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SAGEN UND ÜBERLIEFERUNGEN

WO EINST UNSER KÖNIG LUDWIG STARB, DA HAUSTEN DIE WILDEN FRÄULEIN VON BERG.
Berg am Starnberger-See-Ostufer. Ein unbedingtes Muss für jeden König Ludwig II. – Anhänger! Jenes neuromantische Rundtempel-Bauwerk, das an den immer noch ungeklärten Tod des wissenden, aber unglücklichen Monarchen erinnert, ist Jahr für Jahr ein sagenhafter Anziehungspunkt. Und wem würde beim Anblick des Kreuzes im See, genau da, wo eine Jahrhunderte überdauernde Legende aus dem irdischen Leben schied, nicht gleich ganz anders werden?
Berg ist faszinierend, aber unheimlich. Das Schloss steht auf einem deutlich erkennbaren Hügel, der sich leicht über das Ufer des Sees erhebt. Wer den erhebenden Spaziergang durch den Schlosspark unternimmt und sich wissend umblickt, dem fallen wildromantische Nagelfluh-Felswände auf, die immer wieder tiefe Höhlen bilden.
Diese Stätten im Berg weisen oft die Spuren von dunklen Ritualen auf. Denn das gesamte Areal ist verwunschen!
Davon kündet die Sage von den drei wilden Fräulein von Berg: Dort oberhalb der heutigen Gedächtniskapelle für Ludwig II. führt eine ganz besondere Höhle tief in den Berg hinein. Früher soll dort in der Nähe auch noch der verwunschene Weiher gewesen sein, den eine inzwischen versiegte Quelle gespeist hat. Energetisch aber ist diese Zauberquelle immer noch da.
Viel ist heute nicht mehr bekannt um das sagenumwobene Geschehen. Eben jene Höhle beim Weiher , - so haben es früher die Fischer vom Starnberger See behauptet, - führt aber im Inneren des Berges weiter und immer weiter, bis sie auf ein verzweigtes unterirdisches Gänge-System trifft.
Und dort, wo keine Menschenseele je hinkam oder sich auch nur in die Nähe getraut hat, wohnten die drei Wilden Fräulein.
Die hießen aber nur „Wilde Frauen“, was eine altbekannte Bezeichnung für Hexen ist und sich von Wil-Pet, einer der drei Beten, herleitet. Ainbet, Firpet, Wilpet. So wie in der St. Alto-Kapelle von Leutstetten im Mühltal bei Gauting auf einem eindringlichen Bild dargestellt.
Jene Zauberfrauen von Berg waren, wie die drei Beten allerorten, lieb und hilfsbereit, eher scheu und suchend. Ihr Heilungswissen, das ist enorm!
Und die Menschen der Gegend, vor allem die besonnenen und klugen unter ihnen, haben es den drei Fräulein stets gedankt. Auf recht liebenswerte Weise sogar. Man stellte Brot, Schmalz und Mehl an die besondere Stelle neben der Quelle und dem Tümpel, den guten Platz, an dem die drei Frauen gesehen worden sein sollen.
Ebenso menschlich war daraufhin der Dank der Beten: sie wuschen über Nacht den Anwohnern die schmutzige Wäsche! Die verdreckten Hemden, Hosen, Wämse und Strümpfe mussten für diesen Zweck nur sorgfältig neben den Weiher gelegt werden.
Praktisch, oder?
Es soll dann ein mitleidiger Bauer Schuhe für die drei Frauen neben der Quelle deponiert haben. Gegen welchen Hexen-Ehrenkodex er dabei verstieß, ist nicht bekannt.
Aber die Drei Saligen erschienen nimmermehr.

Gedanken:
Mit Bedacht schenken. Eine Gabe kann noch so gut gemeint sein. Aber im Herzen falsch ankommen!Aus:
SAGEN UND MYTHEN AUS BAYERN . URGRUND
UND UNTERBEWUSSTSEIN.
Erscheint im Frühjahr 2009 bei stiebner.





TEUFEL, KRISE und MÜNCHEN

TEUFEL, KRISE
UND MÜNCHEN.

Der Teufel war der ewigen Landstreicherei überdrüssig geworden. Ist er in die Jahre gekommen damals? Gibt es in der Ewigkeit eine Midlife-Crisis? Wissen wir nicht.
Weiter: der Teufel also hat das dauernde Herumstromern und Seelenfangen satt gehabt. Er fühlte sich wie ein ausgelutschter Außendienstler.
Mit wem kann man reden und das Herz ausschütten, wenn einem so richtig mies ist? Immer mit dem Lieben Gott.
„Ich fühle mich ausgebrannt!“, sagte der Widersacher zu seinem Schöpfer.
„Kommt von deiner ewigen Herum-Sitzerei in der Hölle.“
„Meinst du?“
„Aber ja.“
Der Teufel nahm ein Taschentuch, schneuzte, unterdrückte eine gelbliche Träne aus Salzwasser und Schwefel und polierte dann mit glasigen Augen eines der beiden Hörner. Tut er immer, wenn er verlegen ist oder angestrengt nachdenkt.
„Gib mir ein Stück Land.“
„Seit wann machst du in Grundstücken?“

Auf der Erde herrschte zu dieser Zeit die große Krise. Der Liebe Gott war argwöhnisch, dann aber sah er mit Wohlwollen, dass der Teufel nicht auf schnellen Spekalutions-Gewinn aus war, sondern dass er sich wahrhaft zur Ruhe setzen wollte.
„Ein Stückchen Erde also willst du.“
„M-hm.“
Sag´ einer, die im Himmel verstünden sich nicht auf kluge Geschäfte. Neudeutsch würde man in unseren sprachverhunzenden Tagen wohl anmerken: „Ein kluger Deal …“. In dem Falle: Ein himmlisch guter Deal!
Nun denn, feine Geschäfte machen, das hat immer schon etwas Verbindendes.
Der Liebe Gott dachte, es sei besser, man gäbe dem Bösen ein Stück Erde, als dass man ihm die ganze Welt überliese. Auch der diesthabende Cherub hielt die Idee für strategisch gut. Aber!
Aber welches Stück Erde?
Richtig. An der Isar…

So kommt es, dass München, wenngleich gottgewollt, einfach teuflisch ist. Eine Art Seelen-Austragsstüberl. Teuflisch lebenswert. Und weitflächig katholisch. Fritz Fenzl

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