“, mache ich, denke nach, dann sage ich souverän:
„Äh, klar, freilich, sowieso.“
„Nun?“
„Also, äh … du kannst zum Beispiel eine Datei herunterladen.“
„Was ist eine Datei? Bitte erkläre mir das in ganz einfachen Worten: so, dass ich es gleich verstehe.“
„Gut, Oma. Also du hast auf Deiner Festplatte ..“
„Was eine Festplatte ist, weiß ich auch nicht so recht. Klingt für mich wie eine Platte bei einem feierlichen Festmahl. Da fällt mir noch ein: was bedeutet ´upgraden´? Was ist eine Firewall? Hat das mit meinem geliebten Richard Wagner zu tun?“
„Eine Firewall hilft gegen Viren und Trojaner und …“
„Nimm mich jetzt nicht auf den Arm, Bub.“ (sie sagt Bub, wenn ich es bei ihr zu weit treibe). Und mir wird klar: Wir sind sprachlich schon so versaut, dass wir bestimmte „Hei-Tek“-Begriffe nicht mehr erklären können, ohne eine Viertelstunde angestrengt nachzudenken. Wir sind längst verhext, von schwarzen Zauberern eingewickelt. Die tanzen aber nicht am 1. Mai nur auf dem Blocksberg, sondern die sitzen lebenslang im PC-versauten Hirn!
Fritz Fenzl
WAS SICH ALLES MESSEN LÄSST
Nun ist also „gemessen“ worden, dass der Bio-Sprit anderen das Essen wegnimmt. Andere wiederum messen kühn, der Bio-Sprit würde die Umwelt verbessern. Auf Bayerisch: Da Bio daad da Umwelt guat. Ganz andere aber messen nach, der „Bio“ täte weder der Umwelt gut; - und den Menschen, die auf den verdieselten Weizen angewiesen wären , tut der Bioweizen zweimal nicht gut… weil er denen nämlich fehlt.
Es lässt sich alles messen. Und recht hat immer der, der die Messung in Auftrag gibt. Das ist das Geheimnis der so genannten Wissenschaft, dieser bizarren Ersatz-Religion für alle die sich gerne im Lichte der verstandesmäßig überlegenen Sachlichkeit sehen. Auch bei noch so sachlichen Forschungsprojekten kommt immer genau das heraus, was herauskommen soll: weil einer dafür bezahlt, der ein „wissenschaftliches Ergebnis“ für seine Zwecke vorlegen muß. Schauen sie sich einmal die politischen Umfragen an, die sind immer im Sinne dessen, der sie in die Welt setzt.
Jetzt aber! Endlich gibt es das Mobilfunk_Personen-Dosimeter („ESM-140“). Das ist keine verrückte Glossen-Idee, sondern Wirklichkeit. Sie können nun ununterbrochen messen, welchen Strahlungen sie ausgesetzt sind. Netzwerk-Strahlen im Alltag? Kein Problem. Das Dosimeter schlägt an. Oder aus? Es handelt sich dabei um ein handy-großes und 70 Gramm schweres Trumm, das sie am Gürtel oder Oberarm oder vor der Brust tragen können.
Angenommen, sie sitzen im Konzert. Pianissimo. Die Strahlung aber stimmt nicht ganz, vielleicht wegen der Mobilfunk-Armbanduhr ihres Nachbarn oder weil dessen Herzschrittmacher die ungünstige Frequenz hat. Ihr Gerät brüllt los. Weg hier. Einfach Klasse.
Das Ding, ESM (Elektro-Smog-Meter?) genannt, kostet übrigens 25oo Euro. Und hat selbst eine höchst belastende Abstrahlung, wie mir Fühlige verraten haben. Sonst gäbe es ja keine Resonanz u anderen Strahlen.
Lieber mitgehen zu strahlenfreien Orten, und jeden technischen Schmarren daheimlassen! Fritz Fenzl
MÜNCHEN BRAUCHT EINEN EISBÄREN
Erinnern sie sich noch vage, als ein eher aussichtsloser als erfolgversprechender OB-Kandidat (nicht der Seppi Schmidt, einer seiner Vorgänger) mit einem Münchner Rauhaar-Dackel auf dem Wahlplakat abgebildet war?
Dies sollte verdeutlichen: wählt mich, schaut her, ich liebe nicht nur meine Wähler, sondern auch Tiere.
Der damalige Kandidat ist heute in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Was aber wäre gewesen, wenn er statt eines krummbeinigen Dackels mit einem kleinen Eisbären posiert hätte? Nicht auszudenken.
Hätte gar eben jener Kandidat, nennen wir ihn der Einfachheit halber Lupo, zudem dafür gesorgt, dass dem Tierpark Hellabrunn ein kleiner Eisbär beschert worden wäre. Ein Eisbär, süßer noch als Knut und Flocke zusammen, dazu ein echtes Münchner Eisbärchen-Kindl. Möglicherweise hätte man ihn Aribert genannt.
Nun, Lupo, der aussichtslose Kandidat, wäre nicht weiter durch Peinlichkeiten aufgefallen, sondern er hätte sich mit Klein-Aribert, dem süßesten aller Eisbären, fotografieren lassen. Aribert aber legt seine tappsigen weißen kleinen Tatzen auf den lupenreinen weißen Kragen von Lupo und schnurrt mit unschuldigem Knopfaugen-Blick:
„Lupo, ich hab dich lieb, ich vertraue dir, so wie die Münchner Wähler dir vertrauen können. Einer wie du, der ist kein Schlawiner, sondern zu allen gut, aufrecht und vor allem ehrlich. Sogar meine Onkels und Tanten auf den Eischollen haben dich lieb …".
Lupo, der Kandidat, wäre heute nicht nur OB, er wäre Parteivorsitzender, Bundeskanzler, Bärenmarken-Vorstandsvorsitzender, World-Wildlife-Fonds-Präsident - er wäre einfach alles. Und die Linie des Transrapid führte bis zum Pol, die Finanzierung wäre Dank Aribert gesichert... und auch sonst tät' alles reibungslos laufen.
Keine Angst, lieber Leser, alles nur ein Alptraum. Eine Glosse. Wie lange aber kann München es sich wirklich noch leisten, keinen Eisbären zu haben? Ihr Fritz Fenzl
Wer verbietet das Verbieten?
Einer der schönsten Abende in diesem Jahr fand im Hotel Vier Jahreszeiten statt. Es war ein ausgewiesener Raucher-Abend. Genauer gesagt, eine Nacht für Zigarren-Liebhaber. Afficionados only.
War doch schon die Vorfreude riesig. Nichts stand auf der Einladung von Gesundheit, von Wellness, Erfolg oder Fastenzeit. Nein, Genuss pur war angesagt. Das Essen schmeckte phantastisch, die schweren Zigarren waren eine Wucht. Und das alles umsonst. Was aber so beeindruckte: Hier stand nicht die Birkenstock-Liga im Raum, keine Gesundapostel oder Diskutanden zu dem Thema, was denn gesund sei und was nicht, sondern da sahen sich die wirklich Erfolgreichen einander in die Augen. (ich stand nur als Mitschreiben rum). Immerhin war die zweitgrößte Schweizer Bank Mit-Einladender. Die Manns- und Weibsbilder, wie sie hier standen und schwatzten, sie liebten und lebten das Leben, und das trotz der Vorliebe für Zigarren. Krank sah keiner aus, nur eine Ehefrau, die mit musste und Zigarrenqualm hasste. Sie sah krank aus.
Und die so herrlich verqualmten Kellerräume des Traditionshauses. Wie die Nebelbänke von Avalon lag der graue Odem der Havannas und Domi-Rep-Zigarren in der Luft. Luft? Nein, das war der Äther des gehobenen Anders-Seins. (Zugegeben; zwei gestandene Männer sind ohnmächtig geworden, aber das lag sicherlich nicht am Rauch, sondern an der Belüftung).
Das sollte uns alle nachdenken lassen. Längst geht es nicht mehr darum, ob rauchen gesund ist oder nicht, es geht eher um Macht. Vor allem aber: wir steuern auf eine Zeit des Tabu-ismus zu:
Jetzt Rauchverbot, bald Verbot von üppigem Essen (natürlich wegen der Gesundheit), Verbot des Älterwerdens, - und dem Thema der körperlichen Sinnlichkeit geht´s auch langsam an den Kragen.
Jetzt sollen Lokale früher Sperrstunde bekommen, weil „die Raucher so laut auf der Straße“ schwatzen.
Eins ist sicher. Was verboten ist, macht Spaß. Ein Hoch den Parallel-Gesellschaften.
Fritz Fenzl
GLÜCK ALS SCHULFACH?
Einfach undenkbar bei unserem Schulsystem, das mehr für unglücklich denn als glücklich sein steht: Lernen und Leiden, Kuschen, dabei aber selten erfahren, was „Leben“ wirklich bedeutet, und dem System dienen. Würg...
Die Willy-Helpach-Schule in Heidelberg hat tatsächlich das Fach „Glück“ als Schulfach eingeführt. Die Grundüberlegung war, es könne doch nicht richtig sein, wenn so viele Schulkinder unglücklich sind und nur System erfüllende Streber heran zieht.
Da gibt es doch tatsächlich ein „Glücks-Projekt“. Persönliche Zufriedenheit, soziale Verantwortung, Liebe, Humor und Optimismus dem Leben gegenüber. Dies alles steht ganz oben auf dem Lehrplan. Ein „Lehrplan der Liebe“, fällt mir gerade ein! Was für eine Idee. Wer kommt bei uns auf die Idee, den „G8-Salat“ mit Liebe zu verbinden?
Ein Glücks-Lehrer aus Heidelberg meinte, dass unser Begriff „Bildung“ heute nur noch „Schulbildung“ meint. Der ursprüngliche Bildungsanspruch wäre aber ganzheitlich. Dazu gehört die Fähigkeit, Netzwerke zu bilden (Beziehungen ist bei uns eher ein Schimpfwort); Familie, Normen, Traditionen zu pflegen, Gemeinschaften zu bilden und im Sinne von Aristoteles zu erfahren, dass Glück erlernbar ist!
Lehrplan-Schwerpunkte in Heidelberg sind:
Freude am Leben, Freude an der eigenen Leistung (nicht an der Erwartung anderer), richtige Ernährung, den Körper positiv erfahren und auch als Ausdrucksmittel kennenzulernen. Für Fortgeschrittene: Seelisches Wohlbefinden, Glück des Augenblicks und des Alltags erfahren lernen, und - das Ich in der sozialen Verantwortung zu sehen.
Wundert es da, wenn ich jeden Augenblick befürchte, aufzuwachen? Nein, es ist kein Traum. Die das Glück bringenden Unterlagen liegen vor mir. So etwas gibt es tatsächlich. Nein, nicht bei uns, aber wo anders. Fritz Fenzl
UNVERDIENTER DANK
Ein richtig schlechtes Gewissen könnte man bekommen. Warum? Weil München immer noch voller Plakatständer mit freundlich lächelnden Gesichtern hängt.
Sie wissen schon, die seltsamen Dreiecksständer an allen Straßenecken. Vorrangig in der überlebens-notwendigen Blickrichtung für Autofahrer vor dem Einbiegen in eine Kreuzung. Konterfeis, zumeist voller Zuversicht und Wohlwollens.
Warum eigentlich ein schlechtes Gewissen? Weil die Poster grundsätzlich mit einem "Danke-Schild" überklebt sind. Eine kleinere Partei hat übrigens statt dem schlichten „Danke“ ein bayerisches „Vergelt´s Gott!“ drauf gepappt.
Da bedanken sie sich Straßenzug um Straßenzug für etwas, das ich ihm gar nicht gegeben habe. Meine Stimme nämlich. Ich habe so viel Dank einfach nicht verdient. Das beschämt mich.
Vielleicht ist das „Danke“ aber vorausschauend gemeint und sollte mir eben jenes schlechte Gewissen einhämmern, dass ich nun habe. Sollte ich mir gar dieses Danke erst verdienen müssen?
Übrigens: Diese optische Marter mit abgerissenen, verblichenen und vergilbten Polit-Dreiecksständern wird uns weiter begleiten. Die Info-Tafeln sollen tatsächlich bis zum Transrapid-Bürgerentscheid am 13. April stehen bleiben.
Ich freu mich jetzt schon auf die Danke-Plakate hinterher. Danke, dass Sie dafür/ dagegen waren.
Was mich betrifft: Transrapid, nein danke.
Ihr Fritz Fenzl
Alle Macht den Rauchern
Rauchen gehört inzwischen zum guten Ton. Waren die Raucher bis vor Kurzem noch ein versprengtes Grüppchen qualmender, Luft verpestender und Mitmenschen verachtender Täter, die es öffentlich und privat zu rügen galt, haben sie nun an Ansehen und Macht gewonnen. Sie haben sich zur Elitegruppierung gemausert, und man könnte meinen, in ihren querdenkenden, nikotinaromatisierten Köpfen haben sie schon immer gewusst, wie es kommen wird.
Das desolate Wahlergebnis der Volkspartei mit Gummibärchenspitze ist selbstverständlich nicht einer Führungsschwäche, sondern dem Nichtrauchergesetz zuzuschreiben.
Wer braucht schon Führung, wenn es um eine exentielle Frage der Raucher geht? Schuld an jeder fehlenden Wählerstimme war ein Raucher, der die Gesetzgeber ganz schön abgestraft hat.
Raucher, Mitraucher! Was für eine Auszeichnung! Alles dreht sich seit Wochen nur noch um die qualmenden Zeitgenommen. Das Oktoberfest wird umgemodelt, damit „jeder schnell rausgehen kann, der eine Zigarette rauchen will“.
Was für ein Bild vor meinem geistigen Auge: dort, wo dereinst überfüllte Festzelte fast am Platzen waren, da stehen nun gemütlich ämüsierte Rauchergrüppchen im Freien (Hauptwirtsbudenstraße, Verwaltungs-Bereiche, Rettungswege?), schwatzen, trinken Bier aus mitgebrachten Krügen und geben Interviews, wie denn die neuen Wahlen ausgehen werden.
Denn nur sie, die Raucher, bestimmen dies. Nicht der Transrapid, nicht die Peanuts von wegen Landesbank und auch nicht die „Gummibärchenspitze“. Gummibärchen? Laut Leserbrief haben die beiden Neuen so viel Rückgrat wie zwei Gummibärchen, die aneinander kleben.
Nimmer lang. Es gibt ja noch uns, die Raucher, die neue politische, qualmende „radikale Mitte“. Warum nicht eine Raucher-Partei?
Ihr
Fritz Fenzl
DIE WAHL DER RICHTIGEN SEITE
Zugegeben - es war unverzeihlich: Ich, ein bekennender Sechziger-Fan, am vergangenen Mittwoch in Fröttmaning. Eine Wahnsinns-Idee - das Jahrhundert-Spiel live. Und ich mit dabei. Gehofft hatte ich bis zur letzten Sekunde. Die Hoffnung ist ein Lieblingskind der Philosophen. Ganz nach dem Prinzip: Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Genau so war´s denn auch in der teuflischen Areana von Fröttmaning. Die Stimmung brandete 120 Minuten ungebremst in jede Richtung. Dann aber löffelte Ribéry den Ball in die Mitte des Tores. Und dies in der letzten halben Minute der zweiten Verlängerung.
Ein verwandelter Elfmeter? Viel, viel mehr. Eine Philosophie der Mitte. Ein Wahlvorgang auf beiden Seiten. Für Schütze und Keeper. Eine Entscheidung zwischen rechts und links und stehenbleiben.
So ein Fußballspiel spiegelt doch immer das Leben. Links, rechts, Mitte. Wie beim Wählen. Alle suchen die Mitte, vor allem jene Politiker, denen nichts Argumentatives einfällt. Wer keinen Einfall hat, der redet von der Demokratie oder von der Mitte.
Die Mitte, philosophisch-technisch gesehen bedeutet: Da, wo gar nichts ist. Siehe Wirbelsturm. Die Charaktere sind immer rechts oder links, vielleicht gar ganz außen. Siehe Drehsturm. In der Mitte indes: Ruhe. Nichts. Langeweile.
Außer man denkt wie Ribery, das Genie: In der Mitte ist die Öffnung, die Verletzlichkeit. Übrigens auch beim menschlichen Körper. Der geniale Bayern-Stürmer schießt in die Mitte, denn er weiß: der andere fliegt: Hin zum rechten Flügel oder zum linken. So bringen einen das Fußballspiel (der Elfmeter) und die Wahl auf denselben Gedanken.
Wenn man weiß, in welche Richtung sich andere bewegen werden, dann kann man ruhig die Mitte wählen. Und ganz gelassen seine Kugel schieben. Ribéry ist eben ein Magier. Nicht nur der. Ihr Fritz Fenzl


































