NACHWORT
DIE BESTIENSÄULE
IM FREISINGER DOM: MEHR ALS NUR STOFF FÜR SAGE UND MYTHOS !
In nordöstlicher Fließrichtung der Isar und unweit von München liegt Freising. Hochherrlich dominiert der Dom mit den kraftvoll gedrungenen, doppelt geerdeten und Macht signalisierenden Doppeltürmen das Umland.
Begeben Sie sich in die Krypta, direkt unter dem Chorraum und dem heiligen Areal des Altares. An der energetisch entscheidenden Stelle: Die Bestiensäule.
Zufälle gibt es nicht. Wer die Sagen und Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht, - und es ist fürwahr mehr als immer nur ein „Körnchen“ Wahrheit, das sich in diesen Ur-Mären des Daseins und den Grundmythen der Seelentiefe verbirgt -, dem werden die stets sich wiederholenden Schlüsselbegriffe zur ewig gültigen Chronik des Weltengeschehens gleich auffallen.
Immer wieder der Drache.
Das Ungeheuer. Das Motiv des Verschlingens und des Verschlungen-Werdens. Das Ewig-gültige, - oder manchmal auch der seltsam bizarre Ersatz für Wahrheiten. Keiner kommt der Suche aus. Keiner kann dem grausigen, aber natürlichen Spiel des Verschlingens oder Verschlungen-Werdens entrinnen.
Elias Canetti widmet in dem Werk „Masse und Macht“ ein ganzes Kapitel (das wohl entscheidende!) den „Eingeweiden der Macht“. Unter dem Begriffspaar „Ergreifen und Einverleiben“ beschreibt er ausführlich und schockierend, dass der Überlegene alles Unterlegene als Tier sieht, einverleibt, aussaugt, verdaut, wegwirft. Eine feinere religiöse Sprache, wie sie uns anerzogen ist, redet dann lieber vom „Transformationsprozess.“
Sicherlich be-deutet es mehr als nur Zufall, wenn in der letzten Zeit so oft von „Erinnerungsorten“, vor allem in Bezug auf die Deutsche Vergangenheit gesprochen wird.
Es gibt und gab immer schon besondere Plätze, seltsam hervorgehobene Stätten mit energetischer Hoch-Ladung, „Magische Orte“ im eigentlichen Sinne, in deren unmittelbarem Umfeld „Kraft“ spürbar, erkennbar und wirksam war. Diese Plätze sind so alt wie der Erde selbst. Vielleicht sogar noch älter.
Welche Plätze? Welche Kräfte?
Zumeist finden wir schnell die Ur-Kraft von Wasser und von Quellen, lebendige Flusskräfte des Lebens also (Wasser ist Leben! Mehr noch: Wasser bedeutet einen hervorragenden Informationsträger); - dazu Kräfte der Erde und des gesamten kosmischen Gefüges, Erdenergien und Energiefelder, die eben an besonderen Plätzen der Erdkugel mehr wirken als anderswo. Das habe ich in allen bisherigen Kraftort-und Sagen-Büchern darzustellen versucht.
Nur Spekulation?
Wohl eher nicht. Denn an Schnittpunkten der Linien, wie sie sich zwischen solchen magischen Orten hinziehen, spielten immer schon die entscheidenden Sagen.
Zeit?
Raum-Zeit- Komponenten treten überall dort in verschiedener Intensität auf, wo die Oberfläche der Weltkugel die Kriterien der wirk-mächtigen geomantischen Urgesetze erfüllt. Ergänzende Faktoren zu diesem Thema, das tatsächlich in die Ewigkeit führt und zurück, mögen dem Leser am Ort der Sage selbst meditativ „aufgehen“; mehr lässt sich hier nicht präzisieren.
Die legendäre Bestien-Säule des Freisinger Domes St. Maria und St. Korbinian erzählt keine Sage, sie ist Sage.
Kämpfende, überstarke und überirdische Wesen, ein entfesseltes Verschlingen und Verschlungen-Werden, kurzum eine brausende und tobende Götterdämmerungs-Mythologie!
Die Frau aber, das Weibliche, gen Osten blickend, bleibt bei alledem unbehelligt.
Weder verschlingt sie, noch wird sie verschlungen. Sie steht dem einverleibenden und verdauenden Tierreich abseits und wartet ab.
Im Osten aber ist das Licht, der Orient, im wörtlichen Sinne die Orientierung. Wir brauchen eine gewaltige Neu-Orientierung.
Der mythologische Hintergrund ist hier mit Geschichte, Legende und Sage des Korbinian verwoben, der einstmals keltisches Wissen hier an einer Stelle, da die alte bayerische Agilolfinger-Burg stand, mit der christlichen Heilsbringer- und Erlöser-Idee vermischte.
Korbinien zähmt den Bären, also das Tier. Er kann mit diesen verschlingenden, verdauenden, gebärenden und immer gleich gefährlichen Direkt-Kräften der Weltenläufte umgehen. Lernen wir von seinem sagenhaften Einweihungswissen.
Einverleiben. Verschlingen und Verschlungen-Werden. Haifisch-Energie.
Ein Kampf, der bis heute dauert (den wir übrigens mit jeder Mahlzeit grausig aktualisieren; vom „Abendmahl“ und dessen Verschling-Mythos sei hier noch gar nicht die Rede).
Ein Urkampf, der die Schöpfungslehre und den schein-bar gegensätzlichen Darwinismus seltsam vereint und der mit dem Geschehen auf der Bestiensäule vergleichbar, gar identisch ist.
Das heftige Gewurl der Drachen im Bereich des Bodens zeigt für den, der solche Symbol-Sagen lesen kann, die in heißer Schöpfungsbrühe brodelnden Erd-Energien.
Der Drache bedeutet „Die Erde“, so wie die Drachenlinie fließende Erdkraft anzeigt.
Gehen sie hin.
Unten in der Krypta stehen sie zwischen drei Reihen von je acht Säulen. Vier Schiffe mit neun Jochen halten die hier waltenden ungeheuerlichen Kräfte im
transformativen (!) Schwebe-Zustand. Wenn sie körperlich hier sind, - genau hier -, gewinnt die Ur-Sage Gestalt.
Wo?
In ihrem Kopf!
Lesen und verinnerlichen sie die Sagen und Mythen Bayerns.
„Verschlingen“ sie das Buch, „verleiben“ Sie sich die Texte ein!
Es existiert ein Mythos, der quer durch die bewegten Jahrhunderte unseres kulturellen und geistigen Werdens in unser 21. Jahrhundert hineinreicht und lebendiger wirkt denn je.
Und auch Ihnen wird ein Licht aufgehen.
Ω
