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ARCHIV 10

HOCHINTELLIGENTE VERBLÖDUNGSLITERATUR

Wenn man die derzeitigen Zeitgeist- und Sachbuch-Bestseller betrachtet, lässt sich feststellen: Sie alle handeln ausschließlich davon, dass wir Deutschen restlos verblöden. Das Erstaunliche an diesen meines Erachtens gut recherchierten Werken ist, die Autoren haben Recht.
Meine Lesetipps: „Die verblödete Republik“ von Thomas Wieczorek. Untertitel: Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen (Spiegel-Bestseller, Knaur-Verlag). Oder aber auch „Seichtgebiete. Warum wir hemmungslos verblöden", im Bertelmann-Verlag erschienen. Noch nicht genug? Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Unter anderem mit „Deutschland. Deppenland: Wie doof die Deutschen wirklich sind" aus dem mvg-Verlag.
Wer diese grausig schöne Lese-Freude erfahren und verwundert, aber auch erfreut, feststellen will, dass noch geschrieben werden darf, was geschrieben werden muss: Kaufen! Lesen! Verschenken!
Da geht es um die Klosett-Ebene des offiziellen Fernseh-Humors (Mario Barth), den wahren Stellenwert eines abgelebten Pop-Idols oder Torwarts; um die Verblödung der Todeserfahrung einer fernsehmanipulierten Masse mit Plüschbären und Teekerzen; sämtliche falschen Mythen, verlogenes Charity, „Demokratie“, Gerechtigkeit, „Wahlen“ (oh weh), den „…Konjunkturzyklus der Massenverblödung“…, verdeppte „Ehernamtliche“; es wird endlich einmal ausgesprochen und ausgeschrieben, was sich über „Afghanistan“ längst keiner mehr zu sagen traut, über Renten, „Sicherheiten“, den Pseudorechtsstaat, Pseudofrieden, Pseudomenschenrechte, Nullrunden, Sachzwänge… Was für ein Glück für das System, dass keiner der Verblödungsbücher-Autoren aktuelle Hintergründe unseres Schulwesens kennt.
Lesen, lesen, lesen. Wer weiß, wie lange solche Bücher noch auf den Markt kommen. Zum Schluss noch ein Zitat von Albert Einstein, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte: „Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher …“ Euer Fritz Fenzl

Ein erfolgreiches Neues Jahr... wünscht Euch Euer Fritz Fenzl

ZEIT DER ZWISCHENZEIT

Sie war wieder da, die so genannte Zeit „zwischen den Jahren“. Waren es früher die Tage, geliebte und auch ungeliebten Verwandte zu besuchen, wird die Zeit heute genutzt, Geschenke um- und auszutauschen. Was ist das eigentlich für eine bizarre Klientel, die das alljährliche Angebot von Umtauschbörsen, Umtausch- und Rückverschenk-Radiosendungen, Internetforen für unglücklich Beschenkte, Jammermeetings für die Opfer falscher Weihnachtsgaben und die diversen „Flohmärkte danach“ nutzt? Null Verständnis, habe ich mich doch noch über jedes Weihnachtsgeschenk narrisch gefreut. Egal auch, ob es meinem Wunsche entsprach oder von mir liebevoll in eine der hintersten Ecken des Schrankes gestellt wurde.
Nun aber ein Blick in die Zukunft. Rückt das neue Jahr an, kommt die Zeit der Propheten, Astrologen und Internetanbieter für gute Vorsätze. So kurios es auch klingen mag: Viele unserer oft sehr geschätzten Zeitgenossen brauchen tatsächlich auch für den Vorsatz der Vorsätze einen Ideengeber. Wenn's denn sein muss, hier mein Tipp fürs Neue Jahr: Prioritäten setzen. Oder auf gut Deutsch: „first things first!“
Das beste aber ist, sich einfach gar nichts vorzunehmen, dies aber dann sehr gründlich. Und halten Sie durch!
In diesem Sinne verbleibe ich auf ein fröhliches und spannendes Neues Jahr
Euer Fritz Fenzl

Märchenschloss Neuschwanstein 

VORDENKER FÜR WEIHNACHTSTRÄUME

Weihnachtszeit: Zeit der Märchen und Zeichentrick-Märchenfilme. Schlösser, Könige, Träume … Haben Sie gewusst, dass Ludwig II. und Walt Disney sich gekannt haben müssen?
„Betrachtet man die gezeichneten Schlösser aus Schneewittchen oder Dornröschen, so liegt der Vergleich mit Schloss Neuschwanstein auf der Hand …“, schreibt Roger Diederen im opulent gestalteten Ausstellungskatalog zu „Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst“, („Der Märchenkönig und der Märchenerzähler“, S. 144). Die Disney-Mitstreiter und späteren Experten haben aber keinen schlüssigen Beweis gefunden, Walt Disney sei wirklich einmal „da gewesen“. Wohl ist ein Besuch im Münchner Zirkus Krone bekannt, bei dem der geniale Zeichner Tierstudien anfertigte. Auch hat er sich bei seiner groß angelegten Europa-Reise mit zahllosen Bildern, Büchern, Kunst- und Bildbänden vor allem der europäischen Romantik und des Jugendstils eingedeckt. Die Grimm´schen Märchen waren ihm bereits bekannt.
„Ob Disney während seiner Europareise Neuschwanstein besucht hat, lässt sich bislang nicht nachweisen; doch ist es sehr wahrscheinlich, dass ihm oder einem seiner Studiokünstler Abbildungen oder Pläne des 1868 begonnen Schlossbaus bei Füssen bekannt waren …“; so der Experte.
Disney war eben doch in Neuschwanstein. Bei Ludwig. Wie? Geistig war er da! Und die Gestalt des Märchenkönigs wird ihn mehr beeinflusst haben, als wir uns das vielleicht vorstellen können. Mehr noch: Die Idee des „Erlebnisparks“, eines themenbezogenen Areals, auf dem dann leitmotivisch, eine geniale und massensteuernde Grundidee immer wiederkehrt: Alles schon da gewesen. Denken sie an den Schloss-Park von Linderhof und dessen Traumwelt-Stationen wie die Venusgrotte oder die Hundinghütte. Nicht weit nach Disney-Land. Und ist nicht jeder Christkindlmarkt so ein Themenpark?
Ob Ludwig und Disney sich im Himmel begegnet sind, das weiß nur das Christkind. Fritz Fenzl

MASSEN-IMPFUNG GEGEN WEIHNACHTSSTRESS

Das weihnachtliche Festessen war vorzüglich. Danach ging es zurück in die Arbeitsgruppen. Große helle Räume, Luxus in allen Tagungs-Details. Die Welt der Medizin umgab mich. „Brainstorming“ stand auf dem Programm, bedeutet so viel wie: Auf Pfiff kreativ zu sein.
Ich befand mit auf einem Ärzte- und Pharma-Kongress. Die Stimmung? Wie erwartetet, erwartungsfroh. Die strategisch groß angelegte Angstmache mit der Schweinegrippe hatte nicht so recht geklappt. Vogelgrippe? Ein alter Hut. Rinderwahn? Out. Professor Lustinger, weltweit anerkannter Internist, nahm mich jovial an die Seite:
„Ihnen wird doch sicher etwas einfallen! Eine große Sache soll es sein. Wir müssen eine ganz besondere Angst erfinden. Eine Angst wecken und sofort auch das passende Gegenmittel bereit haben.“
„Habt ihr keine wirklichen Krankheiten?“ fragte ich zurück.
Lustinger sah mich zwar wohlwollend, dennoch mit einem merkwürdig abschätzenden und zugleich tadelnden Blick an.
„Sie sind wohl nicht vom Fach, gell?“
Weiß ich.
Wohlwollend legte er den Arm um meine Schulter. „Sie sind ein Kreativer und für Einfälle da. Die medizinische Einschätzungen überlassen Sie beruhigt uns. Was wir brauchen, ist ein neuer Knaller. So in Richtung Massenhysterie.“
Hm...
War doch alles schon mal da gewesen. „Wechseljahre für den Mann“ zum Beispiel. Das „Sissi-Syndrom“, „Burnout ...“...
Lustinger schnalzte mit der Zunge. „Wir brauchen etwas ganz Neues. Etwas, das wirklich Kasse macht!“
Ich strengte mich an, überlegte.
"Betroffen müsste sich jeder fühlen...".
In meinem Kopf brodelte es.
„Weihnachten“, entfuhr es mir, „viele behaupten doch, Weihnachten würde sie krank machen ...“
Wir waren längst umringt von begeisterten Zuhörern. Ärzte, Gesundheitspolitiker, Pharma- Mogule, allesamt hatten sie das gewisse Leuchten in ihren Augen.
„Er hat es! Das ist es! Ein Anti-Depressivum bei Weihnachtsstress“.
Ich hatte gewonnen. Die Sache lief rund. Hatte voll die branchenüblichen „PIPPO“-Formel getroffen: P wie Panik, I wie Industrienähe, P wie Pathophysiologie, P wie Pseudolösungen, O wie Ohne Grenzen.
Der Syndromverursacher muss lediglich in der Lage sein, die Menschheit mit einem schnell erfundenen Gegenmittel beglücken zu wollen. Es lief wie geschmiert, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Presse stieg begeistert ein, die Menschheit durfte wieder an etwas glauben, die Kassen zahlten und die Industrie hatte ihr neues Produkt.
Für mich aber gab es nicht nur eine satte Pauschale, ich wurde prozentual am Umsatz beteiligt.
Leider läutete in diesem Moment der Wecker und meine bessere Hälfte rief: Fritz, aufstehen, wir müssen Weihnachtseinkäufe erledigen... Der alltägliche Streß hatte mich wieder. In diesem Sinne eine schöne und auch streßfreie Zeit - Euer Fritz Fenzl

RUNDE SACHE IM ADVENT

Wir sind zwei Chubbygirls... Kontaktaufnahme unter www.chubbygirls.de...

Am Weßlinger See gab es am Wochenende eine ganz besondere Modenschau, die als „runde Sache“ angekündigt war. Ging es doch um den Begriff „rund“ im ursprünglichen Sinne des Wortes: Um rundliche Damen nämlich. Chubby auf italienisch, mollig auf deutsch.
Eine feine Sache und zumeist ein erfreulicher Anblick. Da stellt sich dann schon die Frage, wieso die Modebranche immer noch an so genannten Hungerhaken festhält und seltsam krank aussehende Wesen als ästhetisches Ideal hinstellt. Wenn auch Karl Lagerfeld meint, ein Stück Stoff sehe an einer Stange grundsätzlich ästhetischer aus als an einer Kugel (sinngemäß zitiert), muss ja nicht gleich eine ganze Branche diesem Trend folgen.
Lassen Sie uns doch einmal einen liebevollen Blick auf alles richten, was rund ist.
Auf die Blumen, den Jahreskreis, das Schneekristall, den Wassertropfen, den Babybauch, das Fußballleder und das Bierfass. Selbst der schnuckelige kleine Marienkäfer ist von Geburt an rundlich. Von Männerphantasien will ich gar nicht erst reden. Mollig, rund, hoch erotisch. Auch Mutter Erde ist rund, die Sonne und der Mond. Selbst in der Technik wirkt alles schön und zeitlos, wenn es rund geformt ist. Denken Sie an die phantastischen Rundungen der 50-er Jahre, an die geschwungenen Kotflügel, die abgerundeten Ecken des Fernsehkastens.
Die Sprache hält schon längst viel vom Wörtchen rund. Wenn was passt, spricht man von einer „runden Sache“. Wenn sich was rührt, dann „geht´s rund“. Eine schöne Reise ist eine Rundreise, auch wenn sie nicht im Kreise verläuft. Der Boxkampf wird nach „Runden“ gezählt, selbst wenn der Ring eckig ist.
Und wie sieht es mit Weihnachten aus? Etwa schon mal einen ausgehungerten Nikolaus gesehen? Nein, der klassische Nikolaus neigt zur angerundeten Figur und auch der Krampus weiß, dass er mit wohlgeformten Bäuchlein weit mehr Eindruck schindet, als ließen sich seine Knochen einzeln zählen. Blasengerl mit eingefallenen Wangen? Ein Christkind ohne Pausbacken?
Schier nicht auszumalen. Das Fazit aller Betrachtungen: ein bißchen rund, ist gesund. Zumal ein Hamburger Forscherteam kürzlich erst festgestellt hat, dass leichtes Übergewicht das Leben verlängert und zudem rundliche Menschen weit weniger krank sind.
Nebenbei: Die fröhliche Molly-Schau fand zugunsten von „FortSchritt“ statt. Der Verein mit Sitz in Starnberg fördert spastische gelähmte Kinder und Jugendliche. Ein Modeevent gepaart mit Menschlichkeit - runder geht es nun wirklich nicht.
Euer Fritz Fenzl
Apropos Menschlichkeit: Der Verein braucht dringend Geld, weil er in Söcking ein Haus für behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche auf die Beine stellen will. Die Internetadresse lautet: www.fortschritt-starnberg.de...

ZEIT ZUM GELDAUSGEBEN

Tatsächlich, es wird bald eine Pfeife für 400 000 Euro auf den Markt kommen. Nun, auf den „Markt“ in dem Sinne nicht, denn es wird ein Unikat sein, wie mir der Hersteller stolz erklärt. Der verhältnismäßig solide Preis kommt dadurch zustande, dass der untere Teil der Pfeife, der eigentliche Pfeifenkopf, die Basis des Eiffelturmes darstellt. Der exklusiv gestaltete „Pfeifendeckel“ ist dann der Rest des berühmten Turmes, wie er damals die Weltausstellung zierte und heute noch steht. Zugegeben, die Pfeife sieht eher aus wie ein glänzender Modell-Eiffelturm, aus dem unten ein Mundstück hervorragt. Der Endpreis setzt aus dem goldigen Material, der Diamantbesetzung und der sehr soliden Handarbeit zusammen. Plus Mehrwertsteuer.
„Und da findet sich ein Käufer ...?“ habe ich ungläubig gefragt in dem edlen Geschäft in den Fünf Höfen. „Sicher“, lautete die solide Antwort, „..Sie glauben gar nicht, wie viele Kunden es gibt, die froh sind, Geld ausgeben zu können.“
„Äh ..?“, habe ich gesagt.
„Doch. Wirklich. Bei diesem Kundenkreis müssen es auch Unikate sein. Keiner auf der Welt darf das Stück noch einmal besitzen.“
„Woher wissen alle Menschen auf der Welt, ob ich eine 400000-Euro-Pfeife rauche?“, habe ich gefragt.
„In diesen Kreisen weiß man das durchaus, die kennen sich.“
So ist das also. Einfach teuer kaufen zur Weihnachtszeit oder in den üblichen Luxus-Shops Geld loswerden, das bringt es nicht. Wer etwas hat, das auch andere haben, ist schon untendurch. Ein edles Auto zum Beispiel. Wenn schon, dann eine Extraanfertigung.
Nun, der Pfeifenhersteller war wirklich nett, er meinte dann gnädig, im 400-Euro-Bereich gäbe es durchaus gute Pfeifen, die handwerklich hochwertig, zumindest akzeptabel seien.
Ziemlich verwirrt trat ich aus dem Laden.
Da hat mich ein Kind angelacht, ein süßes kleines Mädchen. Ich habe mich umgeblickt. Keiner war hinter mir. Das Lächeln hat wirklich nur mir gegolten. Exklusiv!
Ich bin reich, sehr reich sogar. Fritz Fenzl

Überzeugter Anti-Multitasker

Während ich diese Zeilen schreibe, schreibe ich nicht nur, sondern telefoniere gleichzeitig, kontrolliere meine Mails, lese in einem aufregenden Buch und beobachte im Fernsehen die Bundesliga-Ergebnisse. Klar, dass nebenbei noch der Radio läuft und ich meinem geschwätzigen Besuch (mein Gott, redet die viel!) eine neue Tasse Tee nachschenke. Und das alles nebenher beim Rasieren …
Ich bin eben ein Kind meiner Zeit. Alles gleichzeitig tun und nix g´scheit machen: Das heißt aber nicht mehr „Depp für alles“ oder „Hansdampf in allen Gassen“ oder „Was kannst du eigentlich richtig?“ Nein, es ist modern und windschnittig und nennt sich „Multitasking“.
Dabei ist, - jeder Pädagoge, Psychologe und Verhaltensheini weiß es aus Erfahrung -, das „Alles-Gleichzeitig“ unmöglich. Es führt zu schlechten Ergebnissen und zu Übernervosität. Wer was anderes sagt, macht sich was vor.
Das geht nicht, alles gleichzeitig. Da man sich immer nur auf eine einzige Sache konzentrieren kann. Es wird aber mehr und mehr verlangt, alles gleichzeitig zu tun …
Wirklich?
Muss es wirklich sein, dass ich mit dem Handy telefoniere, während ein lieber Mensch, der mit mir reden will, warten muss mit seinem Argument und zum Zuhören verdammt ist? Dass während des Autofahrens nicht telefoniert werden soll, müsste klar sein. Verantwortungslose Handy-User, wie sie bisweilen ausscherend auf der Gegenspur daherkommen mangels Konzentration, tendieren mit ihrer Handlungsweise schon ins Kriminelle.
Zum Anfang dieses Textes: Ich könnte keine Zeile schreiben, wenn nebenbei auch nur sanfte Musik liefe. Telefonieren während eines Gespräches finde ich unhöflich und demütigend für den anderen. Ich für meinen Teil entferne mich, wenn der Partner ein Handy-Gespräch führt. Selber hab ich gar keins … und lebe immer noch.
Sich auf eine Sache konzentrieren, ist nicht nur effizienter, sondern macht auch mehr Spaß. Man soll das, was man gerade tut, mit „großer Bewusstheit“ tun.
Und auch den Menschen, der gerade vor einem steht, für den wichtigsten der Welt halten und auch so behandeln.
In dem Fall … der Leser. Es grüßt der handylose Anti-Multitasker Fritz Fenzl

In tiefer Betroffenheit

Tief betroffen... 

Auf ein Wort. Man soll sich über die kollektiven Ängste, wie sie uns von Klein an anerzogen wurden und noch werden, keinesfalls lustig machen. Mit die schlimmste aller Ängste aber ist die eingeimpfte Angst. Besser gesagt, die kollektive "Betroffenheit".
Ein Wort das ich durchaus liebe. Doch um wirklich mitreden zu können, wünschte ich mir zwischendrin eine totale Betroffenheit. Egal über und von was. Weswegen ich gerne einmal Politiker sein möchte, wenn auch nur für ein paar Tage. Wobei mir die Partei grundsätzlich wurscht wäre, bin eh Wechselwähler, wenn überhaupt. Doch dieses herrliche betroffen sein zu allen möglichen Gelegenheiten:
„Ich bin zutiefst betroffen …“
„Mir fehlen die Worte ...“
„Ich bin fassungslos …“
„Ich bin erschüttert …“
Ein verbales Highlight aber sind Kombi-Versionen:
„Ich bin betroffen und fassungslos …“
„Mir fehlen die betroffenen Worte …“
„Fassungslos erschüttert fehlen mir die Worte, betreffs Betroffenheit …“
„Betroffen erschüttert stehe ich fassungslos vor Ihnen, mir fehlen die Worte …“
Ja sowas. Fehlten tatsächlich wir Worte, könnte er ja die Betroffenheits-Fassungslosigkeit gepaart mit tiefer Erschütterung ja gar nicht ausdrücken.
Doch ich als treuer Bürger, der alles und jedem glaubt, bin nun betroffen über den Rinderwahn, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, das Crash-Jahr 2012 und den Tabellenstand der Sechziger.
Betroffenheit ist ein Suchtmittel unserer Gegenwart und mischt sich mit bizarren Totenkulten um Promis. Doch was kommt als nächstes? Ein Serum gegen die geimpfte Betroffenheit? Warten wir's betroffen ab. Bis dahin aber völlig erschüttert, fassungs- und fast wortlos. Euer Fritz Fenzl

ALLES IST EIN PROZESS

Irgendwie ging alles viel zu schnell. Ich hatte zugesagt, übliche Bedingungen, Termin passend, Honorar in Ordnung, sehr in Ordnung sogar, weltbekannte Firma. Ich überblickte den Saal aufnahmebereiter Schlipsträger. Aber ich hätte auf die Themenstellung achten sollen: „Innovative Fortbildung“, stand auf dem Programm, das mein Rednerpult zierte. Hätte ich doch bei der Zusage einen Blick auf das Thema geworfen! „Was soll ich denen über innovative Fortbildung erzählen!“ Oh weh. Die wollten etwas hören, wovon ich keine Ahnung hatte: Ich holte Luft, und in der ersten Reihe legten sie die Köpfe quer vor purer Aufmerksamkeit.
„Transfer …“, meinte ich. Alle nickten. „Es kommt nicht darauf an, was sie wissen, es kommt darauf an, wie sie er rüberbringen.“ Ich sah die verstehenden und erleichterten Gesichter. „Verantwortung ...“, meinte ich dann.
„Genau!“, kam es aus dem Saal zurück. Es war der Oberste in der Hierarchie. „Schön, dass Sie das ansprechen. Er sah das Auditorium strafend an und alle senkten die Köpfe. Ich gewann Boden und wiederholte, ebenfalls strafend, die Worthülse „Verantwortung“. Ich rang nach Schlagworten: „Auch Heuschrecken brauchen Mitarbeitereinbindung..“ (allgemeines positives Rauen) Jetzt wurde ich frech: „Alles ist ein Prozess.“ Volltreffer!
Prozessing! Das war es. Nun schrieb auch der letzte mit. Ich sprach nun von Differenzialdiagnostik, dem „Health Action Process Approach“, betonte dabei die Wichtigkeit der Selbstbeobachtung, der Offenheit, Initiative, Veränderungsstrategie, Selbstwirksamkeit …“
„Fragen?“ meinte ich spitz. Aber ich wusste, die da unter gehörten jetzt mir. „Da sie alles verstanden haben, kommen wir zur positiven Selbstinstruktion, Beharrlichkeit, Rückfallbewältigung, dem Normalisieren, dem Praxisprojekt und, wichtig: Future Pace, ein mentaler Schritt in die Zukunft.“
Erst während der Kaffepause erfuhr ich, dass dies alles Firmeninhaber und Topmanager, zumindest international agierende Botschafter waren. Ich wurde sofort für weitere Fortbildungen gebucht. Eine der wenigen Frauen im Saal (sehr gepflegt) gab mir die Privatnummer. „Wollen Sie über kollektives Feedback referieren“? Na klar wollte ich das. Übrigens: Ich wusste auch hinterher nicht, worüber ich bei der Jahrestagung schwafelte (nur bei der Dame habe ich eine Erinnerung). Aber der Vortrag von damals erscheint demnächst ausgearbeitet als Buch. Fritz Fenzl

Das letzte Bladl....

„Bladln foin owe …“, so hätte gar mancher Mundartdichter vergangener Jahrzehnte die nun amtierende Jahreszeit beschrieben. Und irgendeine Hackbrett- und Harfenmusik, vielleicht mit einem Geiger bereichert, hätte die Stimmung gnadenlos be-dreivierteltaktet. Tatsächlich, es gab es Untersuchungen damals, die haben herausgebracht: Der Herbst lässt sich leichter bedichten als alle anderen Jahreszeiten. Das liegt an den Farben und der Schwermut und dem Vergehen und überhaupt. Ein fallendes buntes Blatt gibt einfach mehr her als ein Blatt, das kerngesund und vor Lebenssaft strotzend am Baum prangt. Noch dazu unter so viel anderen Blättern, dass es gar nicht auffällt.
Der Herbst ist einfach ein poetischer Selbstläufer. Der Frühling? Na ja, immerhin. Zartes Grün, brauchbar. Winter? Sense. Keine Blätter, nichts zu beschreiben außer der Leere. - Probieren sie es aus: „Bladn foin owe“ (Herbst); „Bladl hängan rum“ (Sommer); Bladl kemman scho (Frühling); „Bladln? Koane!“ (Winter). Was klingt besser?
Aber die Zeiten haben sich geändert und noch mehr die Geschäfte, vor allem die Ladenzeiten.
In halbwegs bürgerlichen Kreisen, in Geldkreisen sowieso, da ist der Herbst die ersehnte Zeit, da wieder alle „da“ sind. Einladungen nehmen zu, Events gewinnen an Dichte wie ein Kompressor-Motor des sozialen Allradantriebes.
Und das „Shoppen“. Das kommt ganz groß raus jetzt. Es wird kühler, das Anziehen macht wieder Sinn, die Nackthaut-Schweiß-Beschau des T-Shirt-Sommer ist gottlob überstanden.
Original-Sound aus einem edlen Prospekt der „Fünf Höfe“ (Da kauft sich´s wirklich gut ein):
„Der Herbst ist eine gesellige Jahreszeit. Während die Temperaturen langsam abnehmen, nehmen die Einladungen zu privaten und offiziellen Veranstaltungen zu. Es bieten sich also viele Gelegenheiten, um sich auf jedem gesellschaftlichen Parkett gekonnt in Szene zu setzen – am besten als unschlagbares Doppel! Die Modefarbe Schwarz dominiert natürlich auch die internationale Herrenkollektion …“
Stimmt fast: Lila gehört auch dazu, am besten Schwarz und Lila, ein Klasse Beerdigungsdoppelklang. Liturgie überall. Waren das Zeiten, damals mit dem fallenden Bladl …
Fritz Fenzl

DER TRAINER ALS GRALSMYTHOS

Dem Symbol „König“ zugeordnet ist die weiße Lilie, wiederum für Reinheit, Licht, ebenso aber auch für eine liebende Gotteskraft stehend. Wen wundert´s noch, wenn der hiesige Bayern-Trainer die Lilie zu seinem weltlichen Zeichen erkiest?
Van Gaal, ist wie Ludwig II. eine historische Gestalt, (da ist und bleibt er anderen Heilsbringer-Gestalten gegenüber wesentlich greifbarer und damit begreifbarer), dieser gottgleiche Trainer indes ist mehr. Viel mehr sogar.
Er reiht sich lückenlos in die Reihe der Wiedergänger, der Auferstandenen, der Projektionsflächen. Ob er religiös, metaphysisch, machtbewusst oder spirituell gesehen und erlebt wird, spielt da gar keine Rolle.
Welche Rolle hat der König im Märchen? Er ist die ordnende Kraft: stark aber nicht grausam, sanft, aber nicht beliebig oder gutmütig. Der König ist stark … weil er König ist.
Der Trainer ist stark, weil er Trainer ist. Wenn der König krank wird oder verwundet, dann ist das Land krank, (denken Sie an „das wüste Land im Gralsmythos); beim Trainer sind eben die Fans krank. Der Trainer ist ein Symbol.
Das Wort Symbol, aus dem Griechischen „symballein“, abstammend, es bedeutet „zusammenfallen“: Auch beim Ball-Spiel fällt vieles zusammen, zum Beispiel das System. Jedes Symbol hat eine Realität, anschaubar, begreifbar; daneben aber einen unbegreifbaren, vielschichtigen Hintergrund auf einer viel höheren Ebene. Im Begriff Van Gaal vermählen und transzendentieren sich beide Ebenen.
Das Symbol weist, wenn es spirituellen Charakters ist, stets auf eine „Höhere Macht“ hin. Und diese Macht wirkt – durch das Symbol. Oft ist diese Macht einfach nur der Gegner.
Lassen Sie diesen seelengreifenden Real-Mythos also auf sich wirken. Die Urkraft, den uralten Menschheitstraum nach Schönheit und Unvergänglichkeit; das Wollen nach erfülltem Willen. Und auch die Grenzen, die eine Höhere Macht setzt. Zu einer richtigen Lichtfigur gehört immer auch das Leiden. Am besten aber das Leiden der anderen.
Fritz Fenzl

ZEIT FÜR WEIHNACHTSSTOLLEN

Früher war das noch ein Grund zur Aufregung: Warum gelangen die Weihnachtsartikel gar so früh in den Handel? Schon am Ende der Großen Ferien, also mit dem beginnenden September, finden sich in den bekannten Lebensmittel-Handelsketten die einschlägigen Weihnachtsartikel: Nikoläuse, Lebkuchen, Stollen, auch Adventskalender. Aber das alljährliche Thema „Ach! Weihnachten kommt doch viel zu früh in die Läden!“ ist längst ausgelutscht. Ganze Generationen von Glossenschreibern und Predigern haben sich daran die Zähne ausgebissen.
Viel interessanter ist doch die Frage: Warum gibt es die leckeren Stollen erst Ende August zum kaufen? Und nicht schon im Juni, spätestens Juli? Mir persönlich ist ein heißer Sommerbadetag am Ammersee erst dann ein uneingeschränktes Vergnügen, wenn nach dem Schwimmen ein frischer, saftiger Weihnachtsstollen die Brotzeit abrundet. Wenn sich das sommerliche Aroma der Sonnencreme mit dem unvergleichlichen Aroma eines Dresdner Stollens mischt … wissen Sie eigentlich, was Sie versäumen, wenn Sie diesen kulinarischen Overdrive auslassen?
Übrigens: die Weihnachtsbäckereien sind nur dann richtig frisch, wenn sie im Hochsommer in den Handel gelangen. Wirklich: Nur jetzt schmecken die Stollen und Lebkuchen, vor allem aber die weihnachtlichen Schokoladenherzerl noch echt frisch und weich und saftig. Mmmm! Zur Wies´n-Zeit haben solche Leckereien schon merklich eingebüßt, da sollten Sie lieber auf Wies´nherzerl umsteigen. Aber nur kurzzeitlich. Überhaupt ist der Reiz des Neuen, die saisonale Überraschung eines Lebkuchens, im November längst vorbei. Und im Dezember oder gar um Weihnachten rum, da kaufen nur noch Looser solchen Krempel. Wer zu Weihnachten einen Weihnachtsartikel geschenkt kriegt, der weiß immer: Das kommt bestimmt nicht von Herzen, sondern aus einer Verlegenheit heraus. Professionelle Händler haben mir den Sinn dieser „Vorzeitigkeit“ erklärt. Denn die Großhandelspreise sind im Sommer am günstigsten, außerdem muss der Kunde erzogen werden, vorbereitet, sozusagen weichgeklopft, damit er dann im Dezember entkräftet zuschlägt. Wirklich wahr: Um Weihnachten rum tät keiner mehr Stollen kaufen, denn da denkt jeder an den Frühling. Also reinbeißen in den frischen Weihnachtsartikel. Das schlechte Gewissen macht erst so richtig Appetit. Fritz Fenzl

EINDRUCK SCHINDEN

„Ja Klar, sowieso! Warum denn nicht?“, war meine Antwort, als mich jemand fragte, ob ich die diesjährige Literatur-Nobelpreisträgerin kenne. Was dazu führte, dass mein Gegenüber angesichts meines aktuellen Wissens zu schwächeln begann. Dennoch erlaubte er sich die Fangfrage, die ich durchaus unter dreist einstufe: „Und was wissen Sie über Herta Müller?“. Mit einer prompten Antwort meinerseits hatte er nicht gerechnet.
„War schließlich abzusehen ...“, sagte ich selbstbewußt. „… ich hätte auf Amoz Oz oder Philip Roth keinen Pfifferling verwettet!“
Und weil mein Gegenüber nun sichtlich beeindruckt war, schob ich frech nach: „Müller ist eine Aktivistin des Leidens, mich beeindruckt aber vor allem die Sorgfalt, mit der sie über den Verlust der Heimat schreibt…“
Hätte ja auch zugeben können, dass ich keine Zeile der Schriftstellerin gelesen habe. Unter anderem auch deshalb, weil mich der neue Roman von Dan Brown voll in Anspruch nimmt. Die wichtigen Schlagworte aber zum eigentlichen Ereignes, der Verleihung des Nobelpreises, finden sich in jeder Zeitung. Fehlen die Informationen, genügt ein weiser Satz. In etwa so: „Ach ja, der Nobelpreis, wird immer mehr politisiert...!“
Das stimmt grundsätzlich und stimmt noch dazu nachdenklich. Die Aussage wirkt reif und durchdacht …
Was in unserer schnelllebigen Zeit noch ankommt? Ekelwetten anbieten oder sie auzusdenken. Nach der Schweißstiefel-Wette und dem Briefmarkenspeichellecken bei Gottschalk gibt´s noch viele Möglichkeiten in dieser Richtung.
Und natürlich immer wieder auf das „Natürliche“ verweisen. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass man als Edel-Vegetarier ganz gut fährt. Mit der Tierliebe argumentieren, aber nie zu religiös werden. Was noch zieht? Gegen jegliche Anti-Aging-Bewegung zu sein. Brigitte Bardots Aussehen im Alter zu loben ist angesagt und dazu einfühlsam bemerken: „Finde ich einfach nur gut, dass sie auf Natürlichkeit setzt und keine Angst vorm Altern hat!“ Sich diesbezüglich aber niemals auf die Linie mancher Journalistin einlassen, die feststellen, dass sich die Bardot ganz schön gehen lässt. Kommt nur dann gut an, wenn man sich auf einer Party von Schönheitschirurgen und Lifting Monstern wieder findet.
Ansonsten: Guttenberg gut finden, vor den Linken warnen, Merkels stille Strategie loben, die Art von van Gaal gar seltsam finden.
Genial: Seehofers Aufrichtigkeit (!) lobend erwähnen. Das wirkt. Nun ist auch der letzte Partygänger von meinem fundierten Hintergrundwissen überzeugt.
Fritz Fenzl

Sinndeuten ist In

Immer mehr immer mehr, immer mehr. Die Religion des „Mehr“ hat zur Folge, dass sie immer mehr will vom Mehr. Und das möglichst schnell, möglichst jetzt und gleich, denn der Schnelligkeitswahn ist ja auch nur ein Mehrwollen an Geschwindigkeit. Mehr von allem: Mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Glück, mehr Gesundheit, mehr Spaß. Wobei keiner so recht sagen kann, was „Spaß“ denn so eigentlich ist.
Dabei gibt es ein „mehr“, das wirklich Sinn gäbe: Mehr Sinndeuter. Das soll sagen, wir bräuchten mehr Menschen, die mithelfen, persönliche Erfahrungen zu deuten, einzuordnen und in einen größeren (Sinn)-Zusammenhang zu stellen. Das nämlich können die meisten „Mehr-isten“ nicht oder nur unvollkommen: die verschiedenen Lebenslinien einzuordnen, zuzuordnen, Zusammenhänge zu erkennen, „die Welt hinter der Welt“ zu schauen. Wir sehen von unserer Erlebniswelt oft nur vereinzelte Punkte, Sinndeuter aber können Punkte zu Linien ziehen, können auf die „Tiefendimension unserer scheinbar so platten Alltäglichkeit ...“, wie es ein niederbayerischer Kurseelsorger genannt hat, aufmerksam machen.
Keine Angst, ich will jetzt nicht für Berufsdeuter werben, für Pfarrer, Gurus, Psychologen (die am wenigsten), auch nicht für Haarschneider, obwohl deren Talent augenscheinlich ist.
Mir fällt lediglich ein Bedürfnis auf und der vitale Hang zur Selbsthilfe: Der Mitmensch wird zum Sinndeuter. Bei Führungen beobachte ich oft, dass ich gar nichts mehr sagen brauche: Die Teilnehmer driften ab in einen lebendigen und mehr als persönlichen Dialog der aktiven Selbsthilfe in Sachen Sinndeutung. Und oft denkt man, die genialen Antworten kämen „von oben“.
Oder die Schiffsreise vom Sommer: Plötzlich entwickelt sich eine Schicksalsgemeinschaft der gegenseitigen Lebensdeutung und sinn-Erkenntnis. Da hat der Tischnachbar urplötzlich die richtige Antwort für die allerwichtigsten Fragen.
Ist so: Wir öffnen uns allmählich füreinander, obwohl das den offiziellen Sinndeutungs-Betonköpfen aus Religion, Medizin, Politik und Medien gar nicht passt.Aber: Der Mensch ist sich selbst genug, wenn er Mensch ist. Fritz Fenzl

KARRIERE-KICK AUF DER WIESN

Es existiert ein Foto vom diesjährigen Oktoberfest, das mit Sicher bald schon zum „Foto des Jahres“ gekürt wird und sämtliche denkbaren Journalisten-Preise einheimst. Die Zeitungen druckten es, fast ausnahmslos, und kommentierten.
Das Foto zeigt eine bekannte Sängerin mit, zugegeben, super hübschen Beinen. Ein Vermögensberater der Rothschild-Bank küsst ihr die Füße (oder schleckt sie ab, schwer feststellbar, sein Kopf ist arg tief unten), während ein weiterer Top-Banker dem ersteren, dem Füße-Küsser, die volle Maß Bier über den Kopf kippt. Beide Herren halten, trotz der angestrengten Aktivitäten, in der noch freien Hand ein brennendes Zigarillo. Die Sängerin hält in der rechten Hand die Maß und mit der anderen den Rock hoch.
Was sagt uns dieses Dokument?
Nein, um einen Fehltritt geht es nicht. Dann wäre dieses Bild wohl nie gedruckt worden, weil sich die Presse weitgehend an Regeln der Pietät hält. Vielmehr soll durch das Foto das Vertrauen in Banken und Banker wieder hergestellt werden. Die beiden Herren sind namentlich auch bekannt. Bildlich gesprochen wissen wir nur: Der die Füße küssende Vermögensberater nimmt die so oft propagierte „Dienstleistung“ besonders wörtlich. Er spielt nicht mit Luftgeld oder investiert in unberechenbare Größen, sondern er arbeitet mit dem, was verfügbar ist und was überschaubar bleibt.
Der Kontrahent, der ihm die die köstliche Maß Bier ins Genick schüttet, der erachtet den Satz „Was kann ich für Sie tun ...?“ als Aufforderung an sich selbst und an die Umgebung. Er handelt. Und das in einer Zeit, in der andere nur reden.
Junge Menschen warnt man davor, peinliche Fotos ins Internet zu stellen. Diese könnten sich später einmal als unüberwindliche Barrieren im Berufsleben entpuppen.
Dokumentiert jedoch, wie in unserem Falle, ein Foto nicht nur die Peinlichkeit, sondern strahlt auch eine gewisse Aktivität aus, gelten plötzlich neue Regeln. Beide Herren nämlich sollen bereit befördert worden sein. Fragt sich nur, wohin? Fritz Fenzl

O'zapft is...

ZUKUNFTSMODELL??? 

OKTOBERFESTBEIGABEN ALA HARRY POTTER

Wer sich ernsthaft mit dem ernsten Thema “Wies´n“ auseinandersetzt (und nur eine ernsthafte Auseinandersetzung wollen wir uns erlauben), der kommt nicht umhin, das richtige Accessoire zu wählen.
Das Thema „Dirndl“, „Trachtenjackerl“, „Lederhosn“, und (kreisch!) Trachtenanzug wollen wir uns hier sparen. Das geht zu sehr ins Grundsätzliche, Weltanschauliche, ja Religiöse gar.
Es gibt Wichtigeres: Da ist der unverzichtbare, läppische Wies´n-Hut, Sie wissen schon, was ich meine. Einheitsgröße, grau, Polyester mit Filz-Illusion, breitrandig, oben spitz zulaufend. Modell Wurzlsepp, einfach unschlagbar. Generationen von Trunkenbolden sind mit diesem Status-Symbol des kollektiven Massenwahns gröhlend und mit glasigen Augen durch die Hauptwirtsbudenstraße gezogen. Oder den Bavariaring entlang. Nützt alles nichts: der Hut ist und bleibt unverzichtbar.
Warum? Ist Ihnen je aufgefallen, dass er den schwarzen spitzen Zauberhüten des Harry—Potter-Kultes ähnelt?
Kein Zufall. Breiter Rand, spitz zulaufend, konisch: Dies ist, vordergründig, die klassische Hutform der Magier. Nur dass die echten Magier niemals so herumlaufen – sondern herumlaufen lassen!
Überhaupt Fernsteuerung der Massen: Schon zum Morgengrauen des ersten Wies´ntages standen die Menschen vor den Zelten, so wird berichtet. Es war ein echtes Stimulans während der Mühltal-Führung am 19. Oktober, inmitten der wunderbaren, stillen und spätsommertrunkenen Natur auszurufen:
„Stellen Sie sich vor, Sie wären jetzt im Moment auf dem Oktoberfest, anstatt hieran der Würm! Sie wären eingepresst in jene Menschenmenge, die verzweifelt Platz in Zelt sucht ...“
„Oh Gott, nein!“, war da zu hören. „Erzählen Sie nicht solche Horrorgeschichten!“
Zurück zu den Accessoires der Wies´ngänger: In diesem Jahr sind goldene Brezln „in“. Zumeist als Goldkette getragen, als vergoldeter Modeschmuck. Es gibt die Brezln aber auch in Echt-Gold, Platin, mit Brillis belegt …
Klassiker: Das Herzerl, wie man es als Herzerl vom Herzbuben geschenkt bekommt. „A Herzerl für´s Herzerl“.Immer ein Hingucker. In dieser Saison gibt es sogar Herzerl-Taschen. Da geht alles rein, sogar die Hoffnung. Fritz Fenzl

ZEIT FÜR ZWISCHENZEIT

Ist sie also wieder da, die Zeit „zwischen den Jahren“. Wie jedes Zwischenwesen: Skurril, seltsam, faszinierend, manchmal auch bösartig. Nein, lieber Leser, jetzt kommt keine „Tauschbörse“ für überflüssige, ungewollte oder unpassende Weihnachtsgeschenke. Geschenke umtauschen! Was ist das eigentlich für eine bizarre Klientel, die das alljährliche Angebot von Umtauschbörsen, Umtausch- und Rückverschenk-Radiosendungen, Internetforen für unglücklich Beschenkte, Jammermeetings für die Opfer falscher Weihnachtsgaben und die diversen „Flohmärkte danach“ nutzt? Ehrlich, ich habe mich über jedes Weihnachtsgeschenk, das ich seit der Kindheit bekam, narrisch gefreut.
Aber nun zu wichtigeren Überlegungen: Wenn ein neues Jahr anrückt, wird es Zeit für Propheten, Astrologen und Vorsätze-Vorsetzer. So kurios das klingt: Viele Zeitgenossen sind zu eigenen Vorsätzen gar nicht in der Lage, sie brauchen vorgesetzte Zeitungsartikel, in denen Vorsätze-Vorschläge stehen. Also, warum nicht: hier ein Vorsätze-Vorschlag: Prioritäten setzen. Auf gut Deutsch: „first things first!“ Was Priorität ist, entscheiden Sie dann selber.
Nehmen sie sich doch einfach gar nichts vor, - das aber gründlich. Und halten Sie es durch, nicht dass Sie doch noch von Ihren Nicht-Vorsätzen abweichen.
Ernsthafte Vorsätze? Sich von dem Gesundheits-Vorsorge-Wahn fernhalten. Vieles von dem, was gesund macht, macht krank. Astrologen und „Hellseher“ meiden, von dem Wort „astrologus“ ist das bekanntere „Strolch“ abgeleitet. Mit gutem Grund.
So, pfiat Eich, liebe Leser, ich muss jetzt ins neue Jahr hinüberrutschen …
Viel Glück! Der Fritz Fenzl

WAHLKAMPF BERATUNGS-BÜRO

Ohne Worte... 

Zusammen mit ein paar Verrückten, die von der Straße weg sein wollten, habe ich ein Wahlkampf-Beratungs-Büro (WBB) aufgemacht.
„Wird schon keinen interessieren ...“, haben wir uns gesagt, „.. Hauptsache, wir können eine Tätigkeit nachweisen. Das macht sich gut bei späteren Bewerbungen!“
Von wegen.
Die großen und die kleinen Parteien haben uns von Anfang an alle Türen eingerannt.
Dabei haben wir nur Käse erzählt und gepredigt, absoluten Schmarren, den sich mein Spezl Bene nach der dritten Halbe Bier ausgedacht hat.
Zunächst das Rede-Training (es sind übrigens die Tricks des momentanen Shooting-Stars):
-Sich als Bayer geben! „Endlich wieder daheim ...“, sagen, „endlich wieder auf bayerischem Boden …“, oder einen ähnlichen Unfug.
-Auf das Land stolz sein! Egal ob sie links rechts, Mitte oder extrem sind: Preisen Sie ihr Land und immer die Alten.
-In gewaltigen Bildern reden! Nie sagen: „Die Verschuldung beträgt X Milliarden.“ Weil: Kaum einer weiß, was das ist, eine Milliarde. Imaginieren Sie:
„Stellen Sie sich den Watzmann vor, mindestens fünfmal so hoch …!“
Vergessen Sie nie: Der letzte Depp muss kapieren, was Sie sagen wollen. Die paar Intellektuellen, die Ihr Spiel durchschauen, fallen kaum ins Gewicht und bleiben eh der Wahl fern.
-Verteidigen und kämpfen Sie, auch ohne Angriff!
Etwa: „Ich lasse mir doch den Mund nicht verbieten!“ Obwohl Sie eingeladen sind, dazu ein gerne gehörter Redner, vielleicht sogar Geld bekommen und der Saal voll ist, um nur Sie zu hören! Sie „lassen sich den Mund nicht verbieten“. Das kommt an.
Dann die Frage des Aussehens und Auftretens: Springen Sie auf die Bühne wie ein Panther. Sagen sie salopp eine Obama-ähnlichen Platt-Spruch: Statt „Yes we can“ vielleicht „Muss i denn“.
Hauptsache platt und massenkompatibel. Lächeln Sie. Zum Outfit! Sie gewinnen immer, wenn Sie neben lebenden deutschen Politikern stehen. Die schauen alle nix gleich. Nur der v.G. macht was her: Spotten Sie in diesem Fall über das Geschniegelte. Hat der keine Inhalte? Zupfen sie öffentlich an seiner Krawatte.
Besonders wichtig: sie sind die Mitte, egal wie radikal Sie denken. Reden Sie dann einfach von der radikalen Mitte...!
Und lassen Sie andere für sich arbeiten und denken! Es wurde noch nie einer gewählt, der alles selber macht (gilt nicht nur in der Politik).
Wie gesagt, unser Wahlk(r)ampf-Beratungs-Büro brummt. Und wir haben sogar Dumme gefunden, die für uns alles machen (siehe oben).
Nicht vergessen: Wer wählt, hat schon verloren, sagt der Fenzl Fritz

JETZT-PHILOSOPHIE UND SPARLAMPEN

„Lebe nur im Augenblick! Du kannst nur im Jetzt leben! , so rät der Zeitgeist und bringt sogar Bestseller hervor.
Aber: Das Jetzt lebt vom Gestern und ebenso vom Morgen.
Ein Beispiel:
Sie fühlen sich jetzt im Arm eines Geliebten Menschen wohl. Dieses wohlige „Jetzt“ lebt aber von schönen Stunden der Vergangenheit und wird durch weniger schöne Erlebnisse im Gestern sehr oft eingeschränkt.
Dies wohlige Jetzt lebt auch davon, dass ein Glaube an die Zukunft da ist. Man nennt das Vertrauen. Könnten sie ein inniges Jetzt mit dem Partner genießen, wenn er sie morgen verlässt?
„Ach. Ist mir alles egal. Ich bin Ego-Philosoph. Ich lebe nur im Jetzt!“
Von wegen.
Der Jetzt-is-mus ist eine gekonnte Volksverdummung. Keiner kann nur im Jetzt leben, obwohl wir alle im jetzt leben.
Wenige romantisch argumentiert: Stellen Sie sich eine Firma vor, die nur im Jetzt denkt, nicht aus der Vergangenheit lernt und die Zukunft außer Acht lässt!

Als aktuelles Beispiel, die Glühbirne. Schauen sie nach oben an die Zimmerdecke. Was sehen Sie? Eine Birne. Wenn es Abend ist, sowieso, denn ohne Birne können sie nicht lesen.
Die Birne brennt - jetzt.
Das kann sie aber nur, weil Sie eine Vergangenheit hat. Sie ist erfunden, hergestellt, von Ihnen gekauft und in die Fassung geschraubt.
Jetzt brennt sie. Aber das macht nur Spaß, weil sie weiterbrennt, bis sie diesen Text zu Ende gelesen haben. Das ist dann. Wenn dann das Dann ein Jetzt sein wird.
Wenn die Lebe-im-Jetzt-Bestseller recht hätten, bräuchten wir uns nicht zu grämen, wenn bald das gesundheitstötende Blaulicht kommt. Und mit ihm neue Ängste fürs Volk. Nach der Vogelgrippe, dem Rinderwahn und der Schweinegrippe kommt jetzt (!) das Lampenfieber.
Jawohl, das neue Licht löst Fieber aus. Kauf-Fieber, Kaufrausch gar für alte Birnen.
Ich schreibe diesen Text bei Energiesparlicht.
So herrich schön hell. Aber „jetzt“ weiß ich, wie ungesund ich lebe! Euer Fritz Fenzl

Suchmaschine positiv gefüttert

SUCHMASCHINE POSITIV GESPEIST

Irgendetwas stimmt bei meinem Bekanntenkreis nicht. Sogar das schwere Schicksal der Bayern oder Sechziger bringt diese Typen, die ich kenne, nie so recht aus der Reserve. „Lass nur ...“, höre ich dann immer, „ … ´s gibt Wichtigeres!“
Krise? Meine Spezln sind allesamt Krisengewinnler. Über diesen Berufsstand gibt es inzwischen sogar kluge Analysen in den Medien: Wer zu diesen glücklichen Berufsgruppen gehört?
Kleinwagenhersteller, Discounter, Sexartikel-Anbieter, nicht nur das: je mehr Krise, desto mehr Lippenstift; Hifi-Hersteller, Pfandleiher, Hoteliers in Deutschland, Schiffsreisen-Anbieter, Büchhändler (Hähä, Buchhändler und nicht Sportgeschäfte); Schmuckhersteller, Hausbesitzer, Sparkassenbesitzer, Schnellrestaurants, -- ganz zu schweigen von Insolvenzverwaltern, dann Sicherheitsanbieter für Reiche, Zeitarbeits-Firmen und Finanzexpertinnen (aufpassen: innen!), überhaupt, Berater für weibliche Führungskräfte: alles boomt und brummt. Von gewitzten Schreiberlingen, die ein krisensicheres Süppchen aus religiösen Ur-Bedürfnissen, Grundängsten und Eso-Würze kochen, gar nicht zu reden.
Geht aber noch weiter: i-Pod Lackierer, (habe mir gestern den alten Walkman weiß umlackieren lassen, Internet-Suchmaschinen-Erfinder, - Ausbauer, Experten für´s „Netz“ und alles was dranhängt...
Trendy wie nie: Weil jeder Hanswurst jeden persönlichen Kaas ins Netz stellt, hat die Gegenseite (Personaler der Firmen, bei denen einer was werden will) Suchmaschinen, die den Mist rausfiltern und negativ anrechnen. Vorstellungsgespräche finden dann oft gar nicht mehr statt.
Geht aber auch umgekehrt: Positive Dinge ins Netz stellen statt Ballermann-Fotos: wie etwa diese Glosse.
Jeder Personaler lechzt nach einem, der so denkt wie ich! Biete ab sofort einen Beratungs-Service: Was stelle ich „zufällig“ ins Netz, um guten Eindruck zu machen? Behaupten Sie einfach, Sie kennen und beraten…(siehe oben): Kleinwagenhersteller, Discounter, Sexartikel-Anbieter, Hifi-Fritzen, Pfandleiher, Hoteliers in Deutschland, Schiffsreisen-Anbieter, Schmuckhersteller, Hausbesitzer, Sparkassen-Kunden, Insolvenz-Verwalter, Berater für weibliche Führungskräfte, …

Ein Funktionshemd ohne Funktion

„Das ist ein Funktionshemd!“ sagt der Verkäufer mit dem typisch blöden Blick aller Verkäufer in Sport-Fachgeschäften. Ich verirre mich selten in ein solches, aber hier am Urlaubsort … warum nicht?
Ich möchte bei der Hitze viel wandern“, sage ich, „vielleicht auch joggen, da schwitzt man …“
„Deswegen so ein Funktionshemd“, sagt der Verkäufer mit dem Geradeausblick, „ … es ist hoch atmungsaktiv“.
„Bin ich selber auch, denn ich habe eine Lunge“.
Das hat er nicht verstanden, aber ich habe das „Funktionshemd“ gekauft (ganz schön teuer, aber man soll sich nur das Beste gönnen) und bin in der Sommerhitze gewandert. Noch nie habe ich so schrecklich geschwitzt, das Hemd hat den Schweiß innen abperlen lassen und gekratzt hat es höllisch, vor allem an den Stellen der oberen Schulter, an denen die Rucksackträger scheuern.
Tags drauf hab ich das dem Verkäufer gesagt, höflich natürlich. Das Hemd sei der Horror.
„Das berichten viele Kunden“, meinte er und die Augen wurden noch blöder, „ …Sie haben dieses Funktionshemd bei zu hohen Temperaturen getragen …“
„Und?“
„Da müssen sie dann unter dem Funktionshemd ein Baumwoll-T-Shirt anziehen, das den Schweiß aufnimmt, sonst sind die Funktionsporen des Funktionshemdes überfordert.“
„Haben sie auch ein Hemd gegen Schweinegrippe?“, fragte ich. Die Augen wurden noch blauer: „Da muss ich im Zentrallager nachfragen“.
„Komme morgen wieder vorbei“, sagte ich, „… übrigens, was ist, wenn ich nur das Baumwoll-T-Shirt alleine trage bei der Hitze?“
„Da haben Sie mehr Luft, aber keiner sieht Ihr neues modisches Funktionshemd“.
Man lernt nie aus in unserer Gesellschaft. Wenn ich wieder daheim bin, lasse ich meinen Kanarienvogel gegen Schweinegrippe impfen. Fritz Fenzl

Kein Streit im Urlaub

Es ist unbestritten: Im Urlaub wird viel gestritten. Warum das so ist, darüber wird mindestens so verbissen gerätselt und gebesserwissert wie um den läppischen Glauben vom „Urknall“: Die Schaffung der Welt durch ein Siebentagewerk, eine gigantische Explosion (von was?) oder aber die affige Evolution in allen Varianten: Solche Themen sind herrlich für Ideologien und Ideologen, kann doch beim besten Willen keiner beweisen, wie´s wirklich war. Denn keiner war dabei.

Ähnlich die Urfrage des Urlaubsknalls: Warum knallt es im Urlaub so oft und häufig zwischen Paaren? „Weil die so eng beisammen sind“, sagen die einen.
„Weil sie gar nicht zusammenpassen und das im Urlaub erst merken“, wissen es die anderen besser. Nebenbei: Über dieser Frage, warum im Urlaub gestritten wird, sind schon Paare im Urlaub aneinandergeraten, die noch nie vorher gestritten hatten und denen das enge Aufeinanderleben im Urlaub sogar Freude gemacht hätte. Das eine aber trieb sie zur Weißglut: Warum streiten die anderen so oft? Der Streit über diese Frage, eskalierte, nach dem Urlaub kam das Aus.

Klaus und Hildebinge wollten sich dieser Gefahr nicht aussetzen.
Sie besuchten ein Seminar mit Workshop zum Thema: „Wie vermeide ich Streit im Urlaub?“
Das Seminar kostete mehr als der Urlaub im Süden und dauerte 14 Tage. Es war sinnvoll, wegen dieses Seminars den Urlaub abzusagen (trotz immenser Stornogebühren), und Zeit und Geld lieber für das Streitvermeidungs-Seminar zu investieren.
Hochinteressante Theorien wurden von dem Urlaubsfriedens-Guru dargebracht. Wirklich alle gut. Aber welche Theorie sei denn die bessere?
Darüber zerstritten sie sich … u.s.w.
Fritz Fenzl

Das gibts doch auf keinem Schiff

Also, ich habe mir das so vorgestellt: Das Schiff schaukelt sanft auf den Wellen der nordischen Meere. Nachts fliegen, in tanzendem und schaukelndem Trance- und Meditationsformation, glücks- und wellentrunkene Faune und (selbstredend rothaarige) Meeresfeen am Achterdeck auf und nieder. Muss ich noch erklären, dass dieser sphärische Tanz von seltsamen und entrückten äolischen Klängen begleitet wird? Bestimmt aber nicht von bayerischer Blasmusik.
Der Tag besteht aus sehnenden Blicken über das Meer, Fahrten durch kühne Fjorde und …
Es war alles noch viel besser. Warum nicht einmal Urlaub da, wo nicht alles aus Münchnern besteht? Wo man als Bayer endlich einmal selber der Exot ist - und nicht umgekehrt. Dort, wo einen der kalte Hauch das Protestantismus umweht und man nicht pausenlos stolzdeppert verkündigt: „Hähä, ich komme von da, wo ´unser´ Papst herkommt.“
Und wirklich, es gibt eine Welt neben der bayerischen! Extra Bavaria non est vita …, unser FJS hat gerne so angefangen und dann hinzugefügt: „…und wenn es doch eine Welt gibt, dann nicht diese!“
Hier also die faszinierende Welt auf einem Schiff, nicht zu groß und auch nicht zu klein. Nordisches Wetter (diese Zeiten entstehen bei heftigem Regen über dem Meer, die Wolken sind stur wie oberbayerische Heumanndl und bleiben den ganzen Tag da, wo sie sind. Die Persenning hält den klatschenden Regenguss ab und der feine Sprühnebel wird hoffentlich nicht meinen treuen Laptop ruinieren.
Tagesprogramm: Aufwecken, „Fit für den Tag“, dann „Walk a Mile“, „Lichtbildervortrag über Bergen“; der (evangelische) Pfarrer hält einen Kurs über „Knoten binden“. Dass man für den Henkersknoten erst zwei Schlaufen legt, drei Bahnen umwickelt und befriedigt feststellt, wie sich alles zusammenzieht, hab ich nicht gewusst. Jetzt weiß ich, was ein „Steg“ ist und der Knotist hat den Blutknoten erklärt, mit dem wurden aufmüpfige Seeleute auf dem Rücken bestraft.
Die Reise ist wirklich Klasse. Und irgendwann erwisch´ ich die alle in Bayern, wenn sie Urlaub machen, richtigen Urlaub eben, dort wo Gott alles gesegnet hat und leider das Meer vergessen. Fritz Fenzl

Märchenschloss Neuschwanstein 

LUDWIG II. - KRISENFEST

Kennen sie den „König-Ludwig-Weg“? Der führt mitten hinein ins Herz.
Am 13. Juni des schicksalsschweren Jahres 1886 fand König Ludwig II. von Bayern, weltweit als der Märchenkönig bekannt, den vorzeitigen Tod im Starnberger See.
Was für ein grandioses und jahrhundertegreifendes Denken ist damit „untergegangen“! Wenn es denn untergegangen ist. Wie in der Sage werden Wunder wahr: Was untergeht, taucht auch wieder auf. Zeit spielt keine Rolle in der Ewigkeit des Augenblicks.
Des großen Visionärs legendäre Traum-Burg Neuschwanstein im Allgäu, als vollkommene Projektion aller romantischen und romantisierenden Burgträume unübertroffen und geistig geboren aus dem visualisierenden Denken früher Wagneropern-Bühnenbilder, jene legendäre Zauberburg prägt bis heute das „Bild“, wie es jedermann von einem Märchen-Schloss hat. Es wurde Vorbild für Walt Disneys Cinderella-Schloss; der bloße Gedanke an Neuschwanstein weckt archaische Ur-Sehnsüchte in der kollektiven Massenseele.
Erst König Ludwig hat uns „das Bild“ (imago) des Märchenschlosses gegeben. Neuschwanstein ist seelengreifend.
Und die faszinierende Stelle des mysteriösen Ablebens am ganz besonderen Ort, unterhalb von Berg am Starnberger See, trägt heute eine Gedenk-Kapelle, die im romanischen Stil als neu aktivierter Gralstempel Verehrer, Königstreue, und Mystiker anzieht.
Einem folkloristisch geprägten Umgang mit dem „König“, einer romantisierenden Gaudi der „Königstreuen“; schließlich einer touristisch weltweit prima verwertbaren dream-king-Verwertung steht nun mehr und mehr der spirituelle Umgang mit Ludwig, seinem unverstandenen Wollen, seinen tiefen Sehnsüchten und seinem fundierten Wissen um Ort und Kraft des Ortes gegenüber.
Ludwig wird immer aktueller und im Jahre 2011 wird sich der Todestag zum 125sten Male mehren.
Hätte der König eine Krise gekannt? Wohl kaum. So wenig wie Gerhard Schröder, nach dem alle schreien (Schröder und Ludwig!) weil der Gerhard gesagt hätte: „Nix Krise. Basta!“
Man muß die Träume nur haben – und knallig verkaufen. Also Ludwig, komm wieder. Fritz Fenzl

URLAUB DAHEIM

Nun sind die Zeitungen wieder voll mit „Urlaub-daheim“-Ideen. Braucht es dazu eigentlich Ideengeber? Unsere herrliche bayerische Heimat schreit doch geradezu: „Komm! Schau mich an! Mach dir einen schönen Tag mit mir!“
Das Wort „Urlaub“ kommt von „Erlauben“, nämlich die Erlaubnis erhalten, sich zu entfernen. Erlauben wir uns, Urlaubsideen aufzuspießen.
Besonders „in“ ist, immer noch und immer wieder, das Pilgern. Top-Hit bleibt der „Jakobsweg“. Über den ist aber schon alles gesagt, außer, dass es längst ein kollektiver Massenwahn geworden ist, sich individuell selbst zu finden. Warum nicht andere Wege gehen? Wir haben hier in Bayern den „König-Ludwig-Weg“, der ist mindestens ebenso spirituell wertvoll. Wenn nicht noch mehr. Denn ein Märchenkönig, der geheimnisvoll im See verschwunden ist, lässt doch genau so das Wunder ahnen wie ein Jünger, der irgendwo im Meer versumpfte. Für einfachere Gemüter: Jede Biergartentour quer durch München oder gar Bayern ist ein Pilgerweg.
Anderer Urlaub daheim: Sich bis zum Schwachsinn niedergrillen lassen. Ich brutzle, deshalb bin ich. – Lässt sich auch bestens mit der Bierpilger-Idee verbinden.
Dann „Naturparadiese entdecken“. Das sollte aber wirklich jeder selber tun, denn die „Geheimtipps“ aus Wanderbüchern verursachen oft Massenbetrieb. Zudem sind diese Schriften von der ortsansässigen Gastronomie gesponsort.
Urlaub für Neu-Individualisten: Alles, was nicht mehrt deutsch gesagt werden kann und auf „-ing“ hinausläuft: Rafting, Kanu-ing, Todesseil-Jumping, Biking, Climbing, Outdoor-Trekking …

Hilft nur der Rückzug in die Höhle. Höhlen sind gefragt (Grotting?), Tutanchamun hingegen wartet für die Museeing-Freaks tropfsteinfrei.
Oder einfach gar nichts tun? Musik hören. Aber bitte nicht Michael Jackson.
Original Leserbrief-Text (handgeschrieben) von einer 75-jährigen Neuhauserin:
„ … Der Beitrag dieser Woche über Michael Jackson ist direkt eine Wohltat! Ich dachte immer, ich wäre nicht normal, weil ich genauso empfinde. Danke. Jetzt fühle ich mich wieder gut. Herzlichst …“
Also sind´s (mit mir) schon zwei auf der Welt, für die M. J. nicht der größte Musiker aller Zeiten ist. Fritz Fenzl

VAMPIRISMUS UND MÜNCHEN

Nach einem Vortrag samt Führung „Dunkle Mächte in München: Geister, Vampire, Doppelgänger, Wiedergänger, etc), ging´s mit einem Hauptseminar der Münchner Uni in den alten Nördlichen Friedhof. Alle saßen andächtig im Kreis zwischen Grabsteinen und hörten einem Referat zu: Vampirismus. Da ich vorher brav über Zwischenwesen wie den Basilisken an der Mariensäule, Höllensturz-Szenen in der Münchner Kunst und über sonstige Alltagsgeschichten, die mehr als gespenstisch sind, referiert habe, durfte ich zuhören.
Also Vampire! Blutsauger. Gehören die nicht woanders hin, weit östlich von München?
Weit gefehlt.
Erst einmal trugen drei Studentinnen (alle in Schwarz) vor, was so ein Vampir denn sei und wo er herkommt.
Aus dem Skript (das gebe ich nie mehr her): Der Vampir ist sowohl dem Leben als auch dem Tod näher als der Mensch. Der Vampir erlebt eine Entwicklung. Vom untoten Haudrauf wird er im Laufe seiner literarischen Existenz immer feiner und gesellschaftsfähiger. Seine Verwandten sind die „Nachzehrer“, die „Schmatzenden Toten“, „Wiedergänger“, „Lebenden Leichen“. Interessant: Der Vampir ist eine schuldlose Figur, seine Un-Existenz ist zumeist recht tragisch.
Wird noch toller: Vampire brauchen Energie (wer braucht die nicht). Das Blutsaugen war einmal, heute haben die umtriebigen Blasslinge andere Mittel.
Auf einmal bin ich hochgeschreckt zwischen den Grabreihen dieses wunderschönen alten Friedhofs mitten in München:
Mir wurde während des Vortrags klar: München ist eine Vampirstadt!
Denn: Vampire meiden das Tageslicht, Vampire können Lebewesen und auch das Wetter beeinflussen, können Häuser nur betreten, wenn sie hereingelassen werden (Türsteher?); sie leben weiter, auch wenn sie tot sind …
Kennen wir das nicht alles?
Denken Sie nach, Sie werden staunen. Weiter aus dem Referat: Soziale Netzwerke von Vampir und Mensch überschneiden sich, Vampire haben eine Hierarchie: Sherif, Magister, Queen. Kennen wir das nicht alles in München, nur anders?
Wo sitzen die Blutsauger? Eben. Dennoch sind unsere Bier-Vampire harmloser. Wie der Name schon sagt: Vambier … Fritz Fenzl

Tief betroffen... 

MIR FEHLT'S AM "MIA-GEFÜHL"

Läuft da was falsch, in mir? Wie ich drauf komm? Die ganze Welt suhlt sich derzeit in Bestürzung und Betroffenheit und mir geht's saugut. Fehlt mir wohl das passende Gen. Bei der Nachricht nämlich, dass uns Jacko nicht mehr unter uns weilt, ist mir lediglich ein unbedeutendes „aha" entfleucht.
Heißt so viel als wie, es regt mich partout nicht auf.
Ja, wenn d'Sechz'ger ein Spiel verlieren, das macht mich betroffen. Oder wenn wieder einmal meine Lieblingsbank an meinem Lieblingsplatz in meinem Lieblingspark besetzt ist, da könnt' ich auch die Bäume hochklettern. Aber er rührt mich gerade so lange, als dass ich mich ärger will. Das allgemeine Negativ-Gefühl aber in den Alltag hinüberretten, nein, das gelingt mir nicht. Gleichwohl es dem Zeitgeist entspräche und durchaus populär ist.
Beispiel Wetter: „Furchtbar …“, höre ich sie im Chor rufen, „ furchbar, was ist denn das für ein Sommer?“
„Ei was!“, fällt mir da nur ein. „Gott sei Dank ist es nicht so unerträglich heiß, wie es schon oft war." Weil spätestens, wenn der Sommer tatsächlich eintrifft, jammerns eh alle wieder herum, weil es halt gar so heiß ist.
Meine Gleichgültigkeit lässt sich noch steigern. Weil mir die Krise, hausgemacht und hoch gepflegt, da vorbeigeht, wo sie sollte. Meines Erachtens handelt es sich um einen gesunden Reinungsprozess, der leider, und dies macht mich wirklich betroffen, etliche Unschuldige mit ins tiefe Tal zieht.
Selbst der Millionen-Transfers von Ronaldo lässt mich ziemlich kalt. Wenn er das Geld wert ist, mir soll's Recht sein. Und wenn nicht, dann hat er ein ganze Portion Glück gehabt.
Nun aber nochmals zurück zum Härtetest für Bestürzungs-Apathiker: Der Tod von Michael Jackson.
Ich wusste all die Jahre gerade mal, dass es den überhaupt gibt. Nun haben die Medien von einer weltweiten Trauer, Betroffenheit, Bestürzung, von einem Verlustdenken berichtet, das mir ganz und gar fehlt. Bin ich noch ein Mensch, der fühlen, denken und trauern kann? Mir tut jeder einsame alte Mensch in München weit mehr leid als die trauernden Jackson-Hinterbliebenen. Klar, ihm wünsch' ich die ewige Ruhe, die er mit Sicherheit verdient hat. Apropos verdienen - der ehrenwerte Vater von Jackson hat doch schon wenige Stunden nach dem Tod des Pop-Titanen ausgerechnet, was sein Sohn als Toter Wert ist. Weit mehr noch, als Lebender, mutmaßen die Experten. Da schleicht sich aber jetzt bei mir schon a bißerl eine Betroffenheit ein. Und dazu noch die in Hysterie verfallenen Fans, die den Ungeist heraufbeschwören, der dann an seiner vagabundierenden Seele zerrt. Wenn ich könnte, würde ich ihn zum Leben erwecken, damit er weiter Mond wandern kann, für seine mir bis dato nicht persönlich bekannten jedoch tief betroffenen Fans.
Ja, mei. Mia san mia und jetzt hör ich lieber auf, bevor mir noch so ein Fan ins nächste Bier spuckt.
In diesem Sinne - einen schönen, unbeschwerten und wenn möglich auch unberührten Sommer
Eure Fritz Fenzl

CYBORG, KUNSTMENSCH, ERSATZTEILLAGER

Wissen Sie, was ein „Cyborg“ ist? Nein! Keine Schande. Ich habe es, wie viele andere Millionen Menschen, auch nicht gewusst. Also ein Cyborg ist ein Mischwesen aus lebendigem Menschen und Maschine. Weil es das vermeintlich noch nicht gibt, werden damit zumeist Menschen beschrieben, deren Körper dauerhaft ersetzt werden. Durch was? Na, eben durch künstliche Bauteile.
Eigentlich nicht mein Thema. Nun hat die Münchner Uni aus meiner Feder aber einen Vortrag haben wollen, bei dem es um Gespenster, Doppelgänger, Werwölfe, künstliche Menschen, Vampire, Schamanen Parasiten und Doppelgänger geht. Ja, und auch um Cyborgs. So wurde ich mehr zufällig als bewußt auf die Cyborgs aufmerksam.
Dies seltsame Kunstwort, das wie eine Automarke der schwedischen Mittelklasse klingt, ist ein so genanntes Akronym. Es leitet sich ab vom englischen CYbernetic ORGanism: Cyborgs sind aber keine Roboter, die so ganz und gar künstlich hergestellt worden sind. Cyborgs sind technisch veränderte biologische Lebensformen.
Und nun wird´s richtig gruselig. Im Grunde ist jeder Gen-Mais und fast jede Tomate ein Cyborg. Nein, noch kein Mensch. Aber eben ein Cyborg. Die Kunstmenschen „Terminator“ oder „Robocop“ sind also längst von der Wirklichkeit eingeholt. Gibt es doch in der modernen Biologie Bestrebungen, so genannte „biologische Elemente“ (damit sind tatsächlich Menschen gemeint!), mit technischen Elementen zu verbinden. Dabei ist binnenkörperliche Technologie so neu nicht, wie uns Herzschrittmacher, hoch-differenzierte Prothesen und Augimplantate beweisen.
Doch nun kommt die künstliche Zelle oder gar die Verbindung von lebenden Zellen mit „biologischen“ Computerchips. Wie gesagt, ein Grusel-Thema für ein Hauptseminar der Münchner Uni, das hoffentlich immer Fikton bleiben wird. Hofft - Euer Fritz Fenzl

BETROFFEN UND TSCHÜSS
Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, aber mein Gegenüber meinte dann:
„Das ist grenzwertig!“
Ich glaube, wir haben über Geld geredet. Da bin ich nun wirklich kein Fachmann, kann aber so herrliche Schreckens-Szenarien auferstehen lassen, wie zum Beispiel die Satellitenüberwachung unserer Geldscheine mittels eingezogener Metallstreifen und die Identifikation des jeweiligen Besitzers mittels DNS-Code an den verschwitzten Fingern…
„Grenzwertig...“, meinte er wieder.
Da waren wir nicht mehr beim Geld, sondern bei der Sprache, der modernen. Der grenzwertigen, betroffenen und vorortigen.
Die Krise ist nur „gefühlt“, flötete ich.
Gefühlt, wieder so ein Modewort.
„Ich bin betroffen“, so mein Gegenüber.
Anmerkung: Wer in unserm Land nicht ständig betroffen ist, der existiert gar nicht.
„Betroffenheit ist risikointensiv und gewöhnungsbedürftig“, gab ich eins drauf. Denn der Neudeutsche ist in einer Betroffenheitswolke des Gewöhnungsbedürftigen.
Er liebt es risikointensiv, aber ohne Risiko (das ist dann das so genannte „kalkulierbare Risiko“).
Während wir gingen und betroffen plauderten über gefühlte Wahrheiten, waren wir am Ziel. Wir waren also da. Das heißt aber heute „vor Ort“.
Wie lange wir unterwegs waren? Gefühlte dreißig Minuten. Dann, die anderen waren auch schon „vor Ort“, gab es einen grenzwertigen Schweinsbraten, der eine gefühlte Betroffenheit auslöste. Mit einem Wort, gewöhnungsbedürftig.
„Und Tschüß!“, sagten dann die, die „mit Bauchschmerzen“ gingen.
Auch Bauchschmerzen gehören zum Neudeutschen Betroffenheits-Empfinden.
Nicht „Servus“ sagten sie, „pfiad di“, „Wiedersehn!“ oder „Tschau!“, sondern „…und Tschüß“: Also Tschüß mit einem „Und“ vorne dran. Gewöhnungsbedürftig... meint Euer Fritz Fenzl

PROLL-MAMPF ALS PARTY-KNALLER

Zuerst ist es mir in der Davidoff-Lounge der „Allianz-Arena“ aufgefallen: Zu einem hochgestochenen Afficionados-Abend samt sündteurer Zigarren wurde doch tatsächlich zwischen kulinarischen hoch gestochenen Gängen eine kracherte „Brühpolnische mit Ketchup“ gereicht. Auf Designer-Geschirr natürlich, versteht sich von selbst.
Aha, ein kulinarischer Gag, der eine geschmackvolle Reverenz gegenüber dem Fußball-Publikum darstellt…“, so dachten wir. Aber es war dies ein erstes Anzeichen der neuen Proll-Food-Schickeria: Knapp ist in.
Das kommt, wieder einmal, von der Krise. Was für die einen ein Zwang zum Sparen und zum Maßhalten sein mag, ist für andere ein Haute Couture manierierten Einfachheit. Mega-out: Beluga-Kaviar, Champagner, Langusten, Austern, Riesenscampi.
Unglaublich in: Schnittlauchbrot, Butterbrot (!), natürlich Fleischpflanzerl, Eintopf. Der definitive Party-Kracher zur Krise: Bratwurst in der Semmel, mittelscharfer Senf.
Nun, man muss nicht überall den Senf dazu geben. Mir sind eh immer die Fleischpflanzerl das Liebste, egal was es sonst noch gibt.
Für kreative Köche und Party-Ausstatter (wie heißt das Wort? Caterer oder so) ergeben sich da hochkreative Lösungen.
Brotrinde zum Empfang beim Juwelenhändler (tatsächlich schon gesehen) Grünfutter bei einer Partei, äh, welcher?
Apropos Parteien: am Montag war der große CSU-Sommerempfang im „Franziskaner“ mit Ole von Beust als Stargast.
Empfohlener Reduktions-Mampf: wieder einmal Fleischpflanzl. Wegen dem Hackfleisch, das die Wähler bald … usw. Fritz Fenzl

Der Engel der Nacht Foto: picassoda/pixelio

SCHNELLER ABWÄRTS ALS MAN GLAUBT

München hat einen seltsamen Abgrund. Im matten Widerspiegel seiner selbst gebiert München Gespenster.
Der historische Brand der Brücke am Isarfluss… Freimut Scholz hat in seinem phantastischen Buch „Die Gründung der Stadt München“ aufgezeigt, dass das alles vielleicht gar nicht so war, wie es gewesen sein soll?!
„Alles, was zum Begrenzten gehört, zerfällt in Wesenheit und Ort, denn es gibt keine Wesenheit ohne Ort und keinen Ort ohne die Vermittlung einer Wesenheit …“
Aus dem Buch Bahir (Texte aus kleineren kabbalistischen Werken).
Denkort Michaelskirche. Und immer wieder der Höllensturz.
Betrachten wir also das barocke Welttheater: Michael stößt Luzifer hinab, dies Hinab ist aber Münchner Boden.
Hubert Gerhart hat den Zusammenprall der beiden himmlischen Alpha-Männer mit solchem „Drive“ dargestellt, dass von nun an anderen Künstlern nichts geblieben ist, als die grandiose, raumfüllende, urdialektische Art der bildhauerischen Verlebendigung des „Es-kann-nur-Einen-geben!“ nachzuahmen.
Bei Stadtführungen entstehen hier immer wieder Diskussionen vom Feinsten:
Der hochmütige Lichtengel wird schroff des Feldes verwiesen, er wollte sein wie Gott und ist doch nur dessen Geschöpf. Nun darf und soll und wird er Böses tun, verführen, ausloten, gnostische Wahrheiten verbreiten, Früchte der Erkenntnis verteilen wie reife Äpfel und so weiter. Eins wird er wohl nicht: Demütig sein. Oder doch?
Vielleicht ist die Rolle des ewigen Gegenspielers gar nicht so leicht. Oft wird „Willensfreiheit“ als eine seiner (teuflischen?) Triebkräfte genannt. Aber die meisten Menschen tun eh, was man ihnen sagt.
Die Offenbarung …
Da heißt es „… und es entstand Krieg im Himmel …“ (Offb.127ff): Ein Krieg der Gedanken, der hier auf Erden weitergeht, ein erbitterter Kampf um das, was die Menschen denken sollen und dürfen!
Der Höllensturz versinnbildlicht dies, hier in Bayern aber tut sich der himmlische fanatisierte Gedankenkampf etwas schwerer gegen ein natur(religions?)bedingtes „Ja, mei!“ Will sagen: Es is hoid a so.
Es ist so schön hier, dass Gut und Böse sich letztendlich im Biergarten vereinen werden. Fritz Fenzl

GOOOGLE-MAN IN BERG AM SEE

Der Tag stahl sich ankündigungs-schwer durch das Meer der Zeit. Es gibt Tage, die sind gar nicht. Man fühlt und lebt nicht so wie sonst, aber es können merkwürdige Dinge geschehen, anders als an anderen, den so genannten normalen Tagen.
Die Gedächtniskapelle für König Ludwig II. in Berg am Starnberger See tauchte aus dem Dunst des Frühsommers auf. Der Schleier des Vergessens und Verschweigens schien urplötzlich greifbar; grau und mahnend standen die Umrisse des neuromanischen Tempels vor mir. Nicht mehr lange hin bis zum 13. Juni …
Was hatte mich hergeführt? An solch einem Tag im beginnenden Juni?

Der Mann …
schien auf mich gewartet zu haben. Er stand in dem frischen Licht, das an solchen Tagen wie durch eine gigantische Milchglasscheibe dringt. Templerkirchen auf dem spanischen Jakobsweg mit ihren matten Alabasterfenstern kennen diese seelen-entrückende Wirkung.
Mit der weißen Kapuze sah er nicht anheimelnd aus. Ein Guglmann? Jetzt? So früh? Ganz in Weiß? Ohne gekreuzte Fackeln? Aber nein.
Er sei der „Goooogle-Man“, so stellte er sich vor. Das spricht sich genauso aus wie „Gugl“-Mann.
Und er erzählte. Das Wissen der Welt, menschgeworden. Was der wusste! Die Hintergründe der Krise. Von der ausufernden Geringschätzung des Lebens. Von satellitengesteuerten Rollstühlen der Zukunft, von dem Rentnerheer in wenigen Jahrzehnten. Von eisigen Typen wie den Klinsmännern, die allerorten Pseudowissen, kalten Sprüchen und Ablenkung gewachsene Systeme spalten. Von Investment-Dämonen, Insolvenzen der Firmen …
Vom Alleinsein aller. Mir schauderte.
Dann war er weg.
Ohne wegzugehen. Er hatte sich auf im Frühnebel, der dem Licht über dem See weichen musste, verflüchtigt,

Bisweilen ist das schwere, eichene und eisenbeschlagene Tor der Kapelle geöffnet und die Kühle des kollektiven Verdrängens dringt aus der hohen Rundkuppel-Halle. Der Schall der Umgebung sammelt sich unter dem mystisch blauen Nazarener-Himmel, der einen verklärten Sternenhimmel in ewiger Nacht darstellt.

Unten am See, dort wo im knietiefen Wasser das Kreuz steht, schwappen leichte Wellen an die Kiesel und ergeben jene seltsame Melodie, die dem See immer schon einbeschrieben ist. Fritz Fenzl

ABWRACK-PRÄMIE ÜBERALL

Schon lange druckt mich die Idee, mit ein neues Radl zu kaufen. Wäre da nicht die landesübliche Unentschlossenheit: Lieber das alte g´scheit wieder herrichten ...? Man muß doch nicht immer alles gleich austauschen! Oder doch ein neues? Dann der entscheidende Satz aus der Radio-Werbung: „Bringen sie Ihr altes Radl vorbei!“
Warum, wozu? Abwrack-Prämie, und keine schlechte. Gesagt getan. Es hat sogar ein Foto genügt. Im Keller ist mir eingefallen, dass das alte Radl längst schon verkauft ist, also schnell irgendein Foto vom Nachbar-Radl gemacht per Handy. Und Prämie her.
Dann war das Handy selber fällig. Ab und wrack. Der Fernseher. Abgewrackt. Die Möbel aus dem Wohnzimmer (man musste sie diesmal selber vorbeibringen, der Umzugswagen war ganz schön teuer).
Auf was habe ich nicht schon Prämien herausgeschunden: Alte Uhren, Jeans, dafür gab es immerhin 15 Euro. Der Computer, abgewrackt, alte Schallplatten auch noch; sogar Speisereste: Wer den halb gegessenen Teller Nudeln mit Soße beim Italiener vorbeibringt, der bekommt ein neues Mahl.
Seltsam, dass der Profi-Sport noch nicht draufgekommen ist: Abwrack-Prämie für Fußballspieler, die nichts mehr bringen. Was gibt´s für einen abgewrackten Leichtathleten?
Einige Politiker sowieso. Schrottpresse. Hinein damit. Aber hier funktioniert die Abwrack-Praxis eh schon seit langem.
Ein Knüller: Wer den alten Nikolaus bringt, bekommt den neuen Osterhasen günstiger.
Weil grad Pfingsten war: Gibt es eine Verschrottung oder „Verabwrackung“ des Geistes? Etwa altes unbrauchbares Gedankengut abliefern an der Uni, Prämie kassieren, neue Denke mitnehmen. Passt.
Der Gag mit den abgewrackten Partnern ist zu doof, den spare ich mir. Jeder fühlt sich zu diesem Witz berufen. Abgewrackte Ehefrau, schrottgünstiger Exmann und so: Das ist unschön, derart zu denken. Außerdem gibt es für frühere Partner nichts, die kosten eher Geld.
Wie auch immer, ich finde das Zeitgeist-Wort „Abwrack-Prämie“ nicht besonders erbaulich, eher bedrohend. Und irgendwie vollproll. Ich werde mein liebes Auto irgendwann respektvoll verkaufen und nicht verwracken. Hat der treue Daimler nicht verdient.
Wegen mir könnte man das blecherne Wrack-Unwort verschrotten, ganz ohne Prämie.

DES HÄTT I FEI SÖIWA NED GLAUBT!

Entlang der „Königs-Linie“, von München bis Neuschwanstein, geschieht eine Reihe von mystischen und unerklärbaren Morden. Diese kerzengerade „Königs“-Linie hat es wirklich in sich. Denn auf jener hoch aktiven „Schicksals-Strecke“ liegen, von München in Richtung Neuschwanstein, betrachtet:
Die Lindwurmstraße in München, die Roseninsel, der Peißenberg, die Wieskirche … einfach auf die Karte schauen. Sogar das kleine Stück der Münchner Stadt-Autobahn, die „Garmischer“, wie sie auf Schloß Fürstenried zuführt, liegt genau „auf der Linie“.

Und nun diese seltsamen Fälle von Ableben, die durch gezielten Energie-Raub entstehen. Die Fälle lassen sich schwer durchschauen und verborgene Motive nur dann lösen, wenn erkannt wird:
All dies geschieht genau auf einer schnurgeraden energetischen Linie, die heute erst ihre Machtwirkung entfaltet!
Die „Lösung“ der Fälle gibt einen Einblick in das Geheimnis um Tod und Auferstehung Ludwigs II., um Macht, Steuerung der Massen und die Rolle der gegenwärtigen Geistesfürsten, die uns glauben machen wollen, was wir glauben sollen.
Und wo? In Bayern. Ja wo denn sunst.

Es ist der Umgänger „König Ludwig“, der ebenso wie das große Vorbild aus dem neuen Testament nie richtig gestorben ist, sondern nur „hinabgestiegen“ und auferstanden. Er wird geliebt, und wer geliebt wird, der ist niemals tot oder tot zu kriegen.
Und noch mehr: die Bundeslade findet sich in der Fürstengruft der Michaelskirche in München, das Grab des Königs ist indes leer …
So weit so gut.
Es sollte ein Kraftort-Krimi werden, in dem in ironischer Weise gesagt wird: Wer geliebt wird, der ist nicht tot zu kriegen. Nun reiht sich Führung an Führung, ich tingle von Buchhandlung zu Buchhandlung; die Volkshochschule Starnberg ist eingestiegen und am 29. Mai ist der Gasthof zur Post in Berg-Aufkirchen ausgebucht: Buchvorstellung, wenn ich dann noch ein Buch habe. Dabei war alles doch nur eine Idee.
Manchmal überholt einen die eigene Phantasie und wird - was? Wirklichkeit. Oder es ist dann doch alles wahr und - der König lebt.
Tut er auch, aber wo? Wieder eine Idee
vom Fritz Fenzl

Chillen oder abhängen? 

Chillen, relaxen oder einfach nix doa?

Was machen Sie eigentlich im nächsten Urlaub? Aha: „Den Flieger nehmen“. Man sagt immer „den Flieger nehmen“, statt „wohin-fliegen“. Warum auch nicht. Und dann? Wenn der Flieger da ist, wo er hin soll?
„Kommt drauf an ...“, höre ich Sie sagen, lieber Leser. Der eine besichtigt und bildet sich, der andere treibt Sport …
Und dann …
Wann?
Also dann, wenn gar nix getan wird? Wenn sie zum Beispiel am Strand liegen?
„Tschill´n …!“ sagt da einer.
Wie bitte?
Ich chille.
Ah so. Was ist das bitte, chillen. Das Wort hör´ ich jetzt so oft. Es bedeutet wohl …
Reläxn.
Nochmal?
Wenn Sie´s genau wissen wollen: Relaxen. Ein englisches Wort für chillen. Gut. Was aber ist das, relaxen?
Also, relaxen … das bedeutet … sagen wir: abhängen.
Bitte? Was bedeutet das denn wieder, abhängen?
Na einfach, „die Seele baumeln lassen“.
Aha, da kann ich mir jetzt was vorstellen. Wenn die Seele baumelt, dann…
Dann ist das extrem chillig.
Jetzt ist alles klar.
Wir reden vom Ausruhen. Von der Erholung. Vom Auftanken neuer Kräfte durch bewusstes Nichtstun. Pause machen. Wem das Wort zu langweilig ist, der sagt´s halt dann auf Bayerisch:
Nixdoa.
Da ist Bayerisch zum beliebtesten Dialekt gekrönt worden (kein Wunder), und wir sagen seltsame Englischwörter, die so phantastisch auf Bayerisch klingerten (klangatn):
G´schdingat sei!
Wer aber g´schdingat ist, der ist vielleicht sowieso faul.
Doch auch der Fleißige kann nach getaner Arbeit … durchschnaufa.
Nix mehr doa für heit.
Nix doa. Ganz einfach: Chillen.
Fritz Fenzl

OH MEI - DER MAI IST EIN BESONDERER

Wird wieder eine ereignisreiche Woche. Und ein noch ereignisreicherer Mai. So herrlich viele Veranstaltungen, noch dazu eigene. Wer mit Unterhaltung zu tun hat, der ist immer gut dran. Denn die Menschheit will und muss unterhalten werden, mehr denn je. Für Unterhalter ist das Wort Krise Fremdwort, wenn nicht gar Aufforderung.
Man sieht das auch daran, welchen Stellenwert das unerwartete Ableben eines wirklich bedeutenden Gurus der Unterhaltungsmusik hatte. „Unersetzbar ...“, sagte da einer der Getreuen. Dabei hat es fast den Anschein, dass Unterhalter von Format nach dem Tod erst richtig zur Hochform auflaufen. Fängt schon mit der Mega-Beerdigung an …
Überhaupt, wer in der Münchner, P1-erprobten Vorhöllengesellschaft groß geworden ist, der bleibt auch über den Tod hinaus ein guter Unterhalter. Der macht die eigene Beerdigung zum Top-Event.
Vielleicht ist „Unterhaltung“ die geheimnisvolle Formel für Unsterblichkeit?
Oder der Aberglaube? „Hunting for superstition“ heißt eine Ausstellung in der Pasinger Fabrik. Auch Aberglaube hat einen hohen Unterhaltungswert, und was für einen. Wen´s interessiert, am 20. 5. lautet mein Vortrag „Do you beliefe in magic?“ Es geht um Unterhaltung und angewandte Magie in München. Eine Veranstaltung der Stadt, da schau her.
Seit diesem Monat Mai samt den seltsamen Ereignissen wird mir klar, worüber beim Thema „Magie in München“ zu reden sein wird.
Über Wiedergänger.
Das hat was. König Ludwig war so einer … und wieder ein Vortrag, am Freitag, 29. Mai, in Aufkirchen über dem Ostufer vom Starnberger See. Da ist gleich daneben ein Friedhof und dort liegt der Fischer Lidl. Der wiederum hängt untrennbar mit … wissen Sie´s? Eben, mit König Ludwig hängt der zusammen. Ich werde über das Weiterleben (!) des Märchenkönigs reden (siehe Termine auf der homepage).
Ganz unter uns: Keiner hat so einen Unterhaltungswert wie der herrliche Bayernkönig. Ich freu mich auf die Buchvorstellung „Energetische Morde“ unmittelbar am See. Nur, die Sache mit der Bundeslade in der Fürstengruft, die wird mir dann doch nicht jeder glauben. Aber, Unterhaltung … (Führung der VHS Starnberg zu diesem Thema am 28 Juni, Dampfersteg Berg.) Fritz Fenzl

WIR WOLLEN MEHR GRAU

Der Gedanke, die wunderbare Theatinerkirche, wie sie den Odeonsplatz in einmaliger Weise dominiert, ihres wundersamen Ockergelbtones zu berauben und durch das alltagsübliche Einheitsgrau zu ersetzen, das hat was. Erstens gäbe die Rück-Vergrauungs-Aktion allen Gescheitmeiern recht, die irgendetwas von Stadtgeschichte und Kunst am Bau wissen. Oder wissen wollen. Tatsächlich „gehört“ diese Kirche, gemäß ihrer Stilepoche (erste im Stil des italienischen Spätbarock erbaute Kirche nördlich der Alpen) in abgestufte Grautöne gefasst, so wie man das als italienbesuchender Kirchenfan gewohnt ist. Nur: In Italien herrschen andere Lichtverhältnisse!
Das lichttrunkene Flimmern dort in südlicher Luft, wie es an so beneidenswert vielen Tagen herrscht, dieser Licht-Überfluss umspielt das weißliche Grau der dortigen Kirchen mit einem weit in die Betrachterseeele dringenden optischen Lockruf.
In München? Oft regnet es oder schneit es gar oder ist Herbst, und wenn die Sonne scheint, dann findet sie in dem warmen Ocker ihren seelenverwandten Widerschein.
Aber stimmt schon: Das alles ist im wahrsten Sinne „aufgetüncht“, es hat viele Gründe, dass die Kirche heute so (schön) ist wie sie ist. Man hat irgendwann auch keine andere Farbe gehabt und Geld sowieso nicht. Heute, da der Wohlstand aus allen Poren des Seins dringt und wir wirklich keine anderen Sorgen haben, da wird sich irgendwann der Purismus der Denkmalschützer durchsetzen. Grau her! Zurück zum Echten und Wahren! Da die gemütlichen Zwiebelhauben so wenig zur Frauenkirche gehören wie das Ockergelb zur Theatinerkirche: Weg damit. Rasiert die Zwiebeln ab. Auch hier verbürgen alte Stiche vom Dom, dass noch viel zu tun ist, um die Münchner Welt sachgerecht zu verschlimmbessern.
Haben wir also neben der Vogelgrippe, der Schweinegrippe, dem Rinderwahnsinn und den Computerviren eine neue ansteckende Krankheit:
Alles muss „stimmen“, auch wenn dann nichts mehr stimmt.
Fritz Fenzl

GROSSKOPFERTE UND G´SCHWOLLTIS

„Großkopferte …“, sagt man in Bayern. Und meint selbst ernannte Halbgötter, wie sie auf Partys und hehren Staatsempfängen götzengleich ihre wichtigen Häupter zur Schau stellen. Etwa so, wie die erhaben und majestätisch im Revier umherstreichenden Löwen, jene bekannten und allgegenwärtigen Wappentiere Bayerns, deren männliche Exemplare zu Imponierzwecken die volle Mähne blähen und eben „großkopfert“ daherkommen.

Großkopfert waren aber auch die keltischen Gottheiten!
Vielleicht erinnern Sie sich an Darstellungen von dürren Manndeln mit dennoch auffallend großen Köpfen. Kultfiguren, Gottheiten, die wir heute „heidnisch“ nennen würden.
Und heute sind solche Figuren mit dünnen Gliedmaßen und großen Köpfen (manchmal auch dicken Bäuchen und großen Köpfen) Halbgötter des Materialismus. Anwälte, Immobilienmakler, bis vor kurzem auch Ärzte und Investment-Banker! Over! Auch das sind okkulte Größen. Deren Macht ist bzw. war wohl allgemein sichtbar, fußt aber im Verborgenen. Nummernkonten sind Okkultismus pur.
Kenner sagen und denken laut, wo „unsere“ Religion denn herkommt. Vom Christentum? Schon, aber eben erst viel später. „Unser“ Christentum bedeutet das Werk der iro-schottischen (durch und durch keltisch-druidisch gefärbten) Wandermönche ab der Mitte des 1. Jahrtausends nach Christus. Unserer Naturreligion wurde eine Erlöserreligion aufgedrückt.
Schauen Sie sich die „Heiligen“ einmal genauer an: Zumeist eingefärbte keltische Kultgrößen. In wenigen Tagen, zum 1. Mai: Walburga, eine christliche Heilige; aber Walpurgis … Hexensabbath!
Den feiern wir nun jeden Tag, was das Geldwesen anbelangt. Wenn schon andere Feiertage abgeschafft sind. Fritz Fenzl

ROLLE VON PAPIER

Sicher kein Zufall, dass ein Wettbewerb für Papierflieger stattgefunden hat. Natürlich, bei allem gebotenen Spaß, mit dem nötigen deutschen Ernst. Das geht schon aus dem Wort „Meisterschaften für Papierflieger“ hervor und der gehobenen Lokation, keiner geringeren als der Außenstelle des Deutschen Museums auf der Flugwerft Oberschleißheim.

Es gab Ausscheidungen, Qualifikationen, und einen ersehnten End-Austragungsort für die besten der Fliegerfalter. Begeisterte Zuschauer und Schiedsgerichte wie immer: Schneller, höher, weiter.

Fliegen, ein Traum der Menschheit. Zumeist aber hoch technisch und teuer. Der Papierflieger indes ist (im wirklich wahrsten Sinne des Wortes) billig. Nicht billig im ethischen Sinne, sondern preisgünstig wie sonst nix. Sein Wert: Das Können des Falters und Werfers. Kunstvoll sind die Modelle, technisch perfide einfach mit einem unvergleichbar günstigen Verhältnis von Gewicht, Stabilität und tragenden Flächen.

Der Sport zur Krise! Wenn das Geld fehlt, dann kommen die alten Werte und uralten Verlustigungen. Vorbei die Zeiten hochgerüsteter Flugmodelle mit teuren Materialien und phantastischen Mehrkanal-Steuersystemen?

Und, wenn das Geld wirklich bald nix mehr wert ist: Wie wär´s mit einem Flugtag der gefalteten Geldscheine?

Weggeworfenes Geld mit Unterhaltungs-Effekten.

Zudem ist dieser Sport ungefährlich, umweltschonend und so herrlich (darf ich es sagen) kindisch. Sogar Studenten können es nicht lassen, während langweiliger Vorlesungen spitze Flieger segeln zu lassen.

Geheimtipp aus dem Manager-und Redner-Seminar: Wenn während Ihres Vortrages Papierflieger in Sicht sind, dann fangen Sie an, gewaltig zu langweilen. Kommen Sie zum Ende, sonst segeln Sie raus. Fritz

SCHÖPFUNG, URVIECH UND SCHLANGE

„Dann wird der schlafende Kaiser wieder aus dem Berg herausfahren und wird seinen Heerschild an den Baum hängen. Und dann wird eine Schlacht anfangen, daß den Streiten das Blut bis an die Knöchel steigen und in die Schuhe rinnen wird´“ (aus: Wir Bayern!) Urmythen bewegter Epochen. Die Schlacht ist aber gar nicht so weit weg. Jeder gegen Jeden. Jung gegen Alt. Links gegen Rechts. Mann gegen Frau. Arm gegen Reich.
Wer gewinnt? Keiner.
Darwinisten, Kreationisten, Urknall-Fanatiker, Gottesleugner, Ignoranten, Missionare aller Gattungen und Skeptiker … jeder hat recht, jeder darf sich wichtig machen.
Scheinbar.
Aber, auf einmal kommen die alten Werte wieder. Die Krise reinigt.
Für den Bayern ist der Vorgang nicht so ungewöhnlich. Nur natürlich. Die Natur reinigt sich auch immer wieder. Nie zum Nachteil.
Wer glaubt, was im Buche steht, der liest in der Bibel nach (Genesis) und glaubt an die beiden so wundersamen, poetischen und bilderreichen Schöpfungsberichte.
Da steht drinnen, dass Mann und Frau sich brauchen. Und beide brauchen die Natur (das Paradies), - was aber umgekehrt nicht gilt.
Eigentlich nehme ich das alles mit Humor. Seit es aber Zeitgenossen gibt, die der „Abwrack-Prämie“ nachlaufen (was für ein scheußliches Wort das ist), glaube ich auch, die Zeit ist reif.
Prämien für Zerstörung gibt es sonst nur im Krieg. Fritz Fenzl

Für die Stille am Karfreitag

Kreuzweg 

Ein wilder Traum war das: Endlich sind in Bayern alle Feiertage abgeschafft worden. Das nihilistische, aber dennoch geldverdienerische Geschrei derer, die an nichts Freude haben außer am Dagegen-Sein und an der Enthaltsamkeit von allen traditionellen und sittlichen Normen, es hat diesmal gesiegt.
Wurde auch Zeit. Die diesjährige widerliche Diskussion von Szene-wirten „Warum ein Tanzverbot ausgerechnet am Karfreitag?“ hat sich in meinem Alptraum durchgesetzt: nicht nur das. Am Karfreitag wird nun besonders laut gefeiert. Eine Art Love-Parade all derer, die es nicht aushalten können, wenn die Christenheit einen stillen Tag begeht.
Eine laute Parade die Leopoldstraße auf und ab: „Wir lassen uns das Lautsein nicht verbieten! Nieder mit allen, denen Stille heilig ist.“
Ein böser Traum, freilich. Aber in den Zeitungen existiert diese unselige Diskussion als zynische Realität. Selbstverständlich soll dabei der freie Tag an sich nicht abgeschafft werden, jenes ausschlafselige Zuhausebleiben-Können, das den Feiertag ausmacht.
Nur, dass es halt mit dem Bewirten von besinnlichen Gästen nicht gut aussieht, mit Gästen, die am Karfreitag weder saufen noch gröhlen oder tanzen, sondern fasten und in sich gehen, das … ja, das gehört verboten.
Um ehrlich zu sein: Ich mag das Kirchenjahr. Ja ich liebe es. Stellt doch der stets sich wiederholende Kreis des Lebens, der sich in diesem Feier-Zyklus darstellt, wie er die vier Jahreszeiten wiederspiegelt, stellt der „Circle of Life“ das bayerische Leben in wunderbarer Weise dar: Werden und Sterben; Fest, Feier, Lob, Dank und Hingabe an die Schöpfung, alles ist da.
Was für ein grandioses und spektakuläres Gesamtkunstwerk. Und Trauer gehört eben auch dazu, manchmal.
Ich sehe mich als Teil unserer gewachsenen Kultur … und bin froh, dass man das im Moment (noch) laut sagen darf. Fritz Fenzl

ABSTÜRZEN WILL GELERNT SEIN

Zugegeben: Die Menschen ändern sich. Wer genau hinschaut, der merkt, dass immer mehr „spinnen“ oder ganz einfach aggressiver geworden sind. Die Morgen-Gesichter in der Münchner U-Bahn sprechen da eine grausige Sprache. Schuld? Wie immer die Krise. Wer die Krise nicht selber spürt, dem wird sie eingeredet.
Echte Positiv-Denker, die finden aber überall etwas Brauchbares. Das sind zum Beispiel Gurus, medizinisch relevante Autoren von Glücks-Büchern („Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“), Krisenberater, Priester sowieso - und neuerdings auch „Pleite-Manager“.
Den Trend der Zeit erkannt! Die Branche, zu der ich längst die Fühler ausgestreckt habe (und umgekehrt) hat sich aus dem diskreten, dunkelanzugigen Trauer-Business entwickelt. Wie auch anders? Undertaker haben immer schon die feine Diskretion des Abschieds im Blut, können damit umgehen und auch die richtigen Worte finden. Ein feiner Job, wenn man nicht selber betroffen ist!
Das Pleite-Management hat sich über die Beerdigungs-Kultur und den „Trauer-Reisen-Anbieter“ entwickelt. Es gibt eine blühende Branche, die gefallene Manager auffängt, tröstet, „begleitet“. Wer je mit geschassten Top-Leuten gesprochen hat und deren Tränen geschaut, der weiß, wie offen die sind und nahe daran, den (männlichen) Verstand zu verlieren.
In solch einer Situation bietet sich eine eigens gestylte Urlaubsreise an. Dort gibt es neben Flug, Hotel und körperlicher Versorgung die „seelische“ Versorgung. Die uralte Frage nach Werten und dem wahren Sinn des Lebens. „Ikarus“ heißt solch ein Anbieter, denn dieser luziferische Mächtegern der Göttersage hat ebenfalls zu hoch hinaus wollen.
Bei meinen Führungen tauchen solche Ex-Machtis auch gerne auf. Die sind überraschen offen, menschlich und ehrlich. Und aus der kalkulierten Geschäftsidee „Führung gefallener Führer“ wird urplötzlich etwas sehr Menschliches.
Vielleicht ist Geld doch nicht alles! Fritz Fenzl

s'Wetter, s'Bayern-Soli und tiefe Betroffenheit

Wenn mich manchmal Leser fragen, „sag einmal, wann fällt Dir denn das alles ein?“, kann ich nur wahrheitsgemäß antworten:

„Mir fällt das gar nicht ein. Es sind die anderen, die mir die Steilvorlagen liefern." Ist nicht die Welt selbst eine einzige Glosse? Und manchmal ist der Wahnsinn des Alltags gar nicht so lustig. „Wenn alle Amokläufer Wasser trinken, heißt das noch lange nicht, dass alle Wassertrinker zu Amokläufern werden“, sagt der Mitorganisator der Comuterspiele-Bundesliga. Solche Statements sind eine reale Bös-Glosse: Counterstrike-Spielen wird von den Veranstaltern gar noch als „Gedächtnistraining“ und typisch für Einser-Abiturienten hingestellt. Gefahr oder nicht: Wer stundenlang per Mausclick Menschen ballert, ist selber balla.

Schon lustiger: Es gibt jetzt einen Welt-Wetter-Tag. Für was alles es Tage gibt, von der Milch über Sparer bis zu Männern, Kindern und Frauen. Kann man also sagen, nicht nur Frauen, sondern auch Männer haben ihre speziellen Tage.

Grandios: Der Oberg´schwollti vom FC Bayern fordert zwei Euro, damit der rote Verein international mithalten kann. Ich finde eher, die Bayern sollten mir zwei Euro bezahlen, weil ich deren Sprüche und den Klinsmann aushalten muß. Aber fordern ist in wie nie zuvor. Spenden wir also für Opel, für alle Firmen, deren Magement versagt hat; spenden wir für abschwimmende Banken, den FCB sowieso, unterstützen wir Comuterspieler und ebenso Institute, die Computerspiele mit Betroffenheit verhindern, spenden wir für das Wetter und alle, die demnächst streiken oder uns vor Streik verschonen.

Ein neues Berufsfeld tut sich auf: Betroffener. Die Fernsehbilder bringen fast nur noch „Betroffene“ ich selber kenne keinen. Nur meine Freunde, die Sechz´ger-Fans, die sind Dauerbetroffen, und das ganz schön echt. Euer Fritz Fenzl

Gestatten, mein Name ist... Felix!

Felix und Anna nicht im gleichen Stadtteil zu Hause
Die Münchner Stadtteile sind in ihrer „Seele“, dem Fluid, der Besonderheit des Ortes, so verschieden, dass es oft verwundert, wie solche seltsam und gründlich getrennten energetischen Zonen in einem einzigen urbanen Gebilde zusammenhausen können, das „München“ heißt. Und erst der Ruf. Der bedingt, dass es die und die Menschen hierher zieht oder dorthin. Namen von Stadtteilen und deren Einschätzung nenne ich lieber nicht. Nur nicht werten. Und dass Nymphenburg und Pasing etwas Besonderes sind, braucht gar nicht erst erwähnt zu werden.
Einen recht handfesten materiellen Niederschlag, eine bodenständige „Erdung“ findet dies lockere Schwadronieren über Stadtteil-Energien dann in den Quadratmeterpreisen. Was gut ist, ist auch teuer. Was nicht gut ist, bleibt trotzdem viel zu teuer.
Nun aber gibt es schlaue Erhebungen darüber, wie die Münchner derzeit ihre Babys nennen – und in welchen Stadtteilen welche neuen Erdenbürger welchen Namen zu erwarten haben.
„Ich habe dich beim Namen gerufen ...“, so spricht der Herr. Und er meint damit natürlich auch den Namen des München-Teils gleich mit. Denn das statistische Amt der Stadt München hat nun die Babynamen nach Stadtvierteln untersucht. Heraus kam ein kühner Namens-Atlas, der durchaus aussagekräftig ist, welche soziale Schicht zu welchen Benennungen tendiert. Pasing? Ein Felix-Ort. Wen wundert´s. Wenn doch Felix der Glückliche ist. Dagegen sollen in Schwabing die meisten Mädchen Anna heißen. Vielleicht, weil man Anna ebenso rückwärts sprechen kann wie g´radaus. Ein biblisches Backword masking.
Fazit: Je gediegener, desto Maximilian. Stadtteile, die noch nicht so ganz den Stempel „feine Adresse“ verdienen, lieben Vanessa. Ein Trost: so etwas wie „Kevin“ taucht nirgends als Häufung auf. München liegt halt doch in Bayern. Fritz Fenzl

Von bös' zu bläääd...
Fragt mich doch einer, was den eigentlich „böse“ bedeuten soll? Eine böse Frage. „Das Böse“ hat immer die Tendenz, unerkannt zu bleiben oder wenigstens unerkannt bleiben zu wollen - und anonym. Das Böse ist in seiner Grundstruktur durchaus okkult im eigentlichen Sinne. Verborgen nämlich im Zentrum seines Tuns, offen (fatal, zersetzend, zerstörerisch und immer irgendwie trennend) in der Auswirkung. Dann aber teuflisch geschickt und in die falsche Richtung weisend.
Das berühmte, geläufige und so verharmlosende „Ich war es nicht!“
Auf Bayerisch: „I? I war des fei nia nia ned!“
Schon Rumpelstilzchen freute sich „teuflisch“ in seinem bekannten boshaften Freudentanz, "gut dass niemand weiß ... dass ich R… heiß!“
Ein modernes Rumpelstilzchen unterzieht sich heute ganz gewiss der Schönheitschirurgie.
Das Böse, das wirklich Böse will und darf nie beim Namen genannt werden, sonst verliert es massiv an Macht.
Aber nun weniger Ernst: Schauen wir „das Böse“ an, das so Böse gar nicht ist, sondern nur durch geniale Pressearbeit verteufelt wurde. Und das sind die meisten so genannten heidnischen Bräuche und Sitten, in Bayern allemal.
Dazu gehören fast alle Fruchtbarkeitsbräuche und jede Art, sein Denken selber zu bestimmen. Ohne Dogma. Was nicht steuerbar ist, ist sowieso böse.
Der Deifi in Bayern? Nicht umsonst redet man vom „blädn Deifi“ und vom „Armen Deifi“.
Und die Tatsache, dass in der S-Bahn zum Flughafen bald Bier zu kaufen ist, beim MVV indes ein Bierverbot (zurecht) gilt: - Ist das böse? Weniger. Des is einfach nur ganz scheee blääääd. Fritz Fenzl

WARUM BAYERN ANDERS IST

Die wirklich guten Bücher sind oftmals gar nicht so bekannt und auch nicht populär. Woran das liegen mag? Vielleicht fehlt denjenigen Autoren, die wirklich etwas zu sagen haben und die sich mit Herzblut oft über Jahre hin in eine spannende Materie hineinversenken, der Geschäftssinn? Jenes unbenennbare Gefühl für genau das, was „ankommt“? Das Internet ist da ein wahrer Segen. Was der interessierte Leser dort findet, vorausgesetzt er sucht auch, einfach genial. Eine Traumlandschaft für Leseratten.
Schade nur, dass das Internet jenen kleinen, feinen und geistig so unendlich wertvollen zwischenmenschlichen Bereich des persönlichen Tipps ersetzt:
„Du! Das musst du unbedingt lesen! So wie ich dich kenne und deinen Geschmack, wirst du begeistert sein!“
Hat mir also nach einer Führung eine Dame ein Buch in die Hand gedrückt mit dem Hinweis: „Das müssen (!) Sie lesen, gerade Sie!“. Das Werkchen wurde in einem kleinen Verlag produziert, den ich nicht kenne (Sitz in Köthen, wo ist das?), stammt von Harald Falter und heißt „Warum Bayern anders ist“.
Ist Bayern wirklich anders?
Und wie. Dies darzustellen, genügt nicht der Platz von einem „Spitzerl“. Und es geht auch bei weitem nicht nur darum, selbstverliebt im Mia-Samma-Mia-Sumpf zu versacken. Bayern hat eine andere Religion (und keiner merkt´s) und Bayern bewegt die Welt – schon immer (und keiner merkt´s). Allein die drei „Werkmale“ des Menschseins, da wo die Kultur anfängt: Werkzeug, Bild und Grab. In Bayern? Alles ganz, ganz anders. Sogar das Jenseits ist in Bayern anders. Weil es schon da ist.
Warum steht all dies nur in unentdeckten Bücher? Dass etwa die postchristlichen Großideologien Marxismus, Faschismus und Liberalismus am selben Punkt und damit an sich selber scheitern? Mehr sog i ned.
Apropos Großideologien: Das Bayerntum ist so eine. Die scheitert allerdings nicht, sie lässt andere scheitern. Fritz Fenzl


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