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Ein „Braunes Haus“ in direkter Nähe zum Königsplatz (klick direkt zum Projekt!)
Noch wächst Gras über den finsteren Ort mit einer gigantischen Aufladung des Bösen. Doch bald schon wird durch den Bau des geplanten
„NS DOKUMENTATIONSZENTRUM“ eine gesunde geistige Reinigung erfolgen.
Interview zum Königsplatz... MP3-Format
„Der Nährboden für den Nationalsozialismus war schon um die Jahrhundertwende in München besonders fruchtbar. Nach dem verlorenen Weltkrieg schwächten zudem Revolution und Gegenrevolution die republikanischen Kräfte und verstärkten antidemokratische, rechtsextreme Strömungen.“
So steht es in der hervorragenden und handlichen Broschüre „Themen Geschichtspfad. Der Nationalsozialismus in München“, herausgegeben von der Landeshauptstadt München. Siehe auch im web unter www.muenchen.de/tgp.
Vielleicht ist es gut so, sich vom Karolinenplatz her, ernsten Gedanken um Macht und Ort nachgehend, dem einstigen „Königlichen Platz“ zu nähern.
Wer einen ausgedehnteren historischen Spaziergang vorzieht, der möge seinen eigenen „Pfad des Nicht-Vergessens" und der geschichtlichen Reflektion wählen: Ausgehend vom Hofgarten, dann über den nahen Odeonsplatz mit starker magischer Aufladung, in westlicher Richtung, über den Platz der Opfer des Nationalsozialismus und den Karolinenplatz bis zum Königsplatz, der in Münchens braunster Zeit „Königlicher Platz“ genannt wurde.
Dem Königsplatz habe ich bereits ein Kapitel in „Magisches München“ gewidmet. Dessen aufregende Geschichte ist stets von einer seltsam macht-dräuenden Vorgeschichte geprägt, einem ganz eigenen städteplanerischen Werdegang, verquickt mit sehr genauem und sorgfältig eingesetztem Wissen um Ort und Herrschaft. Immer dabei: die unverkennbare Handschrift der Wittelsbacher. Dann aber wurde der ehemals „Fürstenweg“, der genannte Weg der Kraft, diese bedeutendste magische Linie in München - ausgehend vom
-Platz vor dem Schloss Nymphenburg, über
-Rotkreuzplatz
-Nymphenburger Straße
-Brienner Straße
… dann mitten durch die Propyläen und den
-Königsplatz
(rechts und links an der östlichen Seite standen damals die so genannten „Ehrentempel“, sie erinnerten an die Toten beim „Marsch auf die Feldherrnhalle im November 1923.
Nach Kriegsende sind diese unheimlichen Todestempel von den Amerikanern gesprengt wurden; die Wildwuchs-überwucherten, extrem erdverwurzelten Sockel bleiben allerdings immer noch genau zu erkennen; schließlich
-Karolinenplatz mit Obelisk, dann
-Wittelsbacherplatz (direkt nördlich vom Odeonsplatz)
- schließlich Hofgarten mit Hofgartentor, Diana-Tempel, noch östlicher das Kriegerdenkmal.
(Zufall? Das ehemalige Armee-Museum mit der „angebauten“ heutigen Staatskanzlei schließt die Kraftlinie ab!) …
Dieser „Pfad der Macht“ wurde schrecklich missbraucht!
Übung zwischendrin:
Wenn sie diese Linie mit einem Lineal durch München ziehen, führt der ursprüngliche Fürstenpfad schließendlich weiter bis zum
-St. Anna Platz mit der Kirche St. Anna im Lehel von Gabriel von Seidl.
Betrachten sie nun aufmerksam einen Stadtplan, der den Königsplatz mitsamt seiner näheren Umgebung darstellt. Ideal ist der eingelegte Faltplan vom oben genannten „Geschichtspfad München“. Das Braune Haus befand sich direkt am östlichen Ende des Königsplatzes an der Brienner Straße, es schloss an den nördlichen der beiden so genannten Ehrentempel an, auf der anderen Seite der Arcis-Straße.
Vor gar nicht langer Zeit waren die Grundmauern freigelegt, im Moment ist das Areal zugeschüttet und es wächst, im wörtlichen Sinne „Gras über die Sache“.
Das aber soll nicht so sein und wird auch nicht so sein!
Das ehemalige Palais Barlow wurde von der NDSAP im Jahre 1930 erworben und dann zur Parteizentrale „Braunes Haus“ umfunktioniert und umgestaltet. Ende der 20er Jahre hatten Spender aus der Industrie den Erwerb der Immobilie in der ehedem extrem vornehmen Lage möglich gemacht, so dass sie nun nach Hitlers Vorstellungen umgebaut werden konnte. So befanden sich jetzt die Büros verschiedener Parteiorganisationen und hochrangiger NS-Kader am Ort. Darunter auch die von Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess und dem Leiter des Rechtsbüros Hans Frank.
„Hitler selbst widmete sich dem Umbau des Braunen Hauses mit einer Anteilnahme und Leidenschaft, die auf sein Umfeld durchaus irritierend wirkte ...“, schreibt Andreas Heusler , Historiker und Leiter des Sachgebietes Zeitgeschichte und Jüdische Geschichte am Stadtarchiv München in dem neu erschienen Buch „Das Braune Haus“. (München 2008, S.145).
Gehen Sie hin, lesen Sie die Tafeln und erschrecken sie über die dem Ort einbeschriebene Erinnerungs-Energie, die immer noch frösteln macht!
Gedanken:
Möge die kollektive Erinnerung hier am besetzten Ort den zur Zeit einsetzenden Verlust der Zeitzeugenschaft ausgleichen. Um mit Andreas Heusler zu schließen:
„Mit dem Verstummen der Zeitzeugen gewinnen Orte der Verfolgung, Täterorte, Opferorte eine neue Bedeutung als Bezugspunkte unverfälschter Erinnerung“. (ebenda, S. 14)
