ARCHIV 11


GRADLINIGKEIT DES SCHIEFGEHENS

Kennen Sie diese Situation? Schön gekleidet nach dem Konzert. Anzug, Abendkleid. Die Person Ihnen gegenüber bedeutet Ihnen wirklich viel. Nach dem Essen der Kaffee. Und dann: Sie patschen aus Versehen auf den Rand der Untertasse. Der Kaffee … oh weh! Oder die verdammte kleine Aufreißdose für Kondensmilch: Bei aller Vorsicht, die Sie walten lassen, die Milch hängt am Ende an Ihrer Krawatte oder am Abendkleid.
Macht nix? Von wegen. Das Schiefgehen hat System. Es folgt den dunklen Wurzeln des Daseins, das die Evolution und schließlich uns selber hervorgebracht hat.
Beispiel Joghurt-Becher: Wie immer Sie den Aludeckel abziehen, der Inhalt spritzt Ihnen entgegen, Und wenn nicht Ihnen, dann dem Partner. Dosenfische: Kennen Sie die roten, fischstinkenden Flecken auf dem weißen Hemd, weil der Deckel der Dosenfischdose im letzten Moment einen Schnapper getan hat, just in der Schrecksekunde dies sich Lösens von der Dose, wenn all die Spannung sich entlädt?






Warum verschwinden Socken? Woher kommt das Geheimnis der mysteriösen Einzelsocke, die paradoxerweise oft paarweise mit einer anderen Einzelsocke auftritt?
Chipstüten-Alarm! Tüten werden vom Hersteller mit Überdruck versehen, wer weiß warum. Vielleicht zum Schutz vor Zerbröseln. Wenn die Chipstüte auf dem Sofa detoniert, bekommt auch die Seele einen Riss.
Ich bin Zigarrenraucher. Warum bricht die glühende Asche nur dann überraschend ab, wenn ich in einer sehr teuren und gepflegten Wohnung eingeladen bin? Selbst „Longfiller“ führen dann ein Eigenleben.
Wie gesagt, alles Geheimnisse der Evolution. Ohne „blöde Zufälle“ wären wir alle nicht da. Also dankbar sein, nicht ärgerlich, wenn die Milch am Anzug hängt.
Fritz Fenzl


OKTOBERFEST IM ANMARSCH

„Und in vier Wochen beginnt dann endlich die Wies´n…“, hat der dauermuntere Radio-Moderator geblökt. Zum tausendsten Mal. Es scheint ein starkes unbewusstes Bedürfnis in der Bevölkerung zu geben, über den Wies´n-Beginn ständig informiert zu werden.
„Und endlich!“ Nur noch eine Woche!“ frohlockt da ein anderer Sender. Als ginge es um das Kriegsende. Ist aber nur der Countdown zum Oktoberfest.
So geht das schon seit Monaten. Irgendwie scheinen die Medien Angst zu haben, dass alle den Wies´n-Beginn versäumen. Wies´n und Weihnachten haben offensichtlich gemeinsam, dass keiner damit rechnet.
Die Feste kommen überfallartig.

Nebenbei: Ich höre längst nur noch Radiosender, die keine dauerbelustigenden Ansager beschäftigen. Diese „Muntermacher“, „Morning Men“, „Dirndl- und Wies´n-Bua-Jury-Experten“ sind echt schlimm. Lieber die kulturelle Betroffenheit von „Klassik Radio“:
„Was vermisst Anna Netrebko wirklich? Rufen Sie an!“
Zurück zum Dauergedöns wegen der anstehenden Wies´n. In einer Woche wird sich unser Horizont wie gewohnt einengen. Wer mit wem, wann und wo! Die Society- Nachrichten werden Doppelseiten füllen, der Rekord wird ein Dauerthema sein, ob er da ist oder nicht. Es wird tägliche Infos geben, Taschendiebe, Skandälchen und heisere Statements von Wirtesprechern.
Alles nur Gewohnheit, alles Überdruss?
Doch nicht. Wenn dann der liebste Mensch auf der Welt sagt: „Gehst mit mir auf´s Oktoberfest?“, dann schaut alles anders aus. Man zählt die Tage und freut sich. Auch das ist München.
Fritz Fenzl




Die Statik des Status
Zum Ende der Ferien ein Kurs in Status-Symbolik

Der Disput:
„Wir erlebten Mitte August 2010 eine Springflut auf „unserer“ Nordsee-Insel. Diese schier unglaubliche Bewegung unvorstellbarer Wassermassen entsteht, wenn Flut und Vollmond zusammentreffen.“
„Oh“, sagt das zuhörende Gegenüber, „…ich fahre immer mit dem Porsche in Urlaub“.
„Und dann das Erlebnis einer echten Windmühle …“.
„Mein Daimler mahlt schneller als jede andere Mühle ...!“
Nun, raten Sie, lieber Leser: Wer liegt vorne? Gewinnt der Porsche oder die Springflut die Herzen der Zuhörer? Antwort: Die Urlaubsimpressionen machen das Rennen, nicht der Bolide.
Laut einer Zeitungsumfrage spielt das Auto als Status keine Rolle mehr. Eine Wochenendausgabe berichtet, der neue Opel käme an Status einer Waschmaschine gleich. Für Ford gibt es schon keine Vergleichswerte mehr. Nicht einmal Mitleid wie früher. Auch Mercedes ist nicht mehr das, was er (an Status) sein sollte. Na und? Eine Waschmaschine macht auch guten Eindruck: Sauberkeit und so.
Das Status-Symbol soll angeblich eine grundlegende Wandlung durchgemacht haben.
Gefragt sind gute Kleidung, Fahrräder, Design-Küchen, Koch- und Tanzkurse. Damit verblüffen Sie.
Oder sie flöten unüberhörbar auf der Vernissage, dass Sie die vergriffene Erstausgabe des aktuell umstrittensten Buches über Deutschland bei ebay versteigert hätten.
Man muss sich einfach etwas einfallen lassen. Die Statik des Status wankt. Einfälle sind zeitlos.
Fritz Fenzl


Mittelpunkt als Mitte

Wir Menschen können wohl nicht anders, als die Dinge „der Welt“ zentral zu sehen.
Zentral? Das will sagen, so wie ein Mandala. Einfach, rund und Mittelpunkt-bezogen. Denken Sie an Baumringe, an eine Blume, an ein Auge mit der sehenden Pupille in der Mitte. Diese Urform der Schöpfung, dieses geniale „Design“ des Weltenschöpfers (oh doch: Gott hat ein unglaublich sicheres Formgefühl!) schmeichelt der Seele und wird sofort verstanden. Die Rundform mit einem Zentrum „wirkt“ geradewegs hinein in die dürstende Seele. Wahrscheinlich ist selbst die Seele rund? Die Seele sucht, sucht und sucht und dreht sich dabei im Kreise.
Wieder die Rundform!
Manche Herrscherfiguren machen aus der eingängigen Rundform mit dem Zentrum dann gar eine persönliche Lebens- und natürlich auch eine Staats-Form. Sind wir beim Sonnenkönig und allen, die so quer dachten. Und die Macht hatten, so abgehoben denken zu dürfen.

Heutige moderne Weltbilder haben sich da kaum verändert, das scheint nur so. Wir wissen von Milchstraßensystemen, Galaxien gekrümmten Zeitsystemen, multiplen Dimensions-Clustern, gruseligen Schwarzen Löchern und entfesselten Spiralnebeln, die jedes Park- und Halteverbot missachten. Bezugspunkte?
Keine. Bis auf das lachhafte Koordinaten-System mit Milliarden Lichtjahren in jeder Richtung. Welche Richtung übrigens, wenn man sich in der Ewigkeit bewegt?

Der Punkt im Zentrum kann eben oft das eigene Ego sein, das Ich, um das alles sich zu drehen hat, Klingt lächerlich, ist aber so. Funktioniert in klassischen Familienstrukturen, in Monarchien, Demokratien: Bei Parteien; die liebend gerne von der „Mitte“ sprechen, gilt alles eben Gesagte..
„Wir sind die Partei der Mitte“, heißt: ich bin der Boss dieser Partei und ich bin die Mitte. Und das Mittel zum Zweck trägt die Mitte schon im Namen. Fritz Fenzl


GOOGLE SMOKE VIEW

Ich mag die thematischen Dauerlutscher. Die Starthemen unter den Reiz-Themen. Man kann immer etwas darüber sagen, auch wenn man nichts zu sagen hat. Man braucht keine Bildung, kein Spezialwissen, kein Allgemeinwissen, nichts. Man muss nur einfach den Mund aufmachen. Jeder ist dabei. Wie beim Rauchen. Ja oder nein? Dafür oder dagegen? Und wenn, warum? Hauptsache, warme Luft. Warum ist das Thema so beliebt?
Weil eben jeder mitreden kann. Es genügt schon eine Baumschul-Bildung, um zu wissen, was ein Raucher oder Nichtraucher ist. Jetzt braucht man nur noch dafür oder dagegen zu sein. Argumente? Die liefern längst andere.
So. Nun aber ein komplexeres Thema, das beim näheren „Hinschauen“ (genau darum geht es) genauso doof ist. „Google Street View“. Wieder darf jeder mitreden und eine Meinung haben.
Der Hammer aber: Die Verbindung der beiden Quassel-Themenbereiche! Rauchen und Guuugl-Striit-Fiu!
Dabei werden alle Raucher von Google gefilmt und ins Netz gestellt. Verschwörungs-Theoretiker aufgepasst: Das ist längst schon geschehen. Raucher, Fremdgänger, vor allem „wilde Biesler“, sie sind international erfasst und online abrufbar. Selbstverständlich kann jeder binnen 14 Tagen Einspruch erheben. Der Haken: Dann aber ist auch noch die Adresse bekannt. Und die Tatsache, dass der Betreffende sich schämt. Bei Rauchern werden die Daten automatisch an die zuständige Krankenkasse weitergeleitet.
Absolut neu: „Google Street-Hear“:
Mikrofone nehmen alles auf, was so geredet wird auf der Straße. Der Rest: Internet.Schlimm? Eigentlich nicht. ein Lothar Matthäus wäre froh, wenn jede seiner Sprechblasen öffentlich würde.
Fritz Fenzl


URLAUB, WEGE BEWEGUNG

Urlaubszeit! Ferien! Die Frage ist nur: Welcher See heute? Und am Abend: Tanzfahrten. Auf dem Ammersee, dem Starnberger See. Himmel auf Erden. Nächste Woche eine Deutschland-Tour für ein neues Buch. Dann die Nordsee-Insel Amrun. Verrückte Gedanken auf dem Oberdeck der Seeshaupt, während des Feuerwerkes zum Fest Maria Himmelfahrt:
Sie können Deutschland mit einem menschlichen Körper vergleichen und diesem seine Chakras, also kraftwirbelnde Energie-Zentren, zuordnen.
Im Süden also München. Die Isar-Metropole mit ihrem jovialen Hop oder Top, der fast grausam zelebrierten Lebens-Lust für jene, die sozial oben sind. München bildet damit das Wurzel-Chakra.
Kiel liegt am obersten Ende dieser Rückenmarks-Linie München – Nürnberg – Bad Staffelstein -Coburg – Erfurt – Hamburg – Kieler Förde. Kiel mit der Öffnung „nach oben“ hin, dem Auslass-Tor zum Meer, zum nordischen Licht. Die Hafenstadt bedeutet das Kronen-Chakra. Wenn Sie so wollen, den schöpferischen Geist.
Im Süden Deutschlands also das Basis-Selbst, in der Mitte das bewusste Selbst (das Ich-Bewusstsein, fränkisch geprägt), im Norden das höhere Selbst, das über-Ich. Das Meer und der Schöpfungsgedanke.
Alles nur Mutmaßung? Spinnerei, Kraftort-Esoterik? –In der Süddeutschen Zeitung vom Freitag, den 13 (!) August, findet sich ein Artikel unter dem Titel „Brüder im Geiste“. Inhalt: Funde, die beim Ausbau der ICE-Strecke im Jahre 2010 bei Bad Staffelstein zum Vorschein kamen, weisen eindeutig darauf hin, dass genau auf dieser Strecke bereits in der Jungsteinzeit ein energetisch hochwirksamer Weg bestand.
Urlaub als Weg. Der Weg ist das Ziel, der Weg ist die Energie, denn die Energie ruht nicht, sie will immer irgendwohin. Das eben ist Leben. Und Deutschland ist sehr, sehr lebendig.
Sie können ruhig sagen oder denken: Solche Verbindungen sind keineswegs statisch. Nein, sie sind unruhig. Leben ruht nie, so gesehen, ist Leben unruhig. Lebendig eben.
Auf solchen Trassen der lebendigen Unruhe, des Hin- und Herwollens haben sich Handelswege, Verkehrs- und Ferien-Ströme gebildet, In der frühen Vorzeit ebenso wie heute. Natürlich auch in der Zukunft wird das so sein. Denn wo die Kraft fließt, da ist Leben. Und Urlaub ist die „Erlaubnis“ zu leben. Schönen Urlaub.
Fritz Fenzl


Beobachtung schafft Wirklichkeit

Ferienzeit. Sommerloch. Sie stehen am Strand, auf dem Berg, in einer Großstadt, im Museum … Sie beobachten. Beobachten Sie den Ort, die Objekte, die Sie umgebenden Menschen - und beobachten Sie sich selber! Wörtlich: Geben Sie Obacht. „Nur in meiner Rolle als Beobachter bin ich also wirklich ich ...“, schreibt Andreas Giger in dem vergriffenen Buch „Vom Chaos zur Ekstase“. Im Westen hat die fortgeschrittenste Wissenschaft längst entdeckt, dass es keine vom Beobachter unabhängige Realität gibt.

Das ist eine schier unglaubliche Erkenntnis: Denn Sie, lieber Leser, entscheiden, wie die Wirklichkeit aussieht. „Wir sind die Gedanken, mit denen das Universum sich selbst betrachtet …“, folgert der oben genannte Autor kühn. Stehen Sie also mit ihrem Ferien-Ich auf dem Gipfel, am Meer, in der Kathedrale. Vielleicht stehen Sie auch bei einem Eisverkäufer. Und beobachten. Denken Sie:

„Ich bin, indem ich beobachte!“ Und: „Wenn alles, was ich beobachten kann, in ständigem Fluss ist (vielleicht stehen Sie nun gerade am Dreiländerspitz in Passau und sehen dem „Treiben“ der drei Wasser Donau, Inn und Ilz zu); wenn alles Beobachtbare in ständigem Fluss ist, dann bin ich es als gestaltender Beobachter ebenso!“

Der Eisverkäufer reicht Ihnen das Eis. „Bewusstsein ist nicht nur ein statisch Seiendes, es fließt…“, mutmaßen Sie, während geschmolzenes Himbeereis klebrig über ihren Handrücken rinnt.

„Zu viel Ferien-Spinnerei?“, denken Sie, lieber Leser. Und: „Wie soll der Beobachter eine Wirklichkeit schaffen?“ Nun, wir haben einen sympathischen Ministerpräsidenten, der beobachtet gut und schafft damit eine unglaubliche Wirklichkeit. Jedenfalls eine, die für ihn allein gilt.
Fritz Fenzl


DIE UMSTRUKTURIERUNG UMSTRUKTURIEREN

Wer Zeitgenossen aus mehreren Branchen kennt und sich für die Probleme in den verschiedensten Firmen interessiert, (aus dem Blickpunkt der genervten Mitarbeiter), der hört immer wieder das gestöhnte Zauberwort „Umstrukturierung“.
Es wird umstrukturiert, wohin das Auge blickt. Dabei kann eigentlich keiner sagen, was eine Umstrukturierung genau bedeutet, Hauptsache, es gibt sie.
Zum besserer Verständnis: Wenn in einem größeren Laden die Personalabteilung da ist, ein Innendienst, Außendienst, eine Herstellung samt Vertrieb, eine Koordination für die Auslandsstellen, dazu ein Marketing, eine eigene Abteilung für Projektierungen, das Lager, selbstverständlich die Lagerlogistik, dazu der Verkauf, immer auch ein Außenlager .., dann lässt sich das alles für den geschulten Umstrukturierer beliebig gegeneinander ausspielen, austauschen, kombinieren, streichen, ergänzen, verschlanken transparent machen, kurz: Umstrukturieren.
Zum Beispiel das Marketing mit dem Innendienst kombinieren, das Außenlager mit der Personalabteilung; (auch Mitarbeiter lassen sich nach außen verlagern), die Herstellung direkt mit dem Verkauf kurzschließen, u.s.w. Reparatur- und Beschwerdeabteiling eigen sich in jedem Falle als idealer Joker.
Es ist wie ein Umrühren in den Begriffen. Das alte und neue Ergebnis lässt sich herrlich und mehrfarbig, mit vielen Linien und konzentrischen Kreisen in einem Organogramm darstellen und per Power Point auf floureszierender Leinwand darlegen.
Der Trick: alles bleibt so wie es ist und immer war. Sonst würde die Firma zusammenbrechen.
Das wissen alle, nur nicht der Chef.
Fritz Fenzl


Der Weg nach oben

Wer oben ist, hat die Macht. Nicht umsonst spricht man im Berufsleben und im Karrieredenken vom „Weg nach oben“ oder dem Weg nach „ganz oben“.
Schon die Bibel weiß das. Moses steigt auf den Sinai, um Gott nahe zu sein. Oben ist immer der Über-Blick. Menschen, die im Bergstollen oder im U-‚Bahn-Tunnel arbeiten, haben eine andere Sicht der Dinge, wortwörtlich eine andere Sicht „auf“ die Dinge als Piloten, Bergsteiger, Karrieristen, Künstler (die können mit Gedanken fliegen!), Priester oder gar Verstorbene (oh ja, die sind auch „oben“).
Bei Bankern ist das so eine Sache. Der Erlebnishorizont von oben und unten wechselt atemberaubend schnell; die Untersicht, den Blickwinkel von unten, haben aber schließlich zumeist andere. Das sind die, die der Bank ihr Geld geben (müssen). Auch Schuldenberge sind Berge.

„Über den Berg sein“ sagt das Sprichwort und meint damit „etwas überwunden haben“. Und wenn eine Sache wirklich gelungen ist, dann rufen wir:
„Das ist Spitze!“
Die Zugspitze im Wettersteinmassiv hat die Spitze schon im Namen. Nicht ohne Grund.

Wer hoch hinauf will, der steigt oder fährt auf einen Berg. Über das Für und Wider des Weges zum Gipfel, ob mit extremer körperlicher Anstrengung, bequemer Gondel oder auch, wie eben bei Deutschlands höchstem Berg, mit einer urigen Zahnradbahn, das bleibt jedem selbst überlassen. Sie können sich auch am Extrem-Berglauf beteiligen und von einem Wetterumsturz in eine ruhigere Welt, das Jenseits tragen lassen. Aber muss das sein?
Wir lieben Berge und hassen sie .Berge sind schön, aber nehmen die Sicht. Siehe Olympia-Idee.
München liegt bekanntlich nicht am Meer, aber manche Olympia-Narren tun so, als ob es mitten in den Bergen läge. Ich bin froh, dass bis Garmisch eineinhalb Stunden liegen.
Fritz Fenzl


RÜCKTRITTS-COACHING

Und wieder sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von ihren Ämtern zurückgetreten. Spielt es da noch eine Rolle, wer, warum und wo? Reihte sich doch jüngst eine evangelische Amtsträgerin ein und seit Sonntag auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Bost. Eigentlich egal auch welches Amt. Hauptsache, es geht um einen spektakulären Amtsrücktritt.
Doch wer bleibt angesichts der Häufung tatsächlich noch im Gedächtnis? Ach ja: Köhler, Koch, Mixa, und noch eine andere Kirchenfrau, die, die so nett lachen kann und ohne große Kamalitäten Fehler eingeräumt und ihr Amt nieder gelegt hat. Steigen einige etwas beschädigt aus dem Ring, gewinnen andere wiederum durch ihren Rücktritt an Ansehen. Neu sind der Rücktritt vom Rücktritt, so wie es im Kloster Ettal geschehen ist.
Stellen Sie sich vor, Jogi Löw würde zurücktreten. Der wäre auf den Schlag ein gemachter Mann. Der Rücktritt mit einem positiven Vorspiel ist zumeist besser als der Rücktritt wegen … sagen wir mal, verdrecktem Operationsbesteck in Münchner Kliniken.
Rücktritt ist eine hohe Kunst. Grund genug, ein Seminar „Amtsniederlegungs-Coaching“ zu besuchen.
Ich hatte mich rechtzeitig angemeldet. Denn Menschen, die ihre Arbeit hinschmeißen, die haben mir schon immer imponiert.
„Das Seminar findet leider nicht statt“, hieß es dann.
„Warum?“ fragten die erwartungsfrohen Teilnehmer enttäuscht.
„Weil der Seminarleiter gerade eben aus dem Amt geschieden ist!“
„Warum?“
„Rücktritt eben.“
Rücktritt ist wie ein Fieber, es macht einfach Spaß. Früher waren jene Geister hoch angesehen, die nach vorne strebten, sich um Ämter rissen. Heute haben wir regelrechte Rücktritts-Karrieren. Wer rückwärtsgeht, fällt selten auf die Nase.
Fritz Fenzl


WINDKRAFT IN BAYERN

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind … der lässt die Windradl sausen. Und in diesen brütend heißen Hochsommertagen sorgt das bewegte Lüfterl, wenn es denn da ist, für ein wenig Linderung. Nun aber sollen Windräder nicht nur im Kleinen die Kinder erfreuen oder in farbenprächtigen Balkonblumenkästen schnurren, sondern, groß und mächtig und gut dreißig Meter hoch, für alternative Energien sorgen. Das klappt schon lange. Wer Teile des Jakobsweges südlich von Pamplona kennt, der weiß, dass über die Höhenrücken der heilige Wind heilige Windräder antreibt, Damit ist nicht nur Strom zu sparen, sondern auch Geld zu machen.
Und darum geht´s –diesmal in Bayern. Da spielt die Windkraft bislang noch kaum eine Rolle. Schon aber sind Investoren spitz und findig auf die neue Generation von Windrädern, die wesentlich mehr leisten als die althergebrachten Schreckschrauben und Schmutzluftverteiler, wie etwa in Fröttmaning. So meldet eine seriöse Tageszeitung Süddeutschlands, dass in den nächsten zehn Jahren gut 1500 Windkraft-Anlagen errichtet werden könnten.
Das gäbe ein lustiges Bild. Wer je Landschaften bereist oder erwandert hat, die mit viel Wind und mit noch mehr Windrädern gesegnet sind, der weiß was ich meine:
Nimmer endende Dauer-Unruhe in der Landschaft. Man müsste das Wort „Horizont“, der doch für eine statisch ruhige Linie steht, neu erfinden. Sehen wir es vom musischen Standpunkt: So ein Riesenwindrad darf sich getrost „kybernetische Kunst“ nennen. Oder vieleicht „Äoles Diskontinuum“? Platz für Monster-Rotoren wäre genug. Starnberger See, Ammersee, Chiemsee, immer direkt am Ufer. Oder auf der Roseninsel? Peißenberg, sowieso.
Sind Sie einmal unter einem Windrad gestanden und haben das luftschneidende Fauch-Geräusch gehört? Schade, dass Don Quijote das nicht mehr erleben darf.
Fritz Fenzl


MÜCKENFREI DANK VUVUZELA


Was derzeit bewegt, ist beileibe bewegend: die Rolle von Deutschland im Fußball, die Mücken vom Ammersee und der flächendeckende Vuvuzela-Krach.
Die Mücken, ja, die stechen wild drauflos. Sind ja schließlich in der Überzahl und wird eine erschlagen, machen es sich 20 blutrünstige Anverwandte zum Leichenschmaus am längst Pusteln überzogenen Arm bequem. Mit wahrlich stechenden Argumenten gewinnen die surrenden Blutsauger eine Wichtigkeit, die das Thema „Koalition“ weit hinter sich lässt und etwa den Stellenwert des runden Leders erreicht.
Nach dem Einzug der deutschen Elf ins Halbfinale sind das Berliner Possenspiel, wirtschaftliche Einbußen und das Gezetere des rüppelhaften Autofahrers um den besten Parkplatz weit in den Hintergrund gerückt. Gewinnt Deutschland, lässt man Rüppel Rüppel sein und plötzlich laufen auch die Geschäfte gut.
Deutschland, Fußball und Mücken: eine ganzheitliche Vernetzung dann, wenn man sich zum "Pabilck Fiung" in Herrsching am Ammersee-Ufer niederlässt. Man wird gestochen, nicht vom Bier geschwängerten Nachbarn, dem mit dem doofen Hut in Form eines Fußballs, sondern von Millionen Mücken. Klatsch, Tor, tot.
Die Vuvuzela aber gewinnt an Bedeutung. Nicht nur als Nervensäge für Menschen. Nein. Laut Tierforscher soll dieses Teufelshorn sogar Mücken ins Jenseits befördern.
Probieren Sie es aus. Besorgen Sie sich schnell noch, falls nicht schon längst geschehen, so ein Ton verlängerndes Horn und blasen sie lautstark und lang anhaltend inmitten eines Mückenschwarms hinein. Tröööt, alle tot. Die lästigen Viecher fallen wirklich kraftlos zu Boden, heißt es. Möglich auch, dass ein paar Zweibeiner umkippen... dauert aber etwas länger. Wir Menschen nämlich halten weit mehr aus, als man gemeinhin denkt. Als da wären: Mückenstiche, regierungsunfähige Politiker und Horror-Tröten.
In diesem Sinne: Euer total zerstochener und kurz vorm Hörsturz stehender, dennoch fröhlich Fußball schauender Fritz Fenzl.


JA IST NEIN UND NEIN IST JA !

Man täte meinen, das Zeitalter der Aufklärung hätte eben erst angefangen. Denn wir werden rund um die Uhr aufgeklärt. Diese Aufklärung hat aber nichts mehr mit Kant zu tun und einem irgendwie rechten Gebrauch des Verstandes - Aufklärung der Gegenwart ist einfach da, um die wenigen Restgehirnströme im Volk zu verdummdicken. Diesmal wird mit Flugblättern und Broschüren aufgeklärt, was ein „Ja“ bedeutet oder ein „Nein“. Nebenbei: eigentlich bedeutet „Ja“ ja und „Nein“ nein. Ganz digital. Aber das war einmal.
Wir schauen in das „GenussJournal Bayern extra“ mit der Internetadresse www.bayern-sagt-nein.de.
„Was weiß eigentlich jede Wählerin und jeder Wähler in Bayern, was ihm am 4. Juli abverlangt wird? Viele sind bereits irritiert …“ so beginnt der aufklärende Text unter der Balkenüberschrift „Auf den Punkt gebracht“. Tatsächlich, die Mühe des Lesens lohnt sich, denn auch ich hätte gedacht, wer gegen Rauchen ist, sagt „Nein“, wer gerne raucht oder dieses toleriert, der sagt „Ja“.
Aber nein.
Ja beim Volksentscheid bedeutet: Totales 85%-Rauchverbot (!); „Nein“ beim Voksentscheid bedeutet:
Lieber Leser: Da folgt nun ein ganzes Kapitel, was ein Nein bedeutet. Textauszug: „28% der Bevölkerung finden noch zum Rauchen einen Platz in 25% der Gastronomie …usw.“
Vereinfacht: Wer dagegen ist, dass alle dagegen sind, aber nicht ganz, der stimmt mit ja oder nein; wer aber dafür ist, dass nicht alle dagegen sein könnten, der kreuzt nein oder ja an. Nur so schaffen wir klare Verhältnisse. Fritz Fenzl


GRAL UND GRÜNWALDERSTRASSE

Das Wissen um Erlösung ist die Suche nach dem Gral.
Oh Gralsburg auf dem Heiligen Berg Giesings. Stätte des scheinbaren Dauergrauens und des Wartens auf den Retter. Erlösung? Ein leidgeplagter 60-er-Fan weiß, was Demut bedeutet, Geduld, Warten, Hoffen, Bangen. Aber er kennt das „Höhere“ Ziel. Er ist demütig im eigentlichen Sinn.
Wir begeben uns auf die Suche. Heiliger Ort Münchens! Ein runenhehrer Schriftzug über den Kassenschaltern an der Gegengerade. Und da steht in hohen Lettern das, was eine Generation leidensfähiger Jugendlicher erschaudern machte …
„STÄDT. STADION AN DER GRÜMWALDERSTR.“
Die Großbuchstaben dieses Magischen Schriftzuges lassen eine verlorene Welt, ja Welten vor unserem geistigen Auge auferstehen, ebenso wie die Morgenröte, die nach dem tiefen Schlaf einen neuen Tag bringt:
Der TSV 1860 München! Eigentlich „Turn- und Sportverein München von 1860 e.V., kurz aber immer „TSV 1860 München“ benannt; noch prägnanter: „Sechzig“ oder „Die Sechzger“.
Dementsprechend die Bezeichnung für die wahre Gralsburg Münchens: Stätte der Sehnsucht, wo Bangen, Hoffen und Warten leider für immer unerfüllt bleiben bis zur Zeitenwende.
Der gewöhnliche Sechziger-Fan kennt das Leid, das Kreuz. Seltsamerweise ist die Nähe zur Kirche und zu Jesus und dessen leidvoller Hingabe bei den 1860-Fans eher untypisch.
Gegründet 1848, wiedergegründet 1860, hat der Verein, dessen magisches Weiß-Blau der Fußballabteilung oft auch zur Benennung „die Blauen“ führt, eine recht wechselvolle Geschichte. Wechselvoll, aua!
Warum „Sechzig“ so ewig treue Anhänger hat? - Liebe! Fritz Fenzl


ÜBERLEBENS-TRAINING FÜR DIE WM-ZEIT

Wichtigeres als Fußball? Undenkbar. Ich lasse mich gerne von dem Massenwahn in Gefangenschaft nehmen, glaube sofort und bedingungslos alles, was man als Volk und Masse glauben und fühlen soll.
Ausnahmezustand. Fußball-Notstand. Ich werde wertvolle Freizeit bei herrlichem Juniwetter nicht am See, bei einer lieben Freundin oder, Zigarre rauchend und träumend irgendwo in Oberbayern auf einer Bank im Freien verbringen, sondern – vor dem Fernseher. Klar.
Dann der Zubehör. Afro-Tröte, der Rest ebenso in Schwarz-Rot-Gold: Aufblasbarer Bundesadler, der dreifarbige Schal, die Worldcup-Tasse, das obligate T-Shirt mit Aufdruck „Poldi“, „Schweini“, „Gewinni“, etc. Natürlich die Indianer-Bemalung auf der Backe in den Farben Deutschlands.
Dann der Benimm-Code: Statt „Grüß Gott!“ oder „Tag!“ ein gröhlendes „Fi-na-le!“
Zu simpel das alles? Es gibt auch Fußballdenken für Kreative. Zum Beispiel einen Schlachtgesang texten. Inhalt? Lobpreisung, Kritik, Hoffnung, bodenlose Beleidigung des Gegners. Für einen Fußball-Song gelten übrigens die gleichen Kriterien wie für ein Kirchenlied. Lob, Dank, Schutz vor dem bösen Gegner. Von wegen „Böse Menschen haben keine Lieder“: Gerade die.
Berufleben: Soll der Chef erlauben, dass während der Arbeitszeit „gefernseht“ (Fußball-Deutsch) wird? Ei freilich. Das steigert den Gruppengeist und damit die Arbeitsmoral. Besonders geeignet sind Berufsgruppen wie Chirurgen, Notärzte, Philharmoniker, Hochtseil-Artisten: Wenn diese Berufe während der Arbeit ein spannendes Spiel schauen … Fritz Fenzl


PARADIESESGARTEN RHODODENDRONHAIN

Wollen Sie sich augenblicklich wohlfühlen? Einen Platz, einen Blick-Punkt im wahrsten Sinne des Wortes, der Ihrer alltagsgeplagten Seele schmeichelt?
Betreten sie den Botanischen Garten in Nymphenburg. Er ist durch ein seltsam gräuliches Tor (Eingang Menzinger Straße 65) zu erreichen.
Der wesentlich stilvollere Zutritt bietet sich aber vom Nymphenburger Schlosspark herkommend: Wobei Sie dort in der erdschweren Umgebung der Magdalenenklause den Weg zur „Südkasse“ des Botanischen Gartens finden müssen. Die Suche lohnt.
Wenngleich sich dieser schönere Zutritt vom Schlosspark her anbietet, der betonmauergraue Hauteingang leitet Sie in der Art einer Wege-Einweihung „genau richtig“.
Der Hauptlinie folgend, gelangen Sie an dem Hauptgebäude der Botanischen Institute und der Staatssammlung, dann an der filigranen historischen Konstruktion der Schau-Gewächshäuser vorbei zum zentral angelegten „Schmuckhof“ des so weise und wissend angelegten Gartens.

Hier, inmitten des blühenden und verblühenden, entstehenden und vergehenden Jahres-Kreises, zentrieren sich Ihr Geist und Ihre Seele ganz im Sinne des reinen Schöpfungsgedankens: Sie sind dann „reif“ wie eine Blüte für die so verschiedenen Teile des Gartens. All diese singen auf ihre eigene Weise der Schöpfung ein Loblied.

Denn „der Garten“ (Vorbild ist bei jedem Garten des Paradiesesgarten) bietet sowohl dies unnachahmlich wohltuende Schmeicheln der Sinne - als auch präzises Lern- und Vertiefungs-Wissen.
Sinn-lich im besten „Sinne“ des Wortes!
Kein Sinn bleibt hier unerreicht: Das Sehen, Hören (der Stille), Riechen, Tasten und Schmecken. Tasten? Sie sollten lieber nichts anfassen, so mahnen strenge Gebotstafeln. Und natürlich auch nichts abzupfen und probieren. Im Kräutergarten eine echte Herausforderung an die Disziplin!

Und dann finden Sie (genau jetzt nach der Regenzeit des Mai und der wieder erwachten Juni-Sonne) – im Süden den Rhododendron-Hain. Und Sie werden fragen ob dieser Farbenpracht: Ist dies noch die Wirklichkeit? Fritz Fenzl


GLÜCK UND GLÜCKSFORMELN

Wer regelmäßig in Buchhandlungen stöbert und unter der Rubrik „Lebenshilfe“ nachschaut, muss sich eigentlich wundern, für was wir alles Hilfe brauchen: Für jene, die zu dick sind, zu dünn, die sich nicht bio-richtig ernähren, die falsch denken, falsche Liebe praktizieren, die dem „inneren Kind“ entrinnen wollen oder zu diesem zurückkehren … und dann erst der Partnerschaftsquark.
Das Heer der „Selbstfinder“ ist da noch gar nicht berücksichtigt, wobei ich mich immer frage, wie weit ein Mensch seelisch gefallen sei, der sich erst einmal „selbst finden“ soll ! Schrecklich die Vorstellung, ich müsse in der Früh die Wohnung absuchen, wo ich denn bin?
Und dann das spirituelle Gedöns: Seit die Medien den Massen die großen Religionen ausreden, explodiert ein Markt religiöser Garküchen mit vermeintlichen Wahrheiten, über die sich sogar Gott wundern würde. Ein Freund aus dieser Branche hat mich jüngst über die „Verschiedenartigkeit der Nichtse“ aufgeklärt:
Beispiel: eine fehlende Zaunlatte, das sei im Zaun ein Nichts, wenn aber gar kein Zaun da ist, dann ist die fehlende Zaunlatte (eines nicht vorhandenen Zauns) ein anderes Nichts als das erstere. Bingo. Es gibt verschiedene Nichtse; wenn aber Nichts nichts ist, - wie kann es verschieden sein? (Im Laufe des Gespräches ist der Freund aus dem Fenster gesprungen, schade).
Aber er hatte Glück, Erdgeschoß, er landete auf dem Magnolienstrauch, hat sich „nichts“ getan. Glück.
Glück ...?
Glück ist der Hauptrenner der Eso-Selbstfind-Religio-Verblödungsschiene. Glücks-Titel in Buchform wachsen wie Atompilze. Ein Glück für die Autoren. Glücksformeln werden beschworen, Herzmagneten gesucht, Geheimnisse der Turbo-Zufriedenheit ergründet.
Über den selbstverständlichen Lebenszweck: Liebe, Familie, Kinder, echte Zufriedenheit redet seltsamerweise kaum einer oder kaum ein Buch.
Ach ja, wenn Sie fragen, wann ich Glück empfinde: Wenn ich ein Kind sehe. Und zum Glück bin ich von solchen umgeben.
Fritz Fenzl


Wer ko, der ko...

„Wo in München findest du den Krenkl...?
„War das nicht der … mit der Kutsche, der den … äh, den König überholt hat?“
„Schon.“
„Und der dann frech gerufen hat: „Wer ko der ko!“
„Richtig. Aber jetzt sag' mir, wo in unserem München ist dem Krenkl ein Denkmal gesetzt?“


Wenn man von der Fußgängerzone sich dem Stachus nähert und schließlich suchend unter den Bogen des Karlstores tritt, dann ist vorne rechts (also an der nordöstlichen Innenseite des Tores) etwa in drei Metern Höhe die Büste eines Mannes mit selbstbewusst hoch gezwirbeltem Schnurrbart zu erkennen. Und ein auffällig herausforderndes „G´schau“ hat der in Stein Dargestellte auch noch. Sogar die Art, wie er den Hut trägt, verrät provozierendes Selbstbewusstsein.
Franz Xaver Krenkl war Rennstallbesitzer und Pferdehändler. Ursprünglich hatte er bei der Bayerischen Kavallerie den Dienst versehen. Pferde begleiteten seinen Lebensweg und mit Pferden kannte er sich aus. Ein Kenner. Sein Stall hat auf dem legendären Pferderennen des Oktoberfestes vierzehnmal den ersten Preis gewonnen. Schließlich verdiente Krenkl auch einen guten Lebensunterhalt als „Lohnkutscher“ für gehobene Kreise.
Und „Schneid“ besaß er.
Aber berühmt gemacht hat den Pferdenarren eine denkwürdige Begegnung mit dem späteren kunst- und frauenverliebten König Ludwig I. Damals noch Kronprinz Ludwig.
Schauplatz Englischer Garten:
Es galt als ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Kutsche eines Herrschers nicht überholt werden durfte. Genau das passierte.
Krenkl fuhr so seines Weges, sah das königliche Gefährt, gewahrte, dass er mit seinem Sechsspänner schneller sei – und setzte zum Überholen der monarchischen Equipage an !
„Wer ko der ko!“
Versuchen Sie heute einmal, den Autokorso eines Staatspräsidenten zu überholen. Sie würden das kaum überleben.
Seit dem Jahre 1990 wird sogar ein „Krenkl-Preis“ vergeben für „Zivilcourage“
Wer ko der ko.
Aber all jene, die sich dabei gefallen, die Obrigkeit in Bayern nachhaltig zu verärgern, sollen ja nicht vergessen: Die anderen können auch, und wie. Fritz Fenzl


Wer ko, der ko...!

AUFERSTEHUNG IN OBERAMMERGAU

Sind also wieder die zehn Jahre rum in Oberammergau. Und das wunderbare, wundersame, wunderwirkliche Spiel vom Leben und Sterben des Heilandes geht, im wahrsten Sinne des Wortes, „über die Bühne“.

Mein Auferstehungsglaube ist „anders“: Der Grund liegt in Oberammergau am Fuße des Kofel. Und das hat seinen Grund.
Als Kind war ich längere Zeit im Hänsel-und Gretel-Heim, und das während der Festspielzeit. Alle hatten lange Haare, nicht nur Mädchen, sondern auch Männer und Buben, lange vor den Beatles, ein gar seltsamer Anblick für staunendes und beobachtendes Kind aus München. Und alle Oberammergauer spielten mit, wie immer. Auch die anderen Heimkinder.
Was sollten die mit mir machen? Sie nahmen mich einfach mit und so habe ich unzählige Aufführungen gesehen, in einem Alter, in dem ich alles, wirklich alles geglaubt habe. Weniger die religiösen Inhalte, nein, das Monumentale hat mich so beeindruckt, die gestelzte Sprache, die lebenden Standbilder. Theologisch und religiös kam da nichts rüber, - aber was die da spielten, vor allem bei den grausigen Kreuzigungs-Szenen, das war für mich „echt“. Jesus starb wirklich. Und das öfter als einmal.

„Wie macht der das ...?“, habe ich irgendwann eine fromme Schwester aus dem Heim gefragt, „ …der stirbt, bis er tot ist, und dann steht er wieder da am nächsten Tag und tut dasselbe?“
Die war gar nicht um eine Antwort verlegen:
„Wegen der Auferstehung ..“, hat sie dann gesagt, du hast doch schon gehört von der Auferstehung?“
„Ja … schon.“
„Eben. Jesus stirbt, steht wieder auf und kann dann weiterspielen. So oft wie er will!“
Das war mir klar. Bis heute.
Auferstehung heißt: Das Ganze von vorn. Neuer Tag, neuer Vorhang. Neues Leben, wenn´s sein soll, ewig. Logisch. Die Zuschauer für den nächsten Tag haben ja ebenfalls Karten gekauft.
War es eine religiöse Erleuchtung oder aufkeimender Geschäftssinn?
Auferstehung verkauft sich prima. Schon immer. Fritz Fenzl


NYMPHENBURG-GEDANKEN ZUR GEGENWART

Betreten Sie den Schlosspark von Nymphenburg.
Genießen Sie, wie der Blick entlang der Mittelachse am Himmel-spiegelnden Kanal in eine Leere zu schweifen scheint; ein sichtbares Nichts, das in blickentzogener Entfernung bei den Kaskaden, den fallenden Wassern im Westen, endet. Endet?
Eine Achse des Lebens lädt ein zum sehenden Gehen und aktiv-passiven Sich-gehen-Lassen inmitten der Schöpfung. Hier empfängt den sinnenden Betrachter ein achsiales Gesamtkunstwerk, ein „kanalisierter“ Lebenspfad, der letztlich nirgends beginnt und nirgendwo endet und dennoch Anfang, Ende und endlose Ewigkeit zugleich bedeutet.
Rechts und links des breiten Mittelweges finden Sie schmalere Wege und an diesen Wegstrecken entlang allegorische Figuren in Stein. Gleich zur Rechten, in unmittelbarer Nähe zum Schloss, eine abscheuliche alte Frau (ja, das Alter ist hier nicht würdevoll, sondern angst-erregend dargestellt), ein verbittertes halsfaltiges Weib mit halb geöffnetem zahnlosem Munde und seltsamer Kopfbedeckung, die zugleich einen gemauerten Turm darstellt. Gar nicht weit von diesem seltsamen Geschöpf aus Carrara-Marmor erschreckt ein wuchtiger Mann, der wahrlich kein Mensch ist, sondern leibhaftiges Ungeheuer. Ein monumentaler Unhold, der ein Kind auffrißt. Richtig gelesen: Der Kerl reißt sein Kind vor das geöffnete Maul und verspeist den Knaben.
Hätten Sie´s gewusst? Saturn frisst seine Kinder und die Alte mit dem Turmhut ist Kybele (die sonst gar nicht negative Große Göttermutter vom Berg), beide geschaffen vor 1765 von Giovanni Marchiori.
Seltsame Gedanken in diesem herrlichen lebensbejahenden Park kommen hoch, und das mitten im Mai. Fressen wir nicht auch unsere Zukunft? Bildungschaos, „G8“, Euro, Glaube … alles scheint sich im Moment selbst zu verschlingen. Und der feste Turm, Geborgenheit und Sicherheit? Wankt wie das alte Weib im Park, kurz vor dem Fall der Ego-Gesellschaft.
Einfach seltsam, diese Ideen. Schnell weitergehen, bis irgendwo ein weißer Schwan sich im klaren Wasser spiegelt. Fritz Fenzl


ORLANDO DI JACKSON AM PROMENADEPLATZ

„Heilige in Bayern“?
Nun wer als längst im Himmel oder in der Hölle weilt und dennoch hienieden auf Erden eine eigene Gedenkstätte hat, der ist zumeist ein Heiliger, ein Diktator oder beides. Kulte erblühen wie sprießendes Grün im Frühling (sie können ebenso verblühen), es geschieht zumeist an einem Gnadenort, der Inbrunst, Verehrung und Selbstaufgabe zulässt und fördert: Hingabevolle und liebende Anbetung durch jene, die noch auf Erden weilen müssen.

Mitten in München existiert solch ein Ort der Gnade, ein heiliger Hain, der regelmäßig von Jugendlichen besucht wird. Solche Anbetung wo? Sie wabert um das Orlando di Lasso Denkmal auf dem Promenadeplatz, im Angesicht der recht weltlichen Luxusherberge „Bayerischer Hof“.
Gebührt Orlando di Lasso, gestorben 1594 in München und immerhin Kapellmeister der herzoglichen Hofkapelle in München, geadelt von Kaiser Maximilian II; gebiert dem spätmittelalterlichen Musikus solche Hingabe der jüngeren Jugend?
Der Heilige Orlando also? Von wegen.

Verehrt wird ist die Pop-Ikone Michael Jackson. Der King of Pop erfreut sich in München nach seinem unerwarteten Tod im Jahre 2009 weitaus größerer Verehrung und Andacht als etwa der Heilige Michael vor der Michaelskirche. Vielleicht hat der Heilige Michael ja auch nicht so schön singen können. Und von Platteneinspielungen ist überhaupt nichts bekannt. Nur die Sache mit dem Flammenschwert, immerhin.
Und jene Kultstätte um Michael Jackson, die wohl als jüngste Gnaden-, Kult-, und Verehrungsstätte in München zählt, ist seltsamerweise das Orlando di Lasso Denkmal .So seltsam ist das gar nicht. Beide, Orlando und Michael, müssen sich auf einer höheren Ebene schon gekannt haben. Die Ähnlichkeit! Die Augen! Nicht nur Verschwörungstheoretiker und Fans geraten da in helles Erstaunen. Wussten Sie etwa, dass Orlando „Das große Nasenlied“ komponiert hat? Orlando hatte für alles eine Nase und Jackson hatte mit der Nase ein Problem. Fritz Fenzl


PETERSKIRCHE UND MÜNCHEN-GEDANKEN

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Schein-Gemütlichkeit eines der spirituell brisantesten Bauwerke Münchens verharmlosend und verniedlichend besungen wird.
„So lang der Alte Peter …“, heißt da ein altbekanntes München-Lied, das im Dreivierteltakt eine „gemütliche“ Altmünchner Schunkel-Seligkeit vorgibt. Indes, dieser Tempel hat es in sich. Steht er doch in der Tat auf dem „Heiligen Berg“ Münchens! Auf einer für Münchens Geschichte und dessen Entwicklung so bestimmenden Stelle, die selbständig und bisweilen auch gewalttätig waltet, da diktieren Ort und Bau immer schon die Geschicke der Stadt.
Also nicht hinhören, wenn das Traditionsgebäude so seltsam verharmlost wird.
München mit der Gier nach Nochmals-Olympia, den Dauer-Events, den gelebten „Fünf Jahreszeiten“, Staßenfesten, Mega-Events, Bass-wummernden Pop- und Gesinnungsparaden, geldbringenden Weltfirmen … auch dem aufwühlenden Föhn, - gemütlich?
Bei näherer und gewissenhafter München-Betrachtung ist eher das Gegenteil der Fall, außer in der auf Fremdenverkehr bezogenen und durchaus geschickt angelegten Selbstdarstellung. Besuchen Sie einmal in nüchternem Zustand das Frühlings- oder Oktoberfest, und warten Sie auf Gemütlichkeit! München ist knallhart.
Beobachten Sie die Radfahrer in der Fußgängerzone, denen jetzt die Radlstadt mit dem Stop-den-Radlrambo-Clown sich ergibt. Gemütlich?
München - eine Stadt des Hopp oder Topp. Wer eine beliebige Boulevard-Zeitung liest, wird über die gleichzeitige (und gleichwertige?) Darstellung von Elend, Wohnungsnot, Armenspeisung, daneben aber verrücktem Schickeria-Getue, dem „Must“ der reichen Oberschicht und den unzähligen kulturellen Highlights, die sich nur „Betuchte“ leisten können und sollen, aus dem Staunen nicht herauskommen. Nun denn: so lang der Alte Peter … Fritz Fenzl


HEUSCHNUPFEN-ANGST ALS WAHRE PLAGE

Was fehlt mir nur für ein lebensnotwendiges Leidens-Gen, weil ich im Frühjahr zwar die abrupten Wetterwechsel, nicht aber den Heuschnupfen, den kühnen Flug der Hasel- und Erlenpollen, den Birkenstaub fürchte? Überhaupt sämtliche Allergien, die von Gräsern, Roggen, Beifuß, Ambrosia und allem, was in dieser und der kommenden Jahreszeit natürlich ist, verursacht werden.
Denn jetzt ist nicht nur die Zeit der Allergiker, sondern die Hoch-Zeit der gezielten und marktorienterten Angstmache vor allem, was eine Allergie auslösen könnte.
Der wahre Allergiker hat sogar einen Pollenflug-Kalender, auf dem er nachschauen kann, was ihn zur Stunde plagen könnte. Ich habe einmal bei einem geschäftstüchtigen Verlag an einem Pollenflug-Kalender mitgearbeitet und staune heute noch, was uns alles eingefallen ist.
Dabei gäbe es, neben der Allergie (Fremdreaktion) auf alles, was im Frühling blüht und so umereinanderfliegt, das dann Reize, Husten, Entzündung und Atemnot auslöst, doch noch gar so herrliche Neu-Allergien zu entdecken und zu vermarkten.
Jeder Schüler kennt die Lernallergie, es gibt die Arbeits-, Schlaf-, Fernseh-, Fernsehlos, Ehe, Single, Sonstwie-Allergie. Und dann noch die „Überhaupt-Alles!“-Allergie.
Und natürlich immer auch das Gegenmittel.
Mich wundert´s dass noch keiner die Allergie-Allergie entdeckt hat. Jetzt aber diese herrliche Staubwolke aus Island!
Die sollte man doch sofort vermarkten. Die Esoteriker sagten schon am ersten Tag der Vulkan-Eruption, dass „jetzt die Erde weint“, meine eher frommen Freunde reden vom Strafgericht eines empörten Himmivatters.
Empört warum? Na, vielleicht liest der Allmächtige Zeitung.
Eine der schlimmeren Allergien hienieden auf Erden ist nämlich jene gegen Wahrheiten. Da hat dann so mancher Betroffene , auch ohne Pollenflug, gestrichen die Nase voll.
Fritz Fenzl


MURPHY LÄSST GRÜSSEN

Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es auch schiefgehen. Es wird zum bestmöglichen (das heißt: zum unmöglichsten!) Zeitpunkt schiefgehen. Es wird derart gekonnt schiefgehen, dass es den größtmöglichen Schaden anrichtet!
Das schlimme Gesetz der Peinlichkeiten. Das Gesetz der Schadenfreude (für all jene, die unbeteiligte Zuschauer des Missgeschicks sind und die sich der verpönten, aber so erfrischenden Schadenfreude hingeben können!
„Schadenfreude?“, höre ich den empörten Leser denken, “…Schadenfreude ziemt sich nicht, sie ist unchristlich oder wenigstens unmoralisch!“
Aber der Clown, der lebt davon. Schadenfreude ist schlimm, aber erfrischend. Wir lachen im Zirkus , wenn dem „kollektiven Mitmenschen“, dem Hanswursten, spektakulär etwas danebengeht. Und das zum unpassendsten (nämlich zum richtigen) Zeitpunkt.
Das „Timing“ ist und bleibt höchstes Einweihungswissen für Clowns.
Gesetz der größtmöglichen Pannen! Es ist von einem amerikanischen Ingenieur Edward. A. Murphy verfasst.
Machen Sie den wissenschaftlichen Test: Lassen Sie in einer Versuchsreihe Marmeladebrote auf den Boden fallen. Je empfindlicher der Teppich und je zänkischer und reinlichkeitsliebender die Hausfrau, desto steiler steigt eine fatale Wahrscheinlichkeits-Kurve an.
Welche Wahrscheinlichkeit? Sie, lieber Leser, ahnen schon das Schreckliche: Natürlich der „Fall“, dass die rote, klebrige Marmeladeseite auf die Auslegeware klatscht.
Vor dem Haupteingang des Münchner Zirkus-Krone-Baues steht die weltberühmte Clowns-Legende in Bronze. Ganz die berühmte Aufmachung, kindlich-empörte Pose, viereckige Pappnase, Glatze, der Nacken gerahmt vom wild gekräuselten Haarkranz , dazu ein viel zu enges Trikot, das sich wie eine Wursthaut über den zierlichen Körper mit unübersehbarem Bäuchlein stülpt: Alles perfekt kalkulierte Peinlichkeit. Und der Aufritt des unvergessenen Genies des „Alles-Geht-Schief“: Alles ging schief. Der unkontrollierte schlimmste Fall kann durchaus kontrolliert sein. Nicht nur bei Clowns.
Fritz Fenzl


DER „EINSTRAHLPUNKT“ IN DER FRAUENKIRCHE.
Himmelsuchen in der Osterwoche: Begeben Sie sich in den Münchner Dom.
Im Inneren finden Sie das „Himmelsloch“. Das ist für Gläubige und Kenner des uralten Geheimwissens um sakrale Architektur ein „Einstrahlpunkt“ des Himmels, um genau hier an der richtigen Stelle, nämlich in München, die Erde zu treffen. Eine rechtsdrehende Sonnenscheibe oben an der Decke, inmitten eines viereckigen Dreiecks. Wo? Suchen Sie!
Suchendes Schauen (wirkliches Beobachten!) ist Magie. Bedenken Sie: Das Beobachtete ändert sich im Maße des Beobachtet-Werdens. Energie folgt der Aufmerksamkeit und umgekehrt, Aufmerksamkeit lässt Energie richtungsbezogen strömen.
Ihr „zu Beobachtendes“ ändert sich im Energiefluss der aufgewendeten Aufmerksamkeit (Zu-Wendung).
Und damit ändern Sie sich als Beobachter. Fast könnte man von einer Täter-Opfer-Symbiose sprechen und wären seltsam aktuell.
Es existieren vertikale, also senkrechte Kraftlinien, diese weisen vom Himmel zur Erde und ebenso zurück. In der Bibel ist das bekannteste Beispiel die Jakobsleiter mit den auf-und absteigenden Engeln.
Ein spirituell so wichtiges Bauwerk wie der Dom besitzt den „Himmlischen Einstrahlpunkt“. Manche Autoren und Kenner sprechen über diese Stellen von so genannten „tellurischen Säulen“.
Ein Bayern würde sagen: „Da Himmi ...!“
In jedem Falle steigen Geister und Geistwesen auf und ab, in diesem Falle durch christliche Ethik, Tradition und Inspiration leidlich kanalisiert im vertikalen, senkrechten Kanal.
Nie vergessen: Der Dom ist Heiliger Raum und der umbaute heilige Raum ist und bleibt Resonanzkörper (sounding board) für geistige Kräfte.
Keine Spinnerei, sondern katholisches und liturgisches Grundwissen. Hören wir Joseph Ratzinger, damals Kardinal und heute Papst, in seinem Grundlagenwerk „Der Geist der Liturgie“: „Der Altar ist gleichsam der Ort des aufgerissenen Himmels: er schließt den Kirchenraum nicht ab, sondern auf – in die ewige Liturgie hinein …“
(Freiburg 2000, S.62.)
Ewige Liturgie. Was für ein wunderschönes, himmlisches Wort. Die Osterwoche „öffnet“ eine himmlische Gedankenleiter.
Fritz Fenzl


Handlos alles voll im Griff

Fangen wir an mit Valentin. Der hatte für seltsame Betrachtungsweisen eine sichere Hand. Aber eben diese Hand hat er nun nicht mehr: Wer auf den Viktualienmarkt geht und sinnend die Valentin-Statue betrachtet, dem fällt unschwer auf, dass eine Hand fehlt. Nicht die Hand, die einen Schirm hält, sondern jene, die keinen Schirm hält. Wie kann auch keine Hand keinen Schirm halten?
Natürlich die Linke bei dem Linksrum-Denker fehlt, ist abgesägt. Obwohl doch die linke Hand von der rechten Gehirnhälfte regiert wird, sagen die Hirnologen.
So oder so, ein gar nicht lustiger Unspaß, gar kein Spaß, sondern Verwüstung und Vandalismus. Angeblich wird nun die gesamte Brunnenskulptur abgeschraubt und auf Vordermann gebracht. Und ein Bildhauer muss die verlorene linke Valentin-Hand nachbildhauern. - Freihändig? Wohl kaum. Er wird beide Hände brauchen. Vielleicht aber wird der „freihändige“ Valentin ohne Hand selber ein Fall für´s Valentin-Musäum.
Wer keine linke Hand hat, der braucht oder kann auch nicht recht arbeiten.
Das bringt auf eine andere bahnbrechende Idee. Ein Bremer Verein setzt sich nämlich zur „Förderung des Müßigganges“ ein. Der Verein nennt sich Otium (nicht Opium!) und Otium heißt Faulheit.
Die Ideen der Otianer sind nicht schlecht. In einer Gesellschaft, in der sich alle nur über Arbeit definieren, sei der „Lebensqualität“ mehr Raum zu geben. Sagen die. Denn auch jene, die nicht arbeiten, definieren sich bei uns über „Arbeit“, indem sie diese meiden. Valentin überall. Otianer meiden übrigens das Wort „Faulheit“, reden edler vom Müßiggang, der niemals aller Laster, sondern des Lebenssinns Anfang sei.
Nun denn. Ich bin für Vollbeschäftigung. Das klingt immer gut … und unter Beschäftigung muss ja nicht „Arbeit“ gemeint sein …
Fritz Fenzl


TARNKAPPE DANK NANOTECHNOLOGIE

Eine Tarnkappe (vom altdeutschen tarni, heimlich) ist ein mythischer Gegenstand, der es seinem Träger ermöglichen soll, sich zeitweise unsichtbar zu machen (eskamotieren). Wer etwas Phantasie walten lässt, stellt sich eine Tarnkappe dann vor, steht beispielsweise das Finanzamt vor der Türe, die ungeliebte Schwiegermutter oder gar eine verflossene Braut, die Alimente in Anspruch nehmen will. Für mich persönlich war es immer eine altmodisch geschnittene Mütze, so altmodisch, dass das Teil bereits im Mittelalter altmodisch gewirkt haben muss. Heute fühlen sich Menschen oft als Tarnkappeträger, die sich weder Dior noch Gucci noch Joop leisten können und von der modisch und sexy gekleideten Restwelt schlichtweg übersehen werden.
Im Märchen und in der Mythologie spielt die Tarnkappe eine durchaus bedeutende Rolle. Siegfried erringt im Nibelungenlied die Tarnkappe von einem Zwergen namens Alberich, der den Hort der Nibelungen bewacht. Im Nibelungenlied ist die Tarnkappe keine Kopfbedeckung, sondern - dem frühmittelalterlichen deutschen Sprachgebrauch entsprechend - ein Mantel oder Umhang, die Cappa. In heutigen Nibelungendarstellungen oder -verfilmungen wird die Tarnkappe jedoch immer fälschlicherweise als Helm dargestellt.
König Laurin nutzt eine Tarnkappe, um ungesehen an einer Maifahrt teilzunehmen, zu der er zu seinem großen Ärger nicht eingeladen wurde.
Einen Helm, der seinem Träger Unsichtbarkeit verleiht, fertigen die Zyklopen der griechischen Mythologie dem Unterweltsgott Hades, damit er dem Zeus im Kampf gegen die Titanen beistehen kann. Ja, und Harry Potter … der reiht sich sowieso in die Reihe der Kappenträger ein.
Neu spielt die Tarnkappe in der Wissenschaft ein bedeutende Rolle. In die Schlagzeilen geraten ist sie, weil man das Teil, das verschwinden soll, unter eine Art spiegelnder Teppich versetzt wird. Der dabei entstehende Hügel macht unsichtbar. Der Grund dafür sind Metamaterialien, eine komplizierte Lichttechnik und die so genannte Nano-Technolgie. Allerdings verschwindet lediglich eine Mini-Beule von einem Tausendstel Millimeter. Beim Untersberg soll es noch nicht so ganz klappen.
Warum auch? Der Mythos der Tarnkappe hat sich längst in unseren Alltag eingeschlichen. Getarnte Steuererhöhungen, der verschwindendende Geldwert, die täglich abnehmende Moral sowieso und versteckte Provisionen drücken in der Business-Sprache nicht nur stillen Teilhaber, sondern auch eine große Zahl unsichtbarer Absahner aus. Letztendlich der Weisheit letzter Schluss: In heutiger Zeit üben Menschen verstärkt die Eigenschaft des nicht Wegschauens - so lange jedenfalls, wie sie selbst nicht betroffen sind. Das Nicht-Sehen-Wollen aber, das ist leider der Mythos der modernen Tarnkappen, geschneidert und unters Volk gestreut im 21. Jahrhundert. Euer Fritz Fenzl


BIO VERNEBELT


„Ich möchte einen Satz Bio-Reifen“, habe ich streng gesagt, als im Spätherbst vier neue Winterreifen fällig waren.
„Bist bläd?“ kam es zurück vom resoluten Reifenheini.
„Biobläd“, meinte ich und wir haben dann lange über den raumgreifenden Bio-Wahn herumgealbert.
Das mit dem „Bio“ nervt, obwohl regelrechte Bionisten (eine gefährliche Sekte?) zum näheren Bekanntenkreis gehören.
„Und ist die Sache noch so dumm, sie findet doch ihr Publikum“, hat mein Großvater immer gesagt. Der hat aber noch nichts vom Bio-Wahn gewusst. Was findet sich denn heute noch im Supermarkt, das nicht mi „Bio-„ etikettiert wäre? Vor allem das, was am wenigsten „bio“ ist (das wäre frisches Obst) trägt diese Bezeichnung auf der umweltversauenden Verpackung. Der Bio-Verpackung natürlich. Und warum sollte eine Banane nicht bio sein? Alles ist Natur, was wächst.
Warum nicht auch noch Bio-Plastik für gutgläubige Verbraucher?
Wenn der Winter zu lange dauert, ist´s halt ein Bio-Winter. Gewalt schönreden? Wie wär´s mit Bio-Gewalt? Dazu der Bio-Müll, das Bio-Benzin, Bio-Gift und die Bio-Krise? Denn eine Krise ist ebenso nätürlich wie die Natur selbst.
Jetzt aber geht´s (hähä) den Bio-Saubermännern und Frauen sauber an den bioreinen Kragen: Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Bionismus eine neue Spielart der Bigotterie sei.
Gutmenschen? Tugendterroristen!
So etwas kann man sich nun sparen, titelt doch sogar die SZ auf Seite eins: „Vollmacht für die Sünde“. Untertitel „Warum Biowaren-Käufer keine besseren Menschen sind“. Der Inhalt des Artikels, einfach Klasse: Bio-Hardliner fühlen sich so ethisch, dass sie anderswo ein ethisches Defizit zeigen.
Na ja. Was finden Wissenschaftler nicht alles heraus.
Aber an meinem Obststand in Laim lacht sich die Griechin immer halbtot, wenn ich sage: „Wenn´s geht, bitte ohne bio!“
Es ist so einfach, Respekt zu erlangen. Fritz Fenzl


Naschen erlaubt...!!

ICH BIN DANN MAL WEG

Was treibt eigentlich die Mehrheit der Menschen dazu, rund um die Uhr erreichbar zu sein? Und das alles freiwillig! Schlimm genug, wenn im Büro das Telefon durchgehend klingelt oder auch sonst pausenlos irgendwer irgend etwas will. Die hohe Kunst der Un-Erreichbarkeit ist lediglich den Königen oder anderweitigen Großkopferten vorbehalten. Oder kennen Sie etwa eine königliche Hoheit, bei der Sie sofort vorgelassen werden?
„Majestät, der Fritz Fenzl wünscht Sie augenblicklich zu sprechen!“
„Komm ja schon!“
Eben. Die Unerreichbarkeit ist und bleibt ein Privileg derjenigen, die „ganz oben“ residieren. Die meisten Menschen aber fühlen sich unten wohl und wollen dort auch bleiben. Und wollen zudem rund um die Uhr erreichbar sein. Dafür gibt es das Handy, das wie eine elektronische Fußfessel deutlich sichtbar zumeist am so genannten Fesslungssymbol, dem Gürtel, getragen wird.
Man müsste ja eigentlich nicht mitmachen. Wozu gibt es Anrufbeantworter, im Festnetz, im Handy, im IPod und überall da, wo man auch telefonisch erreichbar sein könnte.
„Bin nicht da. Rufen Sie später an!“, klingt allerdings nicht sehr freundlich. Der Knigge, ja, es gibt schon einen Knigge, rät, wie man die Unerreichbarkeit auf höflichste begründet. Der selige Kurt Wilhelm beispielsweise, hat sein Band so besprochen: „ ...oder habe einfach keine Lust, ranzugehen“.
Gleich schrecklich ist die Gier, ständig bei allen angesagten „Events“ mit dabei zu sein. Wer das alles nicht und nimmer mag, dem sei empfohlen, sich ein zwar bestimmtes aber freundliches „i bin net da“ anzugewöhnen. Geht nicht? Von wegen. Da empfehle ich Ihnen einen ganz langen Blick in den Mega-Bestseller von Hape Kerkeling, der schnell mal „Bin dann mal weg“ ohne Nebenwirkungen ausprobiert hat.
Recht hat er. Da schätze ich auch meine mittlerweile schwer anerzogene Nichterreichbarkeit. Erreichen mich doch angesichts der "Bin dann mal weg"-Methode inzwischen wieder viele teils liebevoll teils kritisch verfasste Briefe ... und dies genieße ich dann bei einem Glaserl Rotwein und ausgeschaltetem Telefon. Ihr Fritz Fenzl


Gott zückt das Schwert - und das in München

Einmal ganz andere Gedanken zur Fastenzeit? Aber bitte:
„… Und ein Münchner von Anno 1754 hat uns gar anschaulich beschrieben, wie bei einfallender Stunde der ´himmlisch Vatter allzeit das Schwert zuckt, gleichsam als wolt er die Welt straffen, solches aber alsogleich, weil der Sohn Gottes und unsere Liebe Frau unter ihne knyend, die Händ als wann sie bitteten, auf und zu thun, wider einsteckt, zugleich die oberhalb in einem Thurm oder Cantzel stehende 4 Statuen sowohl die Händ als auch das Maul, gleichsam als thäten sie Buß-Predigen, bewegen´…“

So beschreibt, in einem wohl recht gedrechselten, aber mit großer Liebe zur Sprache und zu München durchwobenem Duktus Karl Trautmann in seiner Klassiker-Reihe über Alt-München, (verlegt in den 20-er-Jahren und Kleinod für jeden Monacensia-Sammler), das überaus rätselvolle Hingucker-Phänomen im Münchner Liebfrauendom: Dort nämlich zieht eine mechanische Perpendikel-Uhr aus dunklem Holze, wohl gut drei Meter hoch, die Betrachter in ihren Bann. Wo? Linker Umgang, in Höhe des Presbyteriums und der Krypta.
Hingehen und staunen!
Es gibt so vieles in München, gut erreichbar, aber mit so vielen, schier unlösbaren Rätseln versehen.
Diese Uhr hat es im wahrsten Sinne „in sich“, sie ist ein Wunderwerk der damaligen Mechaniker-Feinkunst. Der im doppelten Sinne dunkle Zeit- und Zeitenmesser, bei dem Gottvater stündlich das Schwert zückt und wieder in die Scheide steckt, zieht seinerseits bei Führungen die Teilnehmer in seinen Bann. Denn hier vergisst ein jeder genau das, was die Uhr anzeigt: Die Zeit eben.
Lassen wir es dabei, dass diese Uhr ein Kleinod für Raritätensucher in Altmünchen ist und bleibt. Die „Theologie“ mit dem Schwert-bewaffneten Gottvater ist abenteuerlich. Zerschneidet er die Zeit oder hat er einfach genug von seinen irdischen Hanseln?
Trotz Fastenzeit, deuten wir es mit Humor. Gott macht ganz einfach Brotzeit.
Fritz Fenzl


KUSS DES LEBENS AM RATHAUSECK

An der linken Seite des Münchner Rathauses, genau über dem Eingang zum „Sport Münzinger“, lohnt das genauere Hinschauen! Denn da gibt es einen Blickfang, neudeutsch gesagt, einen „Eye-Catcher“. Das ist der aggressive Pest-Drache.
Links, dort wo der Kopf des Drachen hinzeigt, fliehen die Menschen. Sie fliehen den Tod, weil sie das Leben lieben. Rechts von dem Halbrelief, das die entsetzten Fliehenden darstellt, - da tanzen die Schäffler.
Da geht es „aufwärts“ mit dem Leben. Jeder weiß, diese wackeren Mitglieder der Münchner Schaff-Macher-Zunft haben mit ihrem positiven, magischen Reigentanz die verpesteten Lebens-Geister der Städter wiederfreigeschaufelt.
„Positives Denken …“, würde man heute dazu sagen. Und jetzt ganz genau hinschauen!

Beim Halbrelief der tanzenden Schäffler ist rechts ein Hanswurst zu sehen, der ein Münchner Mädchen küsst, genauer betrachtet, abbusseln will; eine gar nicht unhübsche Maid, die sich spielerisch-neckisch abwendet:
„Ah gää, lass mi steh … oder machst weiter?“
Hinweis auf die Münchner Lebensfreude, wie sie nach dem Grauen der Pest wieder aufflackerte?
Das junge Ding, Magd oder Bürgermädchen, wohl keine gestelzte Adelige, ziert sich unter der Zudringlichkeit des Kasperls. Aber gekonnt! Sie wendet sich in abweisender und gerade dadurch lockender Drehbewegung ab, dergestalt, dass der schmusewillige Narr die Hoffnung auf eine Zuwendung keinesfalls aufzugeben braucht.

Diese München-Stelle, die genaueres Hinschauen erfordert, zeugt vom Humor. Und Humor ist Leben. “Wenn wir uns lieb haben, leben wir länger“, titelt das Süddeutsche Zeitung Magazin (Nr. 6, 12. Februar 2010). Das ist mein Beitrag zur Fastenzeit. Neben all dem gestelzten Verzicht-Geschwafel bitte das Leben nicht vergessen. Wer das Leben liebt, den liebt das Leben. Fritz Fenzl


FASCHING IS.....

„Fasching in München … ist es nicht schön, dass es sowas noch gibt ...?“, lautete die Schunkelzeile zur Faschingszeit in meiner Kindheit. Und dann der alles sagende Reim: „Fasching in München … ich bin in dich soo verliebt!“
Die Eltern bekamen feuchte Augen, wenn sie das Wort „Fasching“ auch nur ausgesprochen haben. Fasching, ein Synonym für gute Laune, Feste und Feiern, Gemeinschaft. Das hat sich so ziemlich geändert. Fasching ist das ganze Jahr über, schrill gefärbte Haare des Alltags stechen mehr noch ins Auge als bunte Perücken der Faschingszeit. Und selbst ausgewiesene Verkleidungsmuffel werden zur Wies´n-Zeit schwach und ziehen etwas Lustiges an. Das Wort „Faschingskostüm“ ist durch das Gaudi-Wort „Tracht“ ersetzt. Da helfen die betretenen Blicke der „echten“ Trachtler (was ist das, echt?) gar nix.
In der Pop-Musik regieren Kostüme eines Udo Lindenberg schön länger, von Madonna oder gar Lady Gaga in der unmittelbaren Gegenwart ganz zu schweigen.
Das Münchner Straßenbild war zur Faschingszeit durchsetzt mit „Masken“. Wo sind die jetzt? Wenn einer wie ein Kasperl gekleidet ist, dann meint der das ernst, ist Friedens-Aktivist oder Karl Lagerfeld persönlich. Aber, keine Angst, der geht nicht durch die Fußgängerzone.

Letzte Rettung, wie immer: Ball der Damischen Ritter im Löwenbräukeller. Immerhin, stundenlange (echte) Laune wie vor vielen, vielen Jahren auch schon. Der scheinbar glückende Versuch, Tradition fortzusetzen. Und der neue „Herzog Kasimir“ hat durchaus Ansätze, ernst bzw. eben nicht ernst genommen zu werden. Das allgemeine Rauchverbot schadet dem Fasching keineswegs und die Dezibel-Beschränkung ist so angenehm wie das (gottlob!) Fehlen der „Stimmungslieder“. Lieber 60-er-Jahre Pop! Weiter so, ihr Ritter. Wo ist sonst noch Fasching … ausser „im Läwenbräu“?
Fällt ma nix ei … der Fritz Fenzl


WARUM HAT DER PUTTO KEIN SCHWERT?

Ein gottgefälliges Werk in München? Da gibt es mehrere. Nein, die Sicherheitskonferenz ist nicht gemeint, die Dreifaltigkeitskirche aber schon eher. Bleiben wir „im Herzen“ Münchens, mittendrin: Der Kurfürst Maximilia I. hat irgendwann gelobt, so ein „gottgefäliges“ Werk anzustellen, und das mit gutem Grund. Hatte doch die schwedische Armee Bayern besetzt. Dem München-kundigen Leser dämmert bereits, um was es sich da handeln kann, unübersehbar auf dem Marienplatz: Die Mariensäule.
Die kennt jeder und auch hübsche Geschichten und Histörchen sind bekannt, bei Führungen gibt aber der schwertlose Putto, der auf den Basilisken eindrischt, große Rätsel auf. Ein Geheimnis, über das keiner spricht?
Es scheint auch kein Zuständiger von der Stadt zu merken, dass der Putto seit vielen, vielen Monaten kein Schwert hat. Den Fremdenführern aber wird wegen der Sache ein Loch in den Bauch gefragt. „Wissen sie auch nicht, was das soll ...?“, hat mich eine Führerin vom „Weißen Stadtvogel“ (die veranstalten herrliche München-Rundgänge) bei einer meiner „Magisches-München“-Führungen gefragt. Es war eine Führung für Führer, wir tauschen uns immer gegenseitig aus … aber der Putto? Keiner hat die Antwort.
Auf die Sockel der Mareinsäule wurden im Jahre 1641 vier Putti aus Bronze platziert, die kämpfen entschlossen gegen allegorisch dargestellte Unbill: Hunger (Drache), Krieg (Löwe), Pest (Basilisk) und Ketzerei (Schlange). Alle vier himmlischen Kämpfer schauen den Gegnern fest in die Augen, nur der Basilisk-Fighter schaut weg. Mit gutem Grund, denn der Basilisk hat den „bösen Blick“. Bei einem Augenkontakt wäre das dicke Kampf-Engerl sofort tot.
Der Bösblick-Basilisk, ein Drachenhahn-Mischwesen, ist im nahen Brunnen gesessen, erst ein hingehaltener Spiegel hat ihn selbst vernichtet. So entstand damals die Sage vom „Spiegelbrunnen“.
So weit so gut. Aber nun fehlt dem Engel das Schwert und er muss mit bloßen Händen kämpfen. Und das ohne Blick-Kontakt. Vielleicht steckt eine fernöstliche Kampsport-Schule dahinter? Die macht Reklame für „Kampf ohne Waffen“. Oder erhält der Engel bald einen Laptop, mit dem er die Bosheit des Gegners berechnet?
Gehen Sie hin, schauen Sie, erkennen sie den tieferen Sinn! Der dem Fischbrunnen zugewandte Engel, der Basiliskenkämpfer, hat kein Schwert. Tut aber so, als ob er eins hätte.
München hat so seine Geheimnisse und die armen Stadtführer haben Fragen zu beantworten, auf die es keine Antwort gibt. Fritz Fenzl


GEBRAUCHSANWEISUNG ZUM GLÜCK

Glücksgurus sind in. Es schaut ganz so aus, als ließe sich die Sinnsuche der selbstsüchtigen Gegenwart auf eine Glückssuche reduzieren. Wobei eigentlich keiner so recht weiß, was das denn sein soll: Glück?
Glück haben, Spaß haben, Dauerglück, Unglück, glücklich sein; Glück des Augenblicks … zum Glück gibt es noch keine europäische Glücks-Norm.
Aber die kommt schon noch. Die Glücksanweisungen sind abenteuerlich, glücklich schauen aber zumeist nur die aus, die das Glück verkaufen. Nein, so glücklich auch wieder nicht, aber irgendwie bauernschlau.
Seltsam, ich finde, die Glücksgurus unserer Tage haben sogar etwas seltsam Zynisches. Als wüssten sie genau: Glück lässt sich weder verkaufen noch in philosophischen, weltanschaulichen, halb-esoterischen Sentenzen verkünden,
Glück ist … wie eine Höhere Macht. Unbenennbar. Glück entzieht sich jedem gewollten Zugriff, es ist „wie aus einer anderen Welt“, die sich indes im Hier und Jetzt schon zeigt. Glück existiert scheinbar ohne Zeitbegriff, wenn es heißt, dass „dem Glücklichen keine Stunde schlägt“.
Aus einem Glücksguru-Artikel „10 Wege zu Glück“: Nimm deine Grenzen an/Nimm dich nicht zu ernst/Prüfe dein Denken/Lerne zu sein/ Lerne zu warten/ Wage Neues, zeige Mut/Öffne dein Herz/Genieße, es ist später, als du denkst!/ Verdränge nichts/Geh deinen eigenen Weg! –
So, jetzt wissen Sie, wie man glücklich wird.
Ich selber habe mit Glücksanweisungen nie etwas anfangen können.
Das ist mein Glück.
Halt, eine, die steht denn doch über all dem Werde-Glücklich-Käse:
„Vom Rest des Lebens halb verschont
Ist der schon, der in München wohnt.“
Na, von wem, wissen Sie´s?
Fritz Fenzl


SPASS AM INFO-STAND

Haben sie es gewusst! Oder geahnt! Zitat: „München ist das politische und kulturelle Zentrum Bayerns, Wirtschaftsmetropole und Universitätsstadt. Für viele Menschen Gründe genug, um sich für München als neue Heimat zu entscheiden“.
Wer ist daran interessiert, derart fundiert um München als Wohnort zu werben? Nun, das alles steht im „Cityguide für Neu-Münchner“, einem liebevoll gemachten Druckwerk mit 270 Seiten Umfang. Kostet 4,50 Euro, gibt´s aber ganz umereinsunst. Wo? Im Stadt-Informationszentrum unten im Rathaus. Der Mann an der Auskunft war überaus freundlich und hat mir den Preissn-Führer (eben „Cityguide für Neu-Münchner“) empfohlen. „Den kennas ham“.
München von außen gesehen. Warum nicht? Beim Thema „Wohnungssuche“ (S. 170) aber bin ich schmunzelnd hängengeblieben. Ich suche zwar keine Wohnung, die habe ich schon. Warum aber nicht nachlesen, ob man einen Makler nehmen sollte oder nicht? (wörtliche Zitate aus: „Neustädter München. Ausgabe 2009/2010. Der City-Guide für Neumünchner“, S.171:
„Bei Maklern müssen Sie sich richtig verkaufen. Gemeinhin haben Juristen und Lehrer bei dieser Zunft einen schweren Stand. Erstere wissen zu viel, Letztere haben zu viel Zeit zum Meckern. Also stellen Sie als Angehöriger dieser Berufsgruppen Ihren Job nicht allzu sehr in den Vordergrund.“
Ich weiß nicht, warum ich an dieser Stelle hängengeblieben bin. Habe weder mit Juristen noch mit Lehrern besonders viel zu tun.
Was ist nun gefragt bei Maklern: Ich sag´s Ihnen: Handwerkliches Können und saubere Bewerbungsunterlagen. Richtig gelesen Bewerbungsunterlagen. (!)
Wie gesagt: City-Guide, ein Umsonst-Spaß im Städtischen Info-Zentrum. Da gibt es nichts zu meckern. Fritz Fenzl


Einmal pro Woche Nymphenburg und zurück

Einmal pro Woche ist mein ganz persönlicher Nymphenburg-Tag. Parken in der Hirschgarten-Allee, Brotzeit in einer der nahen Metzgereien, Kaffee und Kuchen gleich ums Eck … ein Ratsch hier, ein Ratsch da.
"Ja mei, hams des a scho g'wusst?"
"Na, ned? Ja so wos."
Ein gemütlicher Spaziergang durch den wunderbaren Park. Das gehört dazu. Wo es doch neuerdings einen modernen Museumsladen gibt. Krawatten mit royalem Design für 50 Euro. Schwäne für zwei Euro. Weiße Schwäne, die gleichzeitig als Bleistiftspitzer fungieren. Nun wird jeder, den ich mag, mit so einem Spitzer-Schwan beschenkt.
Er hat schon eine ganz seltsame Eigenschaft, der Nymphenburger Schlosspark. Auch wenn man ihn täglich besuchen würde, er lässt sich jedes Mal aufs Neue entdecken. Was aber nicht nur am Wechsel der Jahreszeiten liegt. Möglich, dass der Wandel der eigenen Lebenszeit eine Rolle spielt. Wurde ich doch schon im Kinderwagerl durch den Park kutschiert. Seinerzeit, ja, da war eben für mich das das „Hexenhäusl“ besonders interessaant und die Schwäne, sowieso. In der Pupertät waren es die hübschen Mädchen, die im Park Lust wandelten und später dann die Maler und sonstigen Künstler. Für mich es es mein Ideen-Park. Denn selten verlasse ich das Gelände, ohne mit einer neuen Idee schwanger zu gehen.
Ähnlich ergeht es mir mit der Hirschgartenallee, die eine direkte Verbindung zwischen Schloss und Hirschgarten herstellt. Über hundert Jahre alte Pappeln säumen den Weg - und Erinnerungen, die von einer unbeschwerten Kindheit berichten. Ist doch meine Mutter eine geborene Hirschgärtlerin, die alle gekannt haben.
In meiner Straße gibt es immer noch das kleine Tabak-Laderl an der Ecke und jedes Mal, wenn ich da rein oder vorbei gehe, die Zigarren-Reklame der 50-er Jahre im Kopf, werden mir unglaubliche Geschichten zugetragen. Jüngst erzählten sie mir gar, es solle eine neue Trambahn gebaut werden. Entlang der Woten-Straße, durch die Laimer Unterführung hindurch. Ob die Nymphenburger gar diese Verrücktheiteen erfinden, um mir eine Freude zu bereiten???
Nein, beileibe nicht. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass an oberster Stelle tatsächlich geplant war, diese Linie einzurichten. In fröhlicher Faschingslaune grüßt
Euer Fritz Fenzl


Abgetaucht beim Schloß Nymphenburg

AM ANFANG WAR DIE KÄLTE

„Im Anfang (wohlgemerkt: im, nicht am Anfang) schuf Gott den Himmel und die Erde“ (Genesis 1,1). Und es muss nicht immer sommerlich sein, lauschig warm, Frühlingslüfterl-umflort, mild und lieblich, um so einen Garten zu genießen. Nein, vor allem diese herrlich frostklaren Januartage laden ein, die phantastischen Gärten Münchens einmal ganz anders zu entdecken. Kein verträumtes Sitzen auf dem Lieblings-Bankerl, denn ach, die Lieblingsbank ist eingeschneit. Man ist gezwungen, sich zu bewegen, möglichst schnell sogar. Das hat was. Das ist nämlich der eigentliche Sinn weise angelegter Gärten: Bewegung. Erfahrung im Gehen. Standpunkt und Bewegung in stetem Wechselspiel. Neue Gedanken! Probieren Sie es aus, es „geht“.
„Dann pflanzte Gott der Herr einen Garten in Eden gegen Osten und setzte den Menschen darein, den er gebildet hatte.“ (Gen. 1,8)
Da haben wir es. Der Mensch gehört in einen Garten. Nicht in irgendeinen Garten, in einen göttlichen, vom Schöpfer selbst inspirierten Garten gehört er. Aber die Bibel erzählt nichts von Schnee, Frost, Januar in München. Wenn Adam und Eva in fahrlässiger Kleidung im Ur-Garten an einem Baum gestanden sind, der volle Früchte trug, dann muss es dort ziemlich warm gewesen sein. Der Januar in München beschert da ganz andere „Erkenntnisse“, die keinesfalls verboten sind: Der erste Mensch erkannte die Welt, berührte die Materie in einem Garten Eden. Nicht schlecht, aber die Münchner Gärten sind auch nicht ohne! Denn sie sind von paradiesischer Klugheit und voller kabbalistischen Geheimwissens. Man muss nur hingehen und hinschauen.
Der Baum der Erkenntnis steht überall, das ist ja die Erkenntnis.
Nymphenburg, Englischer Garten, Hellabrunn, Alter Botanischer Garten, Maximiliansanlagen, Dichtergarten, Isarhochufer, Flaucher, Pasinger Stadtpark, IGA-Gelände, alle Friedhöfe viele begrünte, jetzt verschneite Stadtachsen.
Kälte macht den Kopf so klar und die neugierige Nase so aufgeregt. Fritz Fenzl


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